März/April 2009
Editorial
Kriegstreiber unter sich
Viel Fantasie braucht man nicht, um die Schlagzeile der Zeitung mit den großen Buchstaben vorherzusagen: „Linke Chaoten stören NATO-Treffen!“ Millionen Menschen wird dies eingetrichtert. Warum heißt es nicht einmal: „Rechte Kriegstreiber stören Friedens-Demonstrationen“? Auch diese Sichtweise wäre möglich. Aber der Krieg ist beim NATO-Gipfel nicht direkt zu sehen – stattdessen alte Herren im Anzug.
Tausende Kilometer entfernt sieht das anders aus: In Afghanistan führt die NATO seit Jahren Krieg. Der Hass auf die westlichen Besatzer wächst. In manchen Regionen Afghanistans hält jeder zweite Mensch Anschläge auf US- und NATO-Soldaten für gerechtfertigt. Aber davon wollen die feinen Herren in Straßburg und Kehl nichts wissen – sie kennen die Gegend höchstens von Staatsbesuchen und Veranstaltungen, die von westlichen Militärs organisiert werden.
Vielleicht ist ihnen die Situation der afghanischen Bevölkerung aber auch herzlich egal – die Kriegs-Ziele „Demokratisierung“ und „Frieden“ waren schließlich noch nie so richtig glaubwürdig. Und nun äußert der höchste NATO-Offizier Jaap de Hoop Scheffer öffentlich, dass es verstärkt um die „Freiheit nördlicher Seewege“ und um „Energiesicherheit“ gehen müsse. Da darf dann natürlich auch die Atombombe nicht fehlen – auch die will die NATO „vorbeugend“ einsetzen.
Wenn es dann mal Proteste gibt, sind die Kriegsplaner ganz irritiert – wie bei der jährlich stattfindenden Sicherheitskonferenz in München. Da muss dann schon mal der Tagungs-Leiter Wolfgang Ischinger vor die Presse treten und erklären, die Konferenz sei „nun wirklich keine kriegstreiberische Jahresversammlung von Rüstungslobbyisten“. Nun ja, es ist noch viel schlimmer: Es ist eine kriegstreiberische Jahresversammlung von Politiker/innen, die auch noch direkt über Kriegseinsätze entscheiden können. Aber: Die Rüstungslobbyisten sind natürlich auch da.
Aber die Schlimmen sind natürlich immer die Chaoten von der Straße. Und wer das nicht glaubt, der sollte lieber die Zeitung mit den großen Buchstaben lesen und ganz sicher nicht eine Jugendzeitung, die keinen einzigen Cent für Werbeanzeigen der Rüstungsindustrie erhält.
Friedliche Grüße
Eure utopia-Redaktion

