Was passiert an europäischen Hochschulen? – Bologna und die Folgen
Im Herbst tritt wieder ein neuer Jahrgang von jungen Menschen, sofern sie nicht vorher durch Haupt-/Real-/ oder Förderschule, zu geringes Einkommen oder NCs aussortiert worden sind, ein Studium an. Was erwartet die neuen Erstis? Was passiert an der Hochschule?
Im letzten Sommer gab es immerhin erhebliche Proteste der vom deutschen Bildungssystem Betroffenen. Die _utopia_ bringt einen Onlineschwerpunkt zu Bildung, Schulen und Hochschulen.
Schulen und Hochschulen haben keinen guten Stand in dieser Wissensgesellschaft. Denn eigentlich ist und bleibt sie ja doch eine Arbeitsgesellschaft. JedeR soll bitte jetzt und gleich Mehrwert produzieren.* Und möglichst gut soll der Standort, die Kommune, der Staat davon abschneiden, es soll profitiert werden.
Unter dieser Maxime trafen und treffen sich immer wieder MinisterInnen der Europäischen Union. So eben auch 1999 in Bologna. Der Vertrag von Bologna wurde unterzeichnet. Darin ging es um Bestimmungen zu einem sogenannten „Europäischen Hochschulraum“.
Ganze TheoretikerInnenstäbe der Unternehmen, denen an ihren jeweiligen Standorten gelegen ist – in Deutschland etwa das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) der Bertelsmann-Stiftung – haben ihre Konzepte und Pläne den MinisterInnen vorgelegt, die mehr als Willens waren, endlich etwas für die Zukunft ihres Staates und ihrer Nation zu tun.
In der gesamten EU sollten Hochschulen effizienter und vor allem anderen einander ähnlicher werden. Denn wie soll ein Ministerium oder ein Präsidium/Rektorat wissen, ob eine Hochschule effizient ist, wenn sie nicht vergleichen können?
Letztlich gibt es allerdings doch wieder Lehrinstitute und solche, die exzellent sind und auch forschen.
Seitdem kommt eine Reform, eine Sparmaßnahme nach der nächsten über die Hochschulen. Und sobald diese sich durchgesetzt haben, werden die Einsparerfolge auch von Schulen erwartet: Kürzere Lernphasen (Bachelor/Master, G8), Lerngebühren (Studiengebühren, Schulgeld), Durchkapitalisierung (Stiftungsuni/Hochschulrat, Privatschulen) und vieles mehr.
Denn die Staatsuniverität war und ist ein Ungetüm, welches immer wieder alte Herrschaftsmittel neu erschaffen hat.
Allerdings ist die staatliche Universität nicht so effizient darin, ineffektive und kritische Menschen heraus zu werfen und zu benachteiligen, wie es Unternehmen sind. Kritische ForscherInnen und Studierende konnten unter dem Schutz der Massenuniversität agieren und wurden manchmal zu einflussreichen bürgerlichen Intellektuellen.
Die eigentliche Überraschung für die Produzierenden des deutschen Blätterwalds, die es sich bequem gemacht hatten in den Nischen des staatlichen Bildungswesens, ist also, dass sie nicht gehört werden.
Dabei werden längst neue Eliten produziert. Effizientere, instrumentelle Eliten.
*Wer malocht, der sorgt dafür, dass nachher mehr gesellschaftlicher Wert da ist als vorher. Dieser Mensch hat Mehrwert produziert.
Felix Blind








