September/Oktober 2009
Editorial
…Zensi, Zensa, Zensursula
Der neuste Protest-Popsong gegen die Internet-Sperrpläne der deutschen Familienministerin Ursula von der Leyen ist nicht nur auf Youtube ein voller Hit, sondern trifft auch thematisch voll ins Schwarze. Das Internet soll komplett überwacht werden, ein weiterer Freiraum geht verloren.
Dabei ist die Taktik der Regierung durchaus geschickt: Wenn man Seiten mit Kinderpornografie sperrt – wer könnte schon etwas dagegen haben? Kritikerinnen und Kritiker können leicht als Befürworter von Kinderpornografie abgestempelt werden – und gelten dann als nicht ernst zu nehmen.
Doch die Sperrung ist nur ein erster Schritt. Ist die Technik erstmal eingerichtet, warum sollte man dann nicht auch andere verbotene Inhalte aus dem Netz sperren? Oder gleich alle Sachen, die der Regierung nicht so genehm sind? Politisch extreme Meinungen zum Beispiel. Dass dies durchaus wahrscheinlich ist, zeigt sich daran, dass vor zwölf Jahren die Seite aus dem Netz genommen wurde, auf der die linksradikale Zeitschrift „radikal“ zu lesen war.
Auf China und die dortige Internetzensur lässt sich immer leicht schimpfen. Dabei droht hierzulande Ähnliches. Wer jetzt nicht aufwacht, darf sich nicht wundern, wenn im Netz bald nur noch systemkonforme Inhalte zu finden sind.
In der aktuellen utopia dreht sich alles um das Internet:
Mit Internetzensur, nachhaltigen Computern, Online-Protesten und Filesharing setzen sich die utopia-AutorInnen in dieser Ausgabe auseinander. Weitere Themen sind die längst überfällige Legalisierung von Drogen und die Kritik an Psychatrien. Noch immer nicht genug? Dann geht es auf der letzten Seite weiter mit Einblicken in die sozialen Kämpfe im mexikanischen Bundesstaat Chiapas und die Kritik an Patenten auf Medikamente.
Viel Spaß beim Lesen und in den alltäglichen Kämpfen wünscht euch eure
utopia-Redaktion
PS: Völlig unzensierten Lesestoff gibt es übrigens auch im utopia-Onlinemagazin www.jugendzeitung.net

