Gegen die Mauer
Nov 27th, 2007 • Kategorie: Globalisierung und Internationales, Pazifismus und Gewaltfreiheit, Winter 2007-2008Die Anarchists Against the Wall(AATW) und ihr Widerstand
Seit 2003 existiert in Israel ein Netzwerk aus AnarchistInnen, das sich der gewaltfreien palästinensischen Widerstandsbewegung angeschlossen hat. Diese richtet sich primär gegen die seit 1967 bestehende israelische Besatzung und gegen Israels Bau der Barriere („Mauer“) im Westjordanland.
Die gewaltfreie Widerstandsbewegung wird von PalästinenserInnen getragen und von Israelis und internationalen AktivistInnen unterstützt. Sie versucht auf gewaltfreiem Wege und mit Aktionen wie Blockaden, Sabotage und zivilem Ungehorsam, Israels Politik der Besatzung und Segregation Widerstand entgegenzusetzen.
„Against the Wall“?
Seit dem Jahr 2002 baut Israel im besetzten Westjordanland eine Barriere, die teilweise aus ca. 8 Meter hohen Betonblöcken mit Überwachungstürmen besteht und teilweise aus verschieden angeordnete Zaunarten (Stacheldraht, spezieller hochtechnisierter Zaun, etc.). In der Summe kann dies eine bis zu 100 Meter breite Schneise werden. Israel rechtfertigte den Bau stets damit, dass es sich hierbei um einen „Sicherheitszaun“ handle, der notwendig sei, um palästinensische SelbstmordattentäterInnen abwehren zu können. Die Route, die diese Barriere nimmt, spricht jedoch eine andere Sprache. Die Barriere wird nicht auf der Grünen Linie1 gebaut, sondern schlängelt sich mitten durch die Westbank, enteignet und zerstört lebensnotwendiges Land palästinensischer Gemeinden, enteignet die natürlichen Wasserressourcen und trennt viele PalästinenserInnen ab von ihren Olivenhainen, Arbeitsplätzen, Universitäten und Krankenhäusern. Außerdem verbleiben tausende PalästinenserInnen, entgegen der Logik des „Sicherheitszauns“, auf der „falschen“ also auf der „israelischen Seite“ der Barriere.
Weshalb aber nun diese Route? Israel möchte die seit 1967 erbauten völkerrechtswidrig Siedlungen und das Land in der Westbank eingliedern. Ebenso geht es um die Sicherung der natürlichen Wasserressourcen. Die totale Abschottung Jerusalems von der Westbank ist ein weiterer wichtiger Faktor.
Der Internationale Gerichtshof verurteilte 2004 die Barriere als völkerrechtswidrig und forderte den sofortigen Baustopp und Abriss bereits gebauter Abschnitte. Dieser Forderungen wurden bislang nicht nur nicht erfüllt, es passiert sogar das genaue Gegenteil davon.
Anarchistischer Widerstand
Diese Probleme und Widersprüche des Barrierebaus sollen verdeutlichen, weshalb sich Widerstand dagegen organisiert hat. Die (radikale) Linke und Friedensbewegung in Israel lehnt diese Barriere ganz allgemein ab. Eine dieser Gruppen sind die Anarchists Against The Wall (AATW), wobei die israelischen AnarchistInnen eine der aktivsten Gruppen aus Israel sind. Sie wurden 2003 bei einem Friedenscamp in dem palästinensischen Dorf Mas´ha (Westbank) als eine „direct-action-group“ gegründet. Seitdem versuchen sie mittels gewaltfreien direkten Aktionen, der Besatzung und der Barriere Widerstand entgegenzusetzen. So beteiligen sie sich regelmäßig an Blockaden von Straßen oder Bulldozern, zerschneiden Zäune und brechen Übergangstore durch.
Dies hat zur Folge, dass sie strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt sind. Über 60 Verurteilungen gab es bereits gegen AktivistInnen der AATW, mit Strafen wie erzwungenem Sozialdienst, Geld- oder Gefängnisstrafen.
Zurzeit sind die AATW sehr aktiv in dem palästinensischen Dorf Bil´in, das seit über zwei Jahren wöchentlich gegen die Barriere protestiert. Das Dorf ist aber nur ein Beispiel unter vielen in der Westbank, die den Protest gegen die Besatzung gemeinsam mit israelischen und internationalen AktivistInnen trotz heftiger Repression von Seiten der israelischen Armee weiterführen.
Stefading
- Als Grüne Linie wird die Waffestillstandslinie von 1949 bezeichnet, also die von der UNO anerkannte Grenze zwischen Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten. [↩]



