Die Studierendenproteste sollen grandios scheitern!

Am Dienstag war überall auf der Welt Aktionstag gegen die Ökonomisierung von Bildung. Studierende, die Avantgarde der KapitalismuskritikerInnen nahmen den Kampf mit dem großen System ein weiteres Mal auf. Was ist passiert, dass die gehegten Kinder der Intelligenz aufbegehren und was muss passieren, damit sich echt etwas ändert? Fragt sich Felix Blind.

Der Aktionismus des Sommers, da waren sich auf den Nachbereitungstreffen alle einig, sollte nicht einfach wiederholt werden. Inhaltlche Arbeit sollte geleistet werden, die Forderungen sollten ausarbeitet werden, die Ziele gesteckt.
Am 17.11.2009 waren allein in Europa nahezu 300.000 Menschen auf der Straße – und demonstrierten für freie Bildung. In Deutschland ist das Ziel momentan noch nicht klar. Wenn die Besetzungswelle in Östereich nicht gewesen wäre, hätte der kommende Bildungsstreik wahrscheinlich nicht einmal ein anderes Profil bekommen, als die Aktionen im Sommer. So allerdings sind viele noch einmal rechtzeitig aufgewacht. Um was eigentlich zu tun? Ist denn die besetzung von Hörsälen, Aulen, Foyers und anderen Hochschulräunlichkeiten ein revolutionärer Akt? Einige haben begriffen, dass Demonstrationen ignoriert, DemonstrantInnen einfach hinter hohen Zäunen verborgen werden können. Die neuerlichen Besetzungen bieten kein Machtinstrument, weil zuwenig Unterstützung bereit steht. Nur die Unbedeutsamkeit der BesetzerInnen schont sie vor der Räumungsandrohung.
Um gefährlich zu sein, muss die Kritik geschärft werden, und das universitäre Umfeld überzeugt werden. Bei manchen Dozierenden, und scheinbar auch UniversitätspräsidentInnen können halboffene Türen eingerannt werden.Dann kann auch der Rest der Gesellschaft besser überzeugt werden. Wo sind die Intellektuellen, die sich in liberalen Kreisen links nennen, jene, die proklamieren, es müsse sich endlich etwas ändern.

Die Stärke der Bewegung Bildungsstreik liegt aber nicht in ihrer Masse oder faktischen gesellschaftlichen Macht. Die Studierenden von Berkeley können das „We shall overcome“ nicht so gemeint haben, wie jene Unterdrückten, die die Weißen Herren dann tatsächlich besiegt haben.
Sie drücken damit die Angst der Eingesessenen Eliten dieser Welt aus: Die radikale Kritik der Verhältnisse könnte da ankommen, wo sie ganz bestimmt nicht sein soll, bei denen die die Eliteposten später einmal bekleiden sollen. Der Momentane Protest kann überall da seffektiv sein, wo er den Keim der Revolte, des Radikal anders Denkens zu den Funktionseliten der Zukunft trägt.
So ist es ein Gewinn, wenn der/die WirtschaftswissenschaftlerIn sich denn fragt, warum sie eigentlich Studieren kann, und der Azubi, der die Straße teert nicht. Wir nennen das Politisierung.
Und es ist ein Gewinn, wenn der/die PolitikwissenschaftlerIn nach dem Ausbruch aus dem Kessel bei einer Demonstration dann einmal frei demonstrieren kann – und von PassantInnen freundlich gegrüßt wird. Wir nennen das Radikalisierung.

Wer also glaubt, wir müssten ein genügend großes Druckmittel heran schaffen, damit wir endlich den Kapitalismus und die Missstände an den Bildungseinrichtungen, die immerhin dessen Produkt sind, abschaffen können, wird scheitern.
Auch wenn in Italien die SchülerInnenunion zum Generalstreik aufruft und 120.000 Menschen aufs Pflaster treten lässt, werden die Universitäten und Fabriken vorerst in Privat- und Staatshand bleiben.

Wenn wir die Unis für uns alle haben, wenn wir die Parlamente zu Museen gemacht haben, und wenn jede Woche wie die letzte ist, dann können wir generelle freie Bildung einfordern und verwirklichen. Bis dahin schaffen wir Stück für Stück die Schranken dorthin ab.

Felix Blind

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