Naziaufmarsch stoppen! Auf nach Bad Nenndorf!
Bad Nenndorf im August. Hunderte Neonazis marschieren in Reihen von je vier Personen durch die Straßen. Die meisten sind schwarz gekleidet, mit Basecap und Sonnenbrille im Style der so genannten „Autonomen Nationalisten“. Auf Anweisung von NPD-Funktionären nehmen sie die Hände aus den Hosentaschen. „Nationaler Sozialismus – jetzt!“ schreien sie im Chor, auf manchen ihrer T-Shirts steht „88“, ein bei den Nazis beliebter Code für „Heil Hitler“. Mindestens drei Teilnehmer haben Reichskriegsflaggen dabei. So sieht es aus, wenn sich hunderte Neonazis treffen, um zu „trauern“.

Die Neonazis beim "trauern" in Bad Nenndorf
Bad Nenndorf, ein kleiner Kurort in der Nähe von Hannover, wird dieses Jahr zum vierten Mal in Folge zum Ort eines jährlich größer werdenden Neonazi-Aufmarsches. Wieso hier? In Bad Nenndorf liegt das Wincklerbad. Es geriet Ende 2005 in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als britische Medien die Vorfälle zur Nachkriegszeit in dem Kurbad wiederentdeckten. Von 1945 bis 1947 diente das Bad britischen Geheimdiensten als Verhörlager, in dem es auch zur Folter von NS-Kriegsverbrechern und vermeintlichen Spionen gekommen ist. Bereits 1947 wurde das Lager wegen dieser Vorwürfe geschlossen und die Geschehnisse in einem Prozess in London aufgearbeitet. Dass die britische Tageszeitung „The Guardian“ 2005 in einem Artikel an die Vorfälle erinnerte, kam den Neonazis gerade recht.
In ihrem revisionistischen Geschichtsbild sind die Deutschen immer nur Opfer und die Alliierten, die Juden, Sinti und Roma, Kommunisten, die USA, Israel oder einfach „die Ausländer“ die Täter. Ob Dresden, Wunsiedel oder der 1. Mai: Geschichtsverdrehung ist für die Nazis heute ein wichtiges Thema. Auch, weil sie damit oftmals an revisionistische Diskurse der Mehrheitsgesellschaft anknüpfen können. Denn auch im deutschen Alltagsdiskurs wird die deutsche Kriegsschuld immer öfter verharmlost.
So gehen zum Beispiel in Dresden nicht nur die Neonazis einmal im Jahr auf die Straße, um den „Bombenholocaust“ zu betrauern, auch viele Menschen aus der Dresdener Bevölkerung halten am gleichen Tag Gedenkfeiern ab und vergessen dabei nur allzu oft den historischen Kontext der alliierten Luftangriffe.
Die Nazis wollen auch in Bad Nenndorf den Mythos von den deutschen Opfern propagieren. Die Shoah, der Mord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch die deutschen Nationalsozialisten, betrauern sie dagegen nicht. Im Gegenteil verharmlosen, verherrlichen oder verleugnen die Neonazis die Shoah sogar. Sie fordern, auch in Bad Nenndorf, wieder lauthals einen „Nationalen Sozialismus“.

Antifaschistischer Protest
Am 1. August 2009 wollen die Neonazis nun wieder in Bad Nenndorf aufmarschieren. Sie versuchen den kleinen Ort in Niedersachsen, in dem sie bis zum Jahr 2030 Aufmärsche angemeldet haben, als Kultstätte für Neonazis zu etablieren. Nachdem dort 2008 zum ersten Mal mehr Neonazis als Gegendemonstranten auf der Straße waren, rufen nun verschiedene antifaschistische und auch bürgerliche Initiativen gemeinsam zu Gegenaktionen auf, um der NS-Verherrlichung entschlossen entgegenzutreten.
Christoph M. (http://christophm.blogsport.de/)
01.08.2009, Bad Nenndorf:
Demonstration gegen den Naziaufmarsch!
10:30 Uhr, Bahnhofsvorplatz
Infos unter:







