Auf in den Streik!
Streiken ist eigentlich etwas, das vor allem LohnarbeiterInnen tun, wenn sie mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden sind. Doch auch mehr als 100.000 SchülerInnen und Studierende streikten im vergangenen November für ihr Recht auf Bildung. Am 17. Juni findet der nächste bundesweite Bildungsstreik statt, denn unser Bildungssystem ist mehr als nur marode…
Das Bildungssystem ist ungerecht
80 Prozent der KinderVier von fünf Kindern aus dem „oberen Zehntel“ der Bevölkerung, also den reichsten zehn Prozent, machen in Deutschland das Abitur. Das zeigt eine Studie des deutschen Studentenwerkes. Damit entstammen 40 Prozent aller Studierenden dieser reichen „Oberschicht“ und nur jede/r zehnte Studierende entstammt der gesamten „unteren Hälfte“ der Bevölkerung.
Das hängt unter anderem damit zusammen, dass an deutschen Schulen in der Regel bereits nach der vierten Klasse entschieden wird, wie die weitere Sschulische Laufbahn eine Kindes aussehen soll. Einem großen Teil der Kinder wird dadurch schon im Alter von zehn Jahren die Möglichkeit auf das Abitur und ein Studium verbaut. Dieses dreigliedrige Schulsystem sehen viele Experten, wie der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen (UN) oder VertreterInnen der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW) als falsch an. Dennoch halten die meisten regierenden PolitikerInnen daran fest, anstatt den Weg für Alternativen zu ebnen. Eine solche Alternative sind zum Beispiel Integrative Gemeinschaftsschulen, in denen SchülerInnen auch über die vierte Klasse hinaus gemeinsam unterrichten werden und gleiche Chancen auf „höhere“ Bildung haben.
Zur Selektion nach arm und reich kommt es auch dadurch, dass Bildung kostet – nicht nur den Staat, sondern auch die Lernenden und ihre Familien. Das fängt bei kostenpflichtigen Unterrichtsmaterialien an und gipfelt in den Studiengebühren. Diese Studiengebühren sind für MillionärInnen wie für ArbeiterInnenkinder gleich hoch und verhindern, dass auch finanziell schwach gestellte Jugendliche ihr Menschenrecht Recht auf Bildung wahrnehmen können.
Unsere Schulen sind undemokratisch
Wirklichen Einfluss auf Entscheidungen und Unterrichtsgestaltung haben SchülerInnen in der Regel nicht. Im Unterricht entscheidet meist die Lehrerin was getan und gelernt wird und auch in der Schulkonferenz haben SchülerInnen nicht genug Stimmen um das Schulgeschehen entscheidend mit- oder gar selbst zubestimmen. Trotzdem engagieren sich viele SchülerInnen in SchülerInnenvertretungen, bei Schulstreiks und anderen Aktionen. Für „unbequeme“ SchülerInnen gibt es darum genug Bestrafungs- und Unterdrückungsinstrumente: Angefangen vom „klassischen“ Nachsitzen, bis hin zur völligen Willkür bei der Vergabe mancher Noten, insbesondere der Kopfnoten, die (angeblich) das Arbeits- und Sozialverhalten von SchülerInnen bewerten sollen. Freie und demokratische Schulen gibt es auch, sogar in Deutschland – allerdings sind dies ausnahmslos Privatschulen und deren Zahl und Größe ist viel zu gering, um flächendeckend etwas zu erreichen.
Bildung statt Banken!
Bei den vergangenen Bildungsprotesten waren immer wieder Schilder und Transparente mit Anspielungen auf die Finanzkrise zu sehen: „Bildung statt Banken!“, oder „Ne marode Bank müsste man sein“. Jahrzehnte lang hieß es immer wieder, es sei ja kein Geld da, dass in die Bildung gesteckt werden kann. Dabei wird das bei Klassengrößen von teilweise über 30 SchülerInnen und dauerhaftem Unterrichtsausfall und LehrerInnenmangel dringend benötigt. Jetzt, im kollektiven „Krisenwahn“, sind die Milliarden auf einmal da. Anstatt sie aber in die Bildung zu investieren, werden mit dem Geld die gestützt, die die Krise zu verantworten haben.
Doch unsere Bildung ist wichtiger als euer Kapitalismus!
Bereits in über 40 Städten gibt es SchülerInnenbündnisse, die den Bildungsstreik vorbereiten und sich inhaltlich mit dem Thema auseinandersetzen. Eine Liste dieser Gruppen gibt es unter www.bildungsstreik2009.de
Felix H.

