Urananreicherung: Globale Atomgeschäfte made in Germany

Mrz 23rd, 2008 • Kategorie: April/Mai 2008, Klimawandel, Atomkraft und Energie

Deutschland versorgt Atomkraftwerke in aller Welt

„Akrobatisch gegen Atomkraft“ , „Uranzug 7 Stunden gestoppt“ : Die Kletter-Aktion der Atomkraftgegnerin Cécile sorgte im Januar für Schlagzeilen. In der utopia erklärt Cécile, warum internationaler Widerstand gegen globale Atomgeschäfte wie die Urananreicherung nötig ist. (Anm. der Redaktion)

Anfang der Atomspirale
Atomkraft kommt nicht aus dem Nichts. Man benötigt wie bei anderen fossilen Energien Rohstoffe – in der Regel Uran. Uran kommt u.a. aus Afrika, Kanada oder Australien und wird unter schrecklichen Bedingungen abgebaut. Zahlreiche Einwohner/innen erkranken an den Folgen der Radioaktivität. Dieses Uran wird dann z.B. in Deutschland „angereichert“ und zu Brennelemente für Atomkraftwerke (AKW) weiterverarbeitet.

Wie Atommüll „verschwindet“
Das in der Natur vorkommende Uran besteht zum größten Teil aus Uran-235 (0,7%) und Uran-238 (99,3%). In der deutschen Urananreicherungsanlage (UAA) Gronau werden derzeit jährlich etwa 1800 Tonnen Uran angereichert. Das heißt, dass der prozentuale Anteil vom spaltbaren Uran-235 erhöht wird. Damit Atomkraftwerke laufen können, muss dieser Anteil bei ungefähr 5% liegen. Bei der Urananreicherung entsteht jede Menge Atommüll, vor allem sogenanntes abgereichertes Uran.

Der Staat hat sich deshalb einige Tricks ausgedacht, um den Atommüll „verschwinden“ zu lassen. Aus den Augen aus dem Sinn, abgereichertes Uran aus Gronau wird nach Russland exportiert. Es soll angeblich in Sibirien weiter verarbeitet werden. Tatsächlich lagern tausende Tonnen radioaktiven Atommülls dort unter freiem Himmel und verseuchen die Umwelt. Pro Transport werden bis zu 1000 Tonnen Uran in Form von Uranhexafluorid (UF6) nach Russland befördert. Sowohl der Transport als auch die Lagerung stellen eine Gefahr für die Umwelt dar: Das UF6 ist schwach radioaktiv und bildet in Verbindung mit Sauerstoff hochätzende Fluorsäure.

Globale Atomgeschäfte statt Atomausstieg
„Atomausstieg? Alles Lüge!“ steht auf Antiatom-Buttons. Nicht ohne Grund, denn über die Geschäfte der Urenco, Betreiberfirma der UAA Gronau, wird im so genannten Atom-Konsens gekonnt hinweggesehen. Dabei stellt die Urananreicherung einen wichtigen Bestandteil der internationalen Atomgeschäfte dar. Nicht nur deutsche AKW werden mit Brennstäben beliefert, sondern auch zahlreiche französische und amerikanische.
Die UAA Gronau wird jetzt sogar ausgebaut. Zukünftig sollen bis zu 4500 Tonnen Uran jährlich angereichert werden, damit können ca. 35 AKW versorgt werden – weit mehr als in Deutschland stehen.

Widerstand
Widerstand gegen diese Politik ist nötig. Atomtransporte bieten zahlreiche Möglichkeiten für öffentlichen Protest. Direkte Aktionen sind Sand im Getriebe der Atomlobby. Es gibt zahlreiche Aktionsformen und Orte des Widerstands. Ohne Transporte, kein Uran, keine Brennelemente,…
Fantasie ist eine Waffe: Wer hätte gedacht, dass zwei Bäume, ein Seil und etwas Luftakrobatik einen Transport für 7 Stunden stilllegen würde? Stellt euch quer!

Eichhörnchen Cécile