„Ziviler Ungehorsam“? - Was ist das eigentlich?

"Muss der Bürger auch nur einen Augenblick, auch nur ein wenig, sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Wozu hat denn jeder Mensch ein Gewissen? Ich finde wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit.“ (David Thoreau, 1849)

Ziviler Ungehorsam fängt da an, wo aus Überzeugung gegen ein Gesetz, eine Handlung eines Unternehmen o.ä. Befehle oder Anordnungen nicht durchgeführt werden.
In diesem Sinne ist ziviler Ungehorsam gewaltfreier Widerstand, die Ungehorsamen sagen: „Wir stellen uns euch in den Weg, weil wir nicht wollen, dass ihr euren Auftrag erfüllt!“ Sie lassen sich auf eine körperliche Konfrontation nicht ein.
Auf der so genannten Eskalations-Skala stellt Ziviler Ungehorsam die nächste Ebene nach der Demonstration dar. Denn es ist eine Sache öffentlich seine Meinung zu sagen - sich aber mittels zivilen Ungehorsams gegen etwas zu stellen, erfordert weitaus mehr Mut. Deshalb ist es auch sinnvoll sich gemeinsam in Bezugsgruppen auf Aktionen des zivilen Ungehorsams vorzubereiten und diese zu üben. Außerdem hat dies den Vorteil, dass man hinterher nicht alleine der Repression, also der Verfolgung (meist) durch den Staat ausgeliefert ist. Abhängig von der konkreten Aktion ist hinterher evtl. mit Strafanzeigen, Bußgeldern, o.ä. zu rechnen. Dem sollte man sich von vornherein bewusst sein.

Beispiele für Aktionen des zivilen Ungehorsams finden wir viele in der Geschichte der Menschheit: Von Mahatma Ghandis gewaltfreien Aktionen gegenüber den britischen Kolonisatoren in Indien dürften die meisten schon gehört haben. Der von Ghandi angeregte massenhafte zivile Ungehorsam zwang Großbritannien schließlich dazu, seine indische Kolonie aufzugeben.
Doch es gibt auch aktuelle Beispiele für massenhaften zivilen Ungehorsam: Jedes Jahr können tausende Menschen gegen die Transporte von radioaktivem Abfall mobilisiert werden, die mittels verschiedenster Methoden des zivilen Ungehorsams ihre Ablehnung gegen die Atomenergie zum Ausdruck bringen. Blockade-Aktionen kommen sehr häufig vor und sind auch am bekanntesten. Die „Block-G8 Kampagne“ gegen den G8-Gipfel im letzten Jahr in Heiligendamm an der Ostsee setzte auf eine ähnliche Strategie: Tausende Menschen strömten durch die Felder zum abgeriegelten Ostseedörfchen und blockierten die Zufahrtsstraßen. Die Polizei konnte die Blockade-Aktionen nicht verhindern: Es waren schlicht zu viele ungehorsame Menschen unterwegs.
In Aktionen des zivilen Ungehorsams äußert sich ein entschlossener, aber dennoch gewaltfreier Protest gegen die herrschenden Verhältnisse.

BRiB