„Wir sind nicht zum Saufen hier!“ – Bildungsstreik Teil 2
Ein Bericht vom Bildungsstreik 2009 aus Bonn: Am Mittwoch war es dann so weit. Tausende SchülerInnen, Studierende und Auszubildende zogen aus allen Richtungen nach Bonn und in über 80 andere Städte. Der Höhepunkt der „Bildungsstreikwoche“ war gekommen. Gegen 10 Uhr strömten bei bestem Demo-Wetter 3.500 DemonstrantInnen vom Kaiserplatz aus in die Bonner Innenstadt. Noch am Ausgangspunkt machten BJB-AktivistInnen deutlich, dass die TeilnehmerInnen nicht das schöne Wetter nutzen würden, um zu schwänzen, sondern sich für gesellschaftliche Veränderung einsetzten: „Wir sind nicht zum Saufen hier!“ rief ein Aktivist von einem LKW, der zur fahrenden Bühne wurde.

Während der ganzen Demonsrtation wurden von der Menge Parolen gerufen wie „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“ oder „Bildung für alle, und zwar umsonst!“ Auf der Bühne stellten AktivistInnen ihre Forderungen an das Bildungsministerium vor, während die Menge sprang und rief: „Wer nicht hüpft, der ist Frau Sommer!“
Banner und Schilder mit Sprüchen wie „Mehr Bildung, weniger CDU“ oder „Ohne Bildung werde ich Politika“ wurden hoch gehalten. Durch das von der OrganisatorInnen freigegebene Bühnen-Mikrofon hatten einzelne StreikteilnehmerInnen die Möglichkeit, ihre persönlichen Anliegen der Öffentlichkeit und der Politik klar zu machen. Wurde gerade nicht gesprochen, nahm der Sänger einer jungen Punkrock-Band das Mikro in die Hand und heizte die ohnehin schon beste Stimmung mit harter, schneller Rockmusik auf.
Auf dem Münsterplatz angekommen, wurden die kämpferischen Reden der AktivistInnen mit lautstarkem Applaus entgegengenommen. Trotz des Auftritts zweier Hip-Hop Gruppen verließen immer mehr TeilnehmerInnen am Nachmittag den Platz. Den gelungenen, stimmungsvollen Protesten zuvor gab das aber keinen Abschwung mehr.
Auch Philip Tassev von der BJB zeigte sich sehr erfreut über den Ablauf der Demonstration. Sie sei wesentlich politischer gewesen als noch beim SchülerInnenstreik im November vergangenen Jahres. Außerdem seien kaum TeilnehmerInnen dabei gewesen, die den Streik zum Schwänzen genutzt hätten, stellte er erfreut fest. Trotz der massiven Unterdrückungsversuche kamen aber auch am Donnerstag wieder SchülerInnen in die Innenstadt, um durch den „Überfall“ auf eine Bank den Protest weiter zu führen, symbolisch dafür, dass den Banken vom Staat Geld geschenkt wird, was der Bildung fehlt. Dieses Geld wollten sich die AktivistInneen „zurückholen“.
Die Polizei verhinderte die Aktion jedoch schon im Kern und nahm einen Teilnehmer, der ein Megafon bei sich trug, vorläufig in Gewahrsam. Daraufhin blockierten die übrigen TeilnehmerInnen die Abfahrt der Polizei und erzwangen so die Freilassung ihres Mitstreiters.
Am Freitag neigten sich die „Bildungscamps“ dann in ganz Deutschland dem Ende zu oder wurden abgebaut. Am Samstag demonstrierten in Düsseldorf ein letztes Mal rund 7.500 Menschen friedlich gegen die Missstände im Bildungssystem – und wurden Opfer sinnloser Polizeigewalt.
Erst wurde eine Sitzblockade der DemonstrantInnen eingekesselt. Als die anderen DemonstrantInnen ihren MitstreiterInnen zur Hilfe kommen wollten, wurden sie gewaltsam vertrieben. Dabei zeigten die BeamtInnen keine Hemmungen und schlugen sogar auf Kinder im Alter von 13 oder 14 Jahren ein! Die DemonstrantInnen riefen der Polizei entgegen: „Wir sind friedlich – was seid ihr?“ Wenig später wurde dann auch die Sitzblockade aufgelöst. Die festgenommenen TeilnehmerInnen wurden zu großen Teilen in Busse verfrachtet und zur Düsseldorfer Gefangenensammelstelle gebracht.
Doch die übrigen DemonstrantInnen gaben nicht auf und folgten der Polizei. Vor dem Präsidium demonstrierten sie lautstark für die sofortige Freilassung ihrer MitstreiterInnen: „Eins, zwei drei, lasst die Leute frei!“ Gegen 23 Uhr waren wieder alle auf freiem Fuß.
Durch den „Bildungsstreik 2009“ vom 15.-20. Juni zeigten die Jugendlichen nicht nur, was in unserem Bildungssystem falsch läuft sondern auch, dass sich junge Menschen sehr wohl politisch engagieren wollen. Wie es weitergeht, ist aber noch nicht klar. Am ersten Augustwochenende wird es zuerst ein Auswertungstreffen in Frankfurt am Main geben, alles weitere ist noch offen.
Fest steht: Zeigt die Politik keine Reaktionen, indem sie zum Beispiel aktiv mit den OrganisatorInnen, ASten und SchülerInnenvertretungen in Kontakt tritt oder den Forderungen der DemonstrantInnen Schritt für Schritt nachgibt, was Frau Sommer scheinbar nicht tun möchte, so werden die Proteste im Herbst fortgesetzt.
Felix G. (17)







