¡No Pasarán!
Am Freitag und Samstag wollen, wie alle Jahre wieder, tausende Nazis aus ganz Europa unter dem Slogan vom „Bombenholocaust“ durch die Dresdner Innenstadt marschieren. Bis zu 6.000 Nazis wollen am Wochenende in Dresden aufmarschieren und versuchen, ihre menschenverachtende Hetze auf die Straße zu tragen. Medien rechnen mit einem der größten neonazistischen Aufmärsche seit der Wiedervereinigung.
Nazis aller Couleur, von Konservativen bis Militanten, werden versuchen, einen „Traueraufmarsch“ zu inszenieren um vorgeblich den Toten der alliierten Bombardierung Dresdens im Februar 1945 zu gedenken. Die Nazis versuchen so knallhart die Geschichte umzudeuten. In ihrem revisionistischen Geschichtsverständnis unterschlagen sie, dass die Alliierten Deutschland aus der Diktatur der Nazis befreiten. In ihrer Propaganda ist nicht mehr die Shoah – der Mord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch die deutschen NationalsozialistInnen – das schreckliche Verbrechen, sondern die Befreiung durch die Alliierten, die das Ende eben dieser nationalsozialistischen Schreckensherrschaft bedeutete. Mit Ausdrücken wie „Bombenholocaust“ oder „angloamerikanischen Bombenterror“ inszenieren sie ihre TäterInnen-Opfer-Verkehrung.
Dagegen werden Tausende Menschen protestieren, mehrere Demonstrationen sind angekündigt: Unter dem Motto ¡No Pasarán! – sie werden nicht durchkommen – rufen antifaschistische Gruppen zu Blockaden und Aktionen auf. Am Sonnabend, den 14. Februar sollen mehrere antifaschistische Demonstrationen stattfinden. Zur antifaschistischen Intervention ruft auch das Antifa-Bündnis ¡Venceremos! – wir werden siegen – auf, dass seit Jahren Widerstand gegen den Geschichtsrevisionismus in Dresden organisiert.
Zu einer dritten Gegendemonstration ruft ein bürgerliches Bündnis auf. Unter dem Motto „Geh Denken“ haben sich Gewerkschaften, die Parteien, SPD, Grüne und Linke und andere BürgerInnen zusammengefunden. Auch sie wollen ein „klares Zeichen gegen Rassismus, Intoleranz und Geschichtsrevisionismus“ setzen.
Nicht beteiligen wird sich die CDU. Sie hat sich aus unverständlichen Gründen wieder aus dem „Geh Denken“ Bündnis zurückgezogen und konzentriert sich nun anscheinend darauf, die verschiedenen geplanten Gegenaktionen zu kritisieren. Die FDP hat sich zu dem Naziaufmarsch bisher überhaupt nicht geäußert.
Am Wochenende wollen nicht nur Nazis eine Trauerfeier inszenieren. Auch viele Menschen aus der Dresdener Bevölkerung werden an diesem Tag Gedenkfeiern abhalten. Auch hier sollten die Menschen jedoch den historischen Kontext der Luftangriffe nicht vergessen. Wer sich dem nationalen Opfermythos hingibt und geschichtsrevisionistische Argumentationsmuster übernimmt, schafft den Nährboden der Nazis. Für diese hat der Aufmarsch in Dresden auch deshalb eine so große Bedeutung, weil sie auf politische Anschlussfähigkeit an Teile des bürgerlichen Lagers hoffen.
Ob den Nazis dies gelingt, oder ob es möglich ist den GeschichtsrevisionistInnen die Straße zu nehmen, wird sich am Wochenende zeigen. Schätzungsweise 12.000 Menschen werden versuchen sich den Nazis entgegen zu stellen.
Christoph M.
Weblinks:
¡No Pasarán!: http://dresden1302.noblogs.org/
¡Venceremos!: http://venceremos.antifa.net/13februar/2009/aufruf.htm
Geh Denken: http://www.geh-denken.de/







