Kommentar: Immer nur Schwarzer
Mrz 23rd, 2008 • Kategorie: April/Mai 2008, Sexismus und GeschlechterverhältnisseEs ist kaum zu glauben: Das war kein gemeiner Bruch des Presse- und Werberechts und auch kein Titanic-Scherz. Alice Schwarzer ist nicht in ihrem Büro Amok gelaufen und hat auch keine AnwältInnen auf die BILD gehetzt. Nein, sie hat ernsthaft und freiwillig – nicht etwa „zwangsprostituiert“ - für die BILD geworben. Dafür, dass diese Zeitung die Wahrheit ausspricht. Wahrheiten, wie die, dass das Seite 1-Girl Sonja (19) gerne Kirschen isst und sich in Höschen ablichten lässt.
Es gibt heute immer noch viel zu sagen für FeministInnen. Leider. Und leider kommt nur eine zu Wort: Alice Schwarzer. Es scheint die deutsche Medienlandschaft zu überfordern die breite und vielfältige feministische Bewegung wahrzunehmen. Sucht man eine Feministin, fragt man die Schwarzer. Wobei fraglich ist, ob diese überhaupt noch als solche zu bezeichnen ist.
So verkam die Emma im Wahlkampf 2005 zum Werbeblatt der CDU. Genau, zu der Partei, die meistens das konservative christliche Familienbild, von der Frau als Mutter (und Hausfrau) zeichnet. Aber dass die CDU zufällig eine Frau zur Spitzenkandidatin kürte, reichte Frau Schwarzer scheinbar. Dass Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und andere Unterdrückungsformen eng zusammenhängen und sie nur wirksam zusammen zu bekämpfen sind, hat Frau Schwarzer offensichtlich nie verstanden. Es ist an der Zeit dass die Öffentlichkeit erkennt, dass Feminismus mehr als Schwarzer ist.
Christoph Müller



