Sehen, staunen, falsch verstehen

Jul 14th, 2008 • Kategorie: Bildung und Erziehung, Medien und Öffentlichkeit, Online Magazin

Über den Versuch wirksam Werbung zu platzieren –im Namen der Wissenschaft.

Galileo – so heißt die mittlerweile einstündige „Wissenssendung“ auf Pro7. Doch was verbirgt sich hinter dieser Fassade?

Die Sendung beginnt mit einem Trailer, der die einzelnen Themen der heutigen Sendung vorstellt. Das könnten beispielsweise sein: Die Top 9 der neuesten Grillgadgets; Herstellung von Snickers Schokoriegeln; der Bau eines neuen Lokals einer „großen amerikanischen Restaurantkette“ und das Galileo XXL Experiment: „Wie sprenge ich am besten ein Auto?“. Zuvor wurde ein Spot der Kampagne „Galileo CO2ntra“ gezeigt. Alles ganz im Zeichen des aktuellen Umweltbewusstseins. Dazu werden dann auch manchmal Beiträge gesendet über „sexy Biojeans“ (preisgünstig zu haben bei H&M) oder „das Energiespar-Bordell“ (mit ausgewechselten Glühbirnen).

Der Zuschauer sieht ein Wissenschaftsmagazin. Er sieht den Bau eines Fast-Food-Restaurants. Der Firmenname wird zwar im Trailer nicht genannt, jedoch sieht man dauernd das Logo und der Sprecher nennt den Namen auch gelegentlich. Man sieht nun, wie der Filialchef einen letzten Blick auf die fertige Küche wirft, alles sauber. Auch nach der Eröffnung wird hinter die Kulissen geblickt: Da wird Leistungsdruck zum Arbeiten im Akkordtempo, und Genfood zu frischen Zutaten. Unterbezahlte Mitarbeiter, die aus Frustration über die Arbeitsbedingungen in Burger rotzen, nicht vorhandene Hygienestandards, Massentierhaltung - das alles sieht man nicht oder besser gesagt, das soll man nicht sehen. Denn diese Berichte sind mit hoher Wahrscheinlichkeit von den Firmen selbst mitentwickelt worden und diese wollen vor allen Dingen eins und das ist Geld.

Wir sehen erst ein wenig aufgesetzte Moral, indem die Klimarettung propagiert wird. Anschließend wird dann eine Tankstelle gebaut oder Jumbo Schreiner begibt sich für Galileo auf die Suche nach der größten Bratwurst der Welt. In Passagierflugzeugen fliegt der Moderator einmal um die Welt, um einen Weltrekord aufzustellen. So kommen wir gut voran, aber beim Klimaschutz bestimmt nicht!

Doch was ist daran denn so schlimm? Gelogen wird doch überall und Werbung ist doch ganz normal im Privatfernsehen. Nein, nicht die Werbung oder die Lügen sind das Problem, das Problem ist die Verpackung. Neben Castingshows, Klatschmagazinen und anderem Erbrochenen der heutigen Medienlandschaft, soll Galileo ein Wissensmagazin sein. Der Zuschauer erhofft sich ein bisschen Wissen, wird jedoch geschickt getäuscht. Wenn er das Ganze nun unreflektiert aufnimmt, ist das Ziel der Werbesendung erreicht: Der Zuschauer findet alles super und wird weiter konsumieren; im Idealfall die Produkte, die ihm soeben vorgestellt wurden.

Das ist wahre Wissenschaft!

Till