Neonazis: „Autonome Nationalisten“

Jan 23rd, 2008 • Kategorie: Antifaschismus, Februar/März 2008

Windbreaker, schwarze Handschuhe und Sonnenbrillen - so traten die „Autonomen Nationalisten“ um 2002 zum ersten Mal in Erscheinung. Sie kommen aus der Szene der parteiunabhängigen „freien Kameradschaften“, die in den 90er Jahren aufgrund von Verboten vieler rechtsextremer Parteien und Organisationen gegründet wurden. Es besteht keine feste Struktur innerhalb der Gruppierungen, dennoch funktioniert die Vernetzung mit Gleichgesinnten bundesweit.

Autonome Nationalisten sind vom Äußeren schwierig von vielen linken Gruppierungen zu unterscheiden. Sie übernehmen Symbole in veränderter Form von anderen (Sub-)Kulturen oder sogar von der Opposition. Klassische linke Symbole wie das Antifa-Logo, oder das Abbild des kubanischen Revolutionärs Che Guevara werden für den Rechtsextremismus instrumentalisiert. Der braune Faden zieht sich langsam aber sicher durch alle Subkulturen. Aber nicht nur die äußere Erscheinung ändert sich, sondern angeblich auch die Inhalte der Rechtsextremisten. Sie distanzieren sich nicht nur von der Richtlinie der NPD, sondern auch von Hitler und dem 3.Reich. Stattdessen solidarisieren sie sich mit dem „linken Flügel“ der NSDAP. Sie richten sich gegen „Globalisierung, Kapitalismus und Krieg“. Auf den ersten Blick soziale und pazifistische Bestrebungen, doch dahinter verbirgt sich (weiterhin) die nationalistische, faschistische und antisemitische Propaganda. Die Nationalisten richten sich gegen eine „Überfremdung“ des Landes – Fremdenhass –, sehen das Judentum hinter dem Kapital agieren – Antisemitismus - und wollen faschistoide Staaten wie den Iran schützen – Faschismus. Um diese Gedanken zu verbreiten demonstrieren sie auf den Straßen, verteilen Flugblätter oder sprayen Graffitis. Autonome Nationalisten scheuen auch nicht die Auseinandersetzungen mit der Polizei und errichten brennende Barrikaden bei Straßenschlachten. Ihr Kampf richtet sich aber nicht nur gegen die Staatsgewalt, sondern vor allem gegen ihre politischen Gegner oder einfach gegen Menschen, die nicht in ihr beschränktes Weltbild passen. So schleusen sich die Rechtsextremisten unbemerkt in linke Demonstrationen, um Bilder von ihren politischen Gegnern zu machen, die Identität festzustellen und in letzter Konsequenz linke Aktivist/innen zu verfolgen. Manchmal bleibt es nicht „nur“ bei verbalen Belästigungen, sondern linke Jugendliche werden zu Opfern rechter Gewalt.

Anna S.