Das privatisierte Wissen
Was haben Raubkopierer und Aidskranke in Afrika gemeinsam? Sie haben ein Problem mit geistigem Eigentum. Sie werden zu Verbrecher/innen erklärt oder sie können sich die überlebenswichtigen Medikamente nicht leisten, weil diese patentiert sind. Dabei wäre es eigentlich kein Problem, das Wissen frei verfügbar zu machen.
Die Privatisierung des Wissens
Wissen ist eine tolle Sache. Wenn ich mein Wissen weitergebe, schadet es mir nichts. Wenn die anderen das Wissen weitergeben, wissen es bald alle. In der Fachsprache nennt man das Nicht-Rivalität und Nicht-Ausschließbarkeit. Daran könnte sich die Welt erfreuen, gäbe es nicht kapitalistische Unternehmen, die das Wissen privatisieren.
Mit freiem Wissen lassen sich keine Profite machen. Deshalb wird es verknappt, zu einer Ware gemacht. Um die Besitzansprüche deutlich zu machen wird dem Wissen auch ein neuer Name gegeben: Geistiges Eigentum.
Nehmen wir das Beispiel Musik: Ist ein Stück erstmal geschrieben und eingespielt, so ließe sich die Musik beinahe kostenlos verbreiten, z.B. über das Internet. Alle Menschen mit Internetzugang könnten sich an der Musik erfreuen, die Musiker/innen haben keinen Nachteil dadurch, dass alle Welt sich ihre Musik anhört – vielleicht freuen sie sich sogar selbst.
Jetzt kommt die Musik-Industrie und erklärt alle Menschen zu Verbrecher/innen, die nicht bereit sind, der Musik-Industrie für ein paar Musiktücke viel Geld in den Rachen zu werfen – als würde diese nicht schon genügend Profite einstreichen. Die Musiker/innen müssen schließlich bezahlt werden, wie soll das passieren? Oft wird ein Bild gezeichnet, als sei das nur möglich, wenn Wissen privatisiert ist.
Es gibt Alternativen
Wie aber kann sichergestellt werden, dass Wissen frei ist, trotzdem aber neue Musik, neue Software und neue Medikamente erfunden werden?
Freie Software zeigt beispielhaft, dass viele Menschen auch ohne finanzielle Anreize bereit sind, neue Sachen zu entwickeln. Wenn ihnen ein gewisser Lebensunterhalt gesichert ist, sind sie nicht gezwungen andere Arbeiten zu machen und haben Spaß daran, neue Software zu entwickeln. Und wenn alle zusammenarbeiten, geht es wesentlich schneller, als wenn alle zueinander in Konkurrenz stehen und sich gegenseitig verheimlichen, was sie herausgefunden oder programmiert haben.
Auch Musiker/innen haben Spaß, eigene Musik zu machen. Um ihnen einen ausreichend Lebensunterhalt zu finanzieren, gibt es den Vorschlag der Kultur-Flatrate. Hier zahlt jede/r Internetnutzer/in einen geringen monatlichen Beitrag und kann dann soviel Musik herunterladen, wie er oder sie möchte. So wird ein angemessener Lohn für die Künstler/innen genauso garantiert wie der freie Zugang zu der Musik.
Bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen lebensbedrohliche Krankheiten möchte man sich vielleicht nicht darauf verlassen, dass Menschen dies in ihrer Freizeit tun. Aber auch hier wären andere Finanzierungsmechanismen vorstellbar, Patente sind nicht alternativlos. So könnten Prämien für die Entwicklung neuer Medikamente gezahlt werden, welche danach von allen Unternehmen günstig produziert werden könnten.
Oder die Forschung wird direkt öffentlich finanziert. Die Allgemeinheit würde die Forscher/innen bezahlen, dafür wären die Medikamente aber wesentlich günstiger, daher profitiert die Allgemeinheit auch davon. Und für die Forscher/innen ist es ohnehin egal, ob sie von einem Unternehmen oder von der Allgemeinheit bezahlt werden. Von den Patenten profitieren sie kaum, sondern in erster Linie die großen Pharma-Konzerne.
Gegen die Kapitalinteressen
Im Software- oder Musikbereich ist das nicht viel anders. Geistige Eigentumsrechte sichern die Interessen der großen Konzerne ab. Die Verbraucher/innen gucken dabei in die Röhre. Dabei gibt es genügend Alternativen, wie Wissens-„Erzeugung“ anders organisiert werden könnte. Es liegt an uns, solche Vorschläge gegen die Kapital-Interessen durchzusetzen und Realität werden zu lassen.
Felix W.







