Anarchosyndikalismus in Spanien
Der spanische Bürgerkrieg gilt als eines der wenigen Beispiele, in denen anarchistische Ideen im größeren Rahmen in die Praxis umgesetzt wurden. Wir sprachen mit Carlos Javier Cuenca und Matías Tres von der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft CNT aus Spanien.
In den 1930er Jahren versuchten Militärs um General Franco in Spanien die Macht zu übernehmen. Daraufhin kam es zum Bürgerkrieg. Welche Rolle spielte die CNT?
Die Rolle der CNT war einer der wichtigsten im Bürgerkrieg, da sie die grösste Gewerkschaft war, mit beinahe zwei Millionen Mitgliedern. Diese Gewerkschaft hatte eigene Produktionsmittel, bewaffnete Milizen und bewundernswerte Infrastrukturen. Es war das erste Mal in der Geschichte Spaniens, dass dank einer anarcho-syndikalistischen Organisation die Machtübernahme durch das Militär in Barcelona verhindert wurde.
Zu Beginn des Bürgerkriegs hatten die anarchistischen Milizen der CNT mehr oder weniger die Unterstützung der Behörden, da sie die ersten waren die gegen den Franco-Aufstand kämpften. Damals hatten die Kommunisten etwa drei Prozent der Stimmen bei den Wahlen.
Am 19 Juli 1936, wurde der Putsch in den wichtigsten Städten Spaniens zurückgedrängt, zum Beispiel in Barcelona, Valencia, Madrid… Und die Arbeiter nutzten diese Gelegenheit um eine soziale Revolution in manchen Regionen zu starten. Es wurden viele Produktionsmittel vergesellschaftet, die meisten Chefs von den Firmen verschwanden, und die Arbeiter organisierten ohne jegliche kapitalistische Struktur die Produktion für die Bevölkerung und den Bürgerkrieg. Alles war selbstverwaltet, und in vielen dieser Dörfer wurde sogar das Geld abgeschafft. Noch heute erinnern sich viele der älteren Personen an diese Zeit. Die anarchistische CNT wollte nicht nur den Krieg gewinnen, sondern eine soziale Revolution durchführen, die den freiheitlichen Kommunismus als Ziel hatte.
Zu Beginn der Republik waren die Kommunisten eine eher kleine politische Fraktion, doch Stalin schaffte es mit Waffenlieferungen und Propaganda, dass das neue kommunistische Regime die Milizen unter ihre Kontrolle brachte. Die CNT ging niemals auf dieses Spiel ein, das von Anfang an von der Sowjetunion kontrolliert war. Der Konflikt zwischen der autoritären kommunistischen Fraktion und den Anarchisten eskalierte im Mai 1937. Ab diesem Zeitpunkt verlor die revolutionäre Bewegung in Spanien ihre Kraft, und schliesslich führte dies zum Untergang der Republik und zum Sieg Francos.
Nach der Machtübernahme durch General Franco wurde die CNT verboten. Haben die Leute dann einfach aufgegeben?
Viele Genossen wurden dazu gezwungen, ins Exil zu reisen, in Länder wie Frankreich, Mexico, Argentinien… Aber viele der Leute, die in Spanien blieben, versteckten sich in den Bergen und kämpften weiter gegen das Franco-Regime. Propagandistische Aktionen innerhalb Spaniens waren sehr kompliziert und gefährlich, man versuchte immer wieder heimlich Informationsblätter in das Land zu schmuggeln. Es waren sehr schwere Zeiten, da das uneingeschränkt herrschende Franco-Regime die Arbeiterbewegung stark unterdrückte und viele Todesstrafen bis 1975 vollstreckte. Der lezte der Ermordeten war der bekannte Anarchist Salvador Puig Antich, der Banken beklaute um heimlich die Arbeiterbewegung zu finanzieren, und gegen das Regime kämpfte.
Du hast viel über die Vergangenheit gesagt. Heute gibt es die CNT wieder. Wie ist es dazu gekommen und was macht ihr heute?
Wir reden viel über die Vergangenheit, da wir erstens, nicht die Fehler dieser Vergangenheit wiederholen wollen, und zweitens, weil wir denken, dass ein Volk, das seine eigene Geschichte nicht kennt, sehr wahrscheinlich diese wiederholen wird. Als Franco starb war die CNT eine über die ganze Welt zerstreute Organisation, die kaum eine Basisinfrastruktur hatte. In der Zeit zwischen 1975 und 1978, als die CNT wieder legalisiert wurde, organisierten sich die Leute langsam um wieder von null anzufangen.
Die CNT, damals wie heute, unterscheidet sich von den anderen Gewerkschaften darin, dass sie keine Staatsgelder annimmt, nicht bei den Betriebsratswahlen teilnimmt und keine Angestellten hat. Heute benutzen wir immer noch die Selbstverwaltung als Kampfstrategie.
In den letzten Jahren hatten wir sehr harte Arbeitskämpfe auf lokaler Ebene hier in Zaragoza, zum Beispiel der Konflikt mit der Möbelfirma Dibus oder mit Ryanair, in dem es zu illegalen Festnahmen und Einschränkungen der Pressefreiheit kam. Dadurch, dass wir die stärkste Wirtschaftskrise seit 1929 erleben, wächst unsere Organisation. Wir haben zur Zeit eine sehr junge Militanz, die durch die Erfahrung der älteren Militanten, die gegen das Franco-Regime gekämpft haben, ergänzt wird. Eins unserer internationalen Kampfmittel ist die IAA (Internationale Arbeiter Assoziation), deren aktuelles Sekretariat hinter Gittern sitzt.
Vielen Dank für das Interview!
Vielen Dank auch, dass ihr mit uns dieses Interview gemacht habt. Wir freuen uns sehr, dass es in Deutschland ein Interesse an unserer Bewegung gibt. Uns freut es sehr zu wissen, dass es auch in anderen Ländern Genossen gibt die Tag für Tag für diese schöne Utopie kämpfen. Salud y Anarquía!
Interview: BRiB

