Nach der Schule zieh’ ich aus!
Wie lange ist man wirklich Kind?
Die finanzielle Abhängigkeit vom Elternhaus, davon gehen viele während ihrer Schulzeit aus, ist spätestens mit Beginn des Studiums passé. Doch warum ist man in den meisten Fällen nach dem Schulabschluss, wenn man eine Ausbildung oder ein Studium beginnt, immer noch abhängig?
In vielen Ausbildungsberufen verdient man in den ersten Lehrjahren nur sehr wenig. Oft noch nicht einmal so viel, dass man dem lange gehegten Wunsch nach einer eigenen Wohnung und somit der Unabhängigkeit von den Eltern nachkommen kann. Dies ist meist nur mit einer monatlichen Finanzspritze möglich. Genauso im Studium: Wenn der Studienort zu weit vom Elternhaus entfernt liegt, dann muss man ausziehen. Keine Frage. Und es gibt ja Bafög. Doch bekommen die wenigsten Studierenden den Höchstsatz von 648 Euro pro Monat. Viele erhalten entweder gar kein Bafög oder nur einen kleinen Anteil, weil die Eltern „zu viel“ verdienen.
Während des Studiums sind die Eltern ihren Kindern zum Unterhalt verpflichtet. Doch wer verklagt schon seine Eltern, wenn diese den Betrag, der mit dem Bafög zusammen noch unter dem Bafög-Höchstsatz liegt, nicht bezahlen wollen? Und warum bekommen nicht alle Studierenden und SchülerInnen auf dem zweiten Bildungsweg elternunabhängiges Bafög? Warum schafft es der Staat nicht, allen die gleichen Bildungschancen zu ermöglichen? Es scheint, als wäre er überhaupt nicht an der Bildung seiner BürgerInnen interessiert!
Natürlich gibt es auch Eltern, die ihren Kindern gerne einen monatlichen Betrag überweisen und auch noch ein Auto finanzieren. Dies sollte natürlich nicht zur Selbstverständlichkeit werden. Wenn man nach dem Schulabschluss in gewissem Maße unabhängig sein möchte, muss man in vielen Fällen den eigenen Lebensstandard einfach etwas herunter schrauben. Wofür braucht man zum Beispiel mit Semester- oder Monatsticket ein Auto? Oder muss es wirklich immer die teuerste Kleidung sein?
Wer unabhängig sein möchte, sollte dies auch auf sein ganzes Leben übertragen. Denn spätestens nach abgeschlossener Ausbildung oder dem Studienende sollte man auf eigenen Beinen stehen wollen und nicht ständig bei Mutti oder Vati nach Geld fragen.
Ein anderer Fall sind diejenigen, die nach dem Schulabschluss keinen Ausbildungsplatz oder nach Ausbildung oder Studium keinen Job finden. Wer als LangzeitarbeitsloseR noch nicht 25 Jahre alt ist, wird vom Staat gezwungen, wieder bei den Eltern einzuziehen oder sich von diesen unterhalten zu lassen. Kurz gesagt: Die Miete für die Wohnung wird vom Staat nicht übernommen.
Doch was resultiert aus der jahrelangen finanziellen Abhängigkeit der Kinder von ihren Eltern? Viele sehen ihre eigentlich schon erwachsenen Kinder immer noch nicht als solche an. Versuchen, sie in ihrer Ausbildungswahl zu beeinflussen. Ganz nach dem Motto: So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, bestimme ich, was du den ganzen Tag über treibst.
Und was macht das mit den „Kindern“? Vielleicht mag es einige geben, die sich gerne im Hotel Mama verwöhnen lassen und die es auch nicht stört, wenn die Eltern jede Einzelheit aus ihrem Privatleben erfahren. Jedoch gibt es auch solche, die gerne unabhängiger wären, dies aber nicht sein können. Eine Unzufriedenheit, die auf der einen Seite die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit immens beeinflusst und auf der anderen Seite das Verhältnis zu den Eltern sehr belasten kann.
Maren W.







