Gipfel hinter Gittern
Nov 13th, 2007 • Kategorie: Globalisierung und Internationales, Herbst 2007Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist auch nötig!
Die Zeiten der Bilder von Politikern in der Menge sind vorbei. Seit Genua finden die G8-Gipfel-Treffen nicht mehr in den Metropolen der Welt statt, sondern an kleinen, abseits gelegenen Orten. Bundeskanzlerin Merkel hat sich dafür Heiligendamm an der Ostsee ausgesucht.
Die Auftaktdemonstration der Proteste gegen den G8-Gipfel verlief überwiegend friedlich. 80.000 Demonstrant/innen zeigten, dass sie mit der G8 und ihrer Politik nicht einverstanden sind. Die Teilnehmenden waren genauso bunt wie das Bündnis, das zu der Demo aufgerufen hatte. Von Kirchen, Gewerkschaften, dem globalisierungskritischen Netzwerk attac, über Natur- und Umweltschutzverbände bis hin zu antikapitalistischen Gruppen. Mit unzähligen Transparenten und mehreren Lautsprecherwagen zogen die Protestierenden zum Rostocker Stadthafen. Dort kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und einigen wenigen Gewalttätigen. Steine flogen gegen die Polizei, Autos brannten und Polizeieinheiten rannten mehrmals prügelnd in die Menge der Demonstrierenden und sprühten Tränengas. Die Gewalt wurde von den Organisator/innen sowie von der überwältigenden Mehrheit der Anwesenden abgelehnt. Doch die Gewaltszenen beherrschten die Wahrnehmung in den Medien. Somit wurde der Protest für eine friedlichere, demokratischere, sozialere und ökologischere Welt von einigen wenigen Militanten und den Medien weniger glaubwürdig gemacht .Zudem wurde den Repressionen und Sicherheitsmaßnahmen im Vorfeld ein Rechtfertigungsgrund gegeben. Dass dabei die eigentlichen Gewalttätigen hinter Gittern saßen, wurde dabei zu oft übersehen. Sehr prägnant bringt der folgende Demospruch zum Ausdruck, worum es eigentlich gehen müsste: „Wer schmeißt hier die Bomben? Die G8! Wer führt hier die Kriege? Die G8! Wer sind die Terroristen? Die G8!“
Bei den Aktionstagen (Sonntag bis Dienstag) wurde für das Recht auf Nahrung, für globale Bewegungsfreiheit und gegen den Militarismus der G8-Staaten demonstriert.
Auch heute noch hungern viele Menschen, weil Großgrundbesitzer das notwendige Land besitzen oder weil die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern von großen Saatgutkonzernen abhängig sind.
Auf der Demonstration für globale Bewegungsfreiheit wurde gefordert, dass jeder Mensch dort leben darf, wo er oder sie es möchte. Heute schotten sich die reichen Länder (insbesondere die G8-Staaten) gegen Menschen ab, die vor Hunger, Elend, Krieg oder Verfolgung fliehen.
Am Dienstag fanden Proteste gegen Militarismus und Krieg statt. Die G8-Staaten sind führend bei den Rüstungsausgaben, die die Entwicklungshilfezahlen bei weitem übersteigen.
Am Mittwoch begannen die Blockaden der Zufahrtsstraßen. Bei schönstem Sonnenschein haben sich Tausende durch Felder ihren Weg bis zu den Blockaden gebahnt. Die Polizei sah sich weitgehend überfordert und reagierte mit Tränengas und Schlagstock gegen friedliche Demonstrant/innen. Die Blockaden konnte die Polizei aber nicht verhindern.
Freude gab es auch über die gewaltfreie Greenpeace-Aktion am Donnerstag: Greenpeace-Schlauchbooten ist es gelungen, in das Sperrgebiet einzudringen und somit auf ihre Forderungen nach einem effektiven Klimaschutz aufmerksam zu machen.
Umso enttäuschter waren viele von den Ergebnissen des G8-Gipfels: Ziele bei der Verminderung des Treibhausausstoßes sollen „ernsthaft in Betracht gezogen“ werden, auch beim Thema Afrika ist nicht mehr herausgekommen als leere Versprechungen, die schon vor zwei Jahren gemacht wurden. Durch den Schutz geistiger Eigentumsrechte werden viele Medikamente weiterhin unbezahlbar teuer bleiben.
Vielen Menschen vor Ort hat der G8-Gipfel gezeigt, dass die G8 ein System aufrecht hält, das die weltweiten Ungleichheiten verursacht. Dabei ist eine andere Welt möglich, das hat sich auch in den Camps, auf der Straße und bei den Blockaden gezeigt. Getränke, Essen, Decken gegen die Kälte, Fahrräder, vieles wurde unter Demonstrierenden geteilt. Für solch eine Welt des Miteinanders lohnt es sich zu kämpfen.
Felix W.



