Falsche Klimaretterin
Nov 13th, 2007 • Kategorie: Herbst 2007, Klimawandel, Atomkraft und EnergieWarum die Atomkraft kein neuer „Messias“ ist
Seit die Debatte um die Bekämpfung des Klimawandels populär geworden ist, versucht auch die Atomlobby wieder verstärkt, sich und ihre risikoreiche Energiegewinnungsform als Problemlöser anzupreisen.
Dabei wird viel von einer so genannten CO2-Neutralität gesprochen: Durch geschicktes Ausklammern anfallender Mengen an CO2 und anderer Treibhausgase malen Atomlobbyisten ein Bild von "umweltfreundlicher Atomenergie". Eine Bestandsaufnahme atomarer Realitäten.
Ein weiß retuschierter Atommeiler, daneben grast friedlich eine Herde Schafe: "Klimaschützer der Woche!" So wirbt der Dachverband der deutschen Atomlobby für die Nutzung von Atomkraft indem versucht wird, sie als klimaschonend zu verkaufen. Dass die Realität anders aussieht, zeigt eine vor kurzem erschienene Studie des Instituts für angewandte Ökologie Darmstadt. (1)
Dort wurden die Gesamtemissionen verschiedener Energiegewinnungsformen erhoben und miteinander verglichen. Das Ergebnis: Während umweltschonende, regenerative Energien wie Wind-, bzw. Wasserkraft lediglich 23,bzw. 29 Gramm CO2 pro gewonnener Kilowattstunde in die Atmosphäre abgeben, sind es bei Atomkraft zwischen 31 und 61 Gramm. Andere Erhebungen gehen von Werten zwischen 28 und 159 Gramm CO2 pro gewonnener Kilowattstunde aus. (2)
Herkunftsbedingte Schwankungen
Die Differenzen zwischen den Werten entstehen durch die Berücksichtung der realen Wege des Urans:
Importiert ein AKW-Betreiber beispielsweise nur russisches Uran, so ist die CO2-Belastung laut der Darmstädter Studie mit 61 Gramm pro Kilowattstunde am höchsten. Wird dagegen auf einen Import-Mix aus verschiedenen Erzeugerländern zurückgegriffen, sind auch Emissionen von "nur" 31 Gramm pro Kilowattstunde möglich.
Indirekte Treibhausgasfreisetzung
Bei der Kernspaltung an sich entsteht zwar kein CO2; aber wenn man sich die so genannte Atomspirale ansieht, wird schnell klar, warum Atomstrom nicht CO2-frei ist: Beim Uran-Abbau, der Entsorgung des Abraums (3) und der Anreicherung des Urans werden immense Mengen CO2 ausgestoßen. Zusätzlich zu den Emissionen der jeweiligen Produktions-Prozesse kommen die Transporte um den halben Globus, die Instandhaltung der Atomkraftwerke sowie die jahrtausendlange Endlagerung der Abfallstoffe.
Eigener atomarer Treibhauseffekt
Ein weiteres Abfallprodukt der atomaren Stromerzeugung ist das bei der „Wiederaufbereitung“ anfallende "Krypton 85". Krypton 85 ist ein hoch radioaktives Edelgas, das die Luft in seiner Umgebung sehr stark ionisiert. (4) Daraus resultieren eine höhere Blitzhäufigkeit sowie eine direkte Auswirkung auf Blitze kommen häufiger vor und die Wolkenwassertröpfchen lockern stärker auf und driften schneller. Dadurch bleibt der Wasserdampf länger in der Atmosphäre und verstärkt unmittelbar den Treibhauseffekt.
Dimensionen eines AusbausAnteil von Atomkraft verschwindend gering
Hinzu kommt, dass der weltweite Anteil der Stromgewinnung durch atomare Energie weniger als 3% beträgt, also praktisch vernachlässigbar ist. Sollte ein statistisch bedeutsamer Anteil an der globalen Energiegewinnung erreicht werden, wären mehr als 3000 neue Kernkraftwerke nötig. Dazu der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer: „So eine Welt wünsche ich mir für meine Enkelkinder nicht.“
Fazit
Die Atomkraft ist – auch wenn die Atomlobby das gerne anders darstellt - kein geeignetes Mittel zur Bekämpfung des Treibhauseffekts. Ganz im Gegenteil: Angesichts der jüngsten Zwischenfälle in
mehreren deutschen Atomkraftwerken stellt eine weitere Nutzung der Kernenergie ein nicht tragbares Risiko dar. Zudem ist die Endlagerfrage nach wie vor ungelöst. Daher ist ein sofortiger Ausstieg aus der Atomkraft unbedingt nötig!
Hannes P.
Anmerkungen:
(1) Internetadresse: http://www.oeko.de
(2) Beispielsweise die im Rahmen des World Energy Council in Auftrag gegebene FUSER-Studie aus dem Jahr 2001
(3) Abraum ist das Material, das gefördert werden muss, um an das Uran heranzukommen, das sonst aber keinen Nutzen hat,
(4) Ionisieren: Entfernen von Elektronen aus einem Atom oder Molekül. Das Atom oder Molekül bleibt als positiv geladenes Ion zurück.



