Auf Durchreise
Nov 16th, 2007 • Kategorie: Anarchie und Alternativen, Herbst 2007Kleine Geschichte einer anderen Welt
Ich lief den holprigen Feldweg entlang und gelangte zum Ortseingang. Hunger hatte ich, und so fragte ich ein paar tollende Kinder, wo ich denn wohl ein Restaurant finden könnte. Die Knirpse guckten mich mit großen Augen an "Ein Waaaaas?" und ich erklärte ihnen, dass ich etwas essen will. "Ach so, sag das doch gleich! Also heute wird in der VoKü unten am Fluss gekocht, dort gibt’s meist Suppe." Was auch immer so eine VoKü ist, ich schlenderte zum Fluss.
Dort stand ein riesiger dampfender Suppenkessel auf dem Tisch, Menschen saßen plaudernd und diskutierend in kleinen Grüppchen an den Tischen und auf der Wiese, oder löffelten hungrig aus ihren Schüsseln. Ich schaute mich nach der Bedienung um, konnte aber keine entdecken. So gesellte ich mich zu drei sympathisch wirkenden Menschen mit Suppentellern in der Hand und fragte sie um Rat. Daraufhin erfuhr ich, dass sich hier jede/r einfach an dem Suppentopf bedient, soviel Hunger er oder sie hat. Als ich fragte, was denn der Teller Suppe koste, guckten mich die drei verduzt an. Nein, nein, ich solle einfach essen, aber es wäre gut, nachher beim Abwasch zu helfen. Und für morgen werden noch Menschen gesucht, die beim Kartoffelschälen helfen.
Mir wurde erzählt, dass die meisten Menschen hier im Ort in diesen VoKüs, also VolksKüchen essen. Und so ein, zwei mal in der Woche kümmern sie sich ums Kochen. Manche, die gerne kochen, auch öfter - andere hingegen sieht man eher selten in der Küche, dafür kümmern sie sich eifrig um die große Fahrradwerkstatt oder die Bibliothek. Wo denn die Nahrungsmittel herkämen, wenn dafür gar kein Geld eingenommen wird, fragte ich verwirrt und ließ mich belehren, dass die zum großen Teil von BewohnerInnen hier direkt angebaut würden, und so anderes wie Kaffee beispielsweise, brächten Reisende oft mit.
Langsam wurde ich müde. Die drei erklärten mir noch, wie ich die Häuser erkenne, in denen es "freie Schlafecken" gibt - wo also jede/r einen freien Platz zum Schlafen finden kann. So suchte ich mir eine kuschelige Ecke in einem grün angestrichenen kleinen Strohhaus und schlief erschöpft ein.
Alles nur Träumerei und Wunschvorstellung? Wir laden euch ein, mit uns Gedanken auszutauschen und konkrete Knackpunkte und Fragestellungen bei der Umsetzung von Utopien (Wunschvorstellungen) zu beleuchten.
Maria Obenaus und Falk Beyer



