Zu Risiken und Nebenwirkungen…

Jan 23rd, 2008 • Kategorie: Februar/März 2008, Umwelt und Gentechnik

Die Gentechnik-Industrie wirbt mit Heilsversprechen – und ignoriert die Gefahren

Für die einen ist sie die Zukunft, für die anderen ein Hassobjekt: Die Gentechnik. Immer häufiger finden auch in Deutschland „Feldbefreiungen“ statt, bei denen Hunderte Menschen genetisch veränderte Pflanzen aus dem Boden reißen. Aber warum eigentlich?


Was bedeutet Gentechnik?

Verantwortlich für die biologischen Eigenschaften eines Lebewesens sind dessen Gene (Erbanlagen), die getragen durch ein DNA-Molekül in jeder Zelle zu finden sind. Die Gentechnik beschäftigt sich damit, die in der DNA enthaltenen Informationen zu verstehen und neu zu kombinieren, also die genetische Information eines Organismus zu entschlüsseln und zu verändern.

Die Anwendungsgebiete der Gentechnik lassen sich drei Bereichen zuordnen, zum ersten dem Bereich der Agro-Gentechnik (auch „grüne“ Gentechnik), bei der es darum geht, die Erbinformationen von Nutzpflanzen so zu verändern, dass sie z.B. resistenter gegen Schädlinge und damit ertragreicher werden. Teilweise werden auch Farbe, Größe und Geschmack einer Pflanze „optimiert“.

Der zweite Bereich, die „weiße“ oder „graue“ Gentechnik beschäftigt sich mit der Veränderung von Mikroorganismen und dient z.B. dazu, Vitamine, Insulin (ein Eiweißmolekül, das Diabetiker benötigen) und andere Medikamente herzustellen.

Der dritte Bereich, die rote Gentechnik, bezeichnet die Veränderung tierischer und menschlicher DNA und wird für die Herstellung von Medikamenten, die Verbesserung von Produktivität und Resistenz bei Nutztieren und auch für die Klonforschung genutzt.

Mit Gentechnik gegen den Welthunger?

Die großen Konzerne werben für die Gentechnik, indem sie versprechen mit gentechnisch veränderten Nutzpflanzen das Welthungerproblem lösen zu können. Das klingt gut, ist aber nur die halbe Wahrheit; auf der Erde leben ca. 6,5 Milliarden Menschen, die auch ohne Gentechnik problemlos ernährt werden könnten. In Europa und den USA werden sogar täglich „überflüssige“ Lebensmittel vernichtet, es gibt also nicht zu wenig Lebensmittel, sondern vielmehr ein Verteilungsproblem. An Stelle des Welthungerproblems ist es wohl vielmehr der Wunsch, mehr Kontrolle über den Markt und mehr Macht zu gewinnen, der die Konzerne dazu bringt, für Gentechnik zu werben.

Risiken und Nebenwirkungen

Zudem ist fragwürdig, ob der Verzehr gentechnisch manipulierter Lebensmittel tatsächlich unbedenklich für die Gesundheit ist. da es sich bei der Gentechnik um ein noch relativ unerforschtes Gebiet handelt und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden können. Ein weiteres schwerwiegendes Problem ist, dass sich die Verbreitung gentechnisch manipulierter Pflanzen nicht mehr kontrollieren lässt, sobald sie einmal auf einem Acker angebaut werden. Durch Pollenflug und Insekten können sie sich unaufhaltsam verbreiten, sodass Bestandteile genmanipulierter Pflanzen auf umliegende Felder geraten oder sich in Honig nachweisen lassen. Ökobauern und Imker sehen sich durch diese „Verschmutzungen“ gezwungen, ihre Betriebe aufzugeben.

Viele Genpflanzen produzieren außerdem Gifte zur Schädlingsbekämpfung, die nicht nur für Schädlinge, sondern auch für andere Insekten negative Folgen haben können. Oft übertragen sich auch Eigenschaften einer genmanipulierten Pflanze auf in der Nähe wachsendes Unkraut, das dann ebenfalls resistenter gegen Schädlinge und Gifte wird, wodurch der Gifteinsatz auf den Feldern intensiviert werden muss.

So hat die Agro-Gentechnik gravierende Folgen für das ökologische Gleichgewicht und bedroht die Artenvielfalt der Erde . Aber wen interessiert das, wenn die großen Agro-Konzerne davon profitieren?

Merle