Rechtsextreme Tierschützer
„Sie sterben für den Wohlstand unser kapitalistischen Oberschicht“. So, oder so ähnlich lauten die Parolen, die sicher schon einige auf Plakaten oder Flyern von Neonaziaufmärschen gelesen haben. Vermehrt stellen Rechtsradikale Videos auf ihre Internetseiten, in denen sie sich über die Ausbeutung von Tieren beklagen. Tierschutz als Aktionsfeld der Nazis ist aber keine neue Erscheinung.
Adolf Hitler hat wenig Fleisch gegessen und war bekannt für seine vermeintliche Tierliebe. So wurden Postkarten veröffentlicht, auf denen Hitler ganz privat ein Rehkitz fütterte. Der SS-Reichsführer Himmler galt als Führungspersönlichkeit des „grünen Flügels“ der NSDAP und bereits 1933 erließ Hermann Göring ein Tierschutzgesetz, 1935 folgte ein Naturschutzgesetz.
Alles nur Propaganda? Hauptaussage des Tieschutzgesetzes war das Verbot, Tiere ohne Betäubung zu schlachten. Dies war damals aber sowieso eher unüblich und wurde fast nur noch bei der jüdischen Schlachtmethode – dem Schächten – ausgeführt. Das Schächten ist eine Schlachtart, bei der das Tier zum rückstandslosen Ausbluten gebracht wird, da der Verzehr von Blut im Judentum verboten ist. Ein weiterer Teil des Gesetzes befasste sich mit Tierversuchen, die dadurch illegal gewordenen Versuche wurden allerdings später auf grausame Weisean Häftlingen in den Konzentrationslagern durchgeführt.
Eben so auffällig war, dass das Töten und Quälen zu ökonomischen und wissenschaftlichen Zwecken straffrei blieb. Auch im militärischen Bereich schienen Tierrechte auf einmal keine Bedeutung mehr zu haben; so gehörte es zur Ausbildung eines SS-Soldaten, wochenlang mit einem Hund zusammen zu leben, um ihm dann vor den Augen des Ausbilders das Genick zu brechen. Und was war mit Hitler selber? Vegetarier soll er nur aus gesundheitlichen Gründen gewesen sein, er trank auch keinen Alkohol und rauchte nicht. Außerdem verabscheute Hitler nicht-reinrassige Tiere und besaß mehrere Hunde, die er mit „Übungen“ traktierte und quälte. Einen von ihnen erschoss er sogar.
Neonazis gehen heute mit dem – vor allem bei jungen Menschen – populären Thema Tierschutz auf Stimmenfang. Noch immer fordern viele Rechtsextreme ein Verbot des Schächtens. Auch die Forderung, Kinderschänder an Stelle von Tieren für wissenschaftliche Versuche zu nehmen, ist typisch für rechtsextreme Tierschützer.
Diese treten immer öfter auf: Das Tierschutzmagazin „Umwelt & Aktiv“ hat nach eigenen Aussagen das Ziel des Heimatschutzes und in einem Interview der Monatszeitung „Deutsche Stimme“ wird propagiert: „Umweltschutz fängt bei der Heimat an!“. Ähnlich sieht es bei dem Magazin „fallen rain“ aus, welches ebenfalls Tierschutz, Umweltschutz und Heimatschutz in einem Zuge nennt.
Ein gutes Beispiel ist auch die „AG Tierrechte“, ein Zusammenschluss mehrerer nationalistischer Kleingruppen aus Nordrhein-Westfalen. Deren Internetseite ist mittlerweile offline. Zuvor konnte man dort lesen, wie die Faschisten gegen Pelze protestierten oder es wurde von einem Anschlag auf ein Pelzgeschäft durch Sympathisanten der AG berichteten. Den Vorwurf, den Tierschutz nur als Propaganda zu missbrauchen, weisen alle Neonazis jedoch von sich. Im Gegensatz dazu behaupten sie, würde die Tierrechtsbewegung durch die Antifa instrumentalisiert. So scheinbar „tierfreundlich“ sind jedoch nicht alle Nazis, Tierschutzgruppen wie die „AG Tierrechte“ sind eher die Ausnahme und werden in rechtsextremen Internetforen zum Teil stark kritisiert.
Auch Tierschutzorganisationen wie der Vegetarier-Bund Deutschland e.V. oder antispe.org sind mittlerweile auf das Problem aufmerksam geworden. Sie berichten und kritisieren die rechten Tierschützer, damit diese auf Dauer keinen Fuß in der Tierschutzszene fassen.
Lucas Christoffer









