Wir sind gekommen um zu bleiben! Audimax in Münster besetzt
Am Mittwoch haben Studierende in Münster einen Hörsaal besetzt. Mit der Besetzung des „Audimax“ reihen sich die MünsteranerInnen in das Lauffeuer ein, das gerade von Österreich nach Deutschland überzuspringen scheint. In Österreich sind mittlerweile Hörsäle in jeder großen Universität besetzt. Nun folgten Besetzungen in Heidelberg am Dienstag und am Mittwoch in Münster und Potsdam. Während des Schreibens dieses Textes wurde dann bekannt gegeben, auch in München, Tübingen, Marburg und Darmstadt seien Hörsäle besetzt. Wir haben uns daher mit M. unterhalten, die bei der Besetzung des Audimax teilnimmt..
Utopia: Ihr besetzt den Hörsaal seit gestern Mittag, wie ist die Besetzung entstanden?
M.: Wir haben uns gestern um 11:30Uhr getroffen und erst einmal symbolische Blockaden an den Türen des Audimax errichtet und im Audimax angefangen zu diskutieren. Die Vorlesung, die dort stattfinden sollte, war eine philosophische und viele der Leute haben direkt mit uns mitdiskutiert. Wir waren selbst aber auch ziemlich viele Leute und es kamen dann auch noch einige von einem Flashmob dazu, von einer „Kissenschlacht um Studienplätze“. Wir haben dann den Dozenten über die Besetzung informiert. Er war davon echt nicht begeistert und ist dann irgendwann gegangen, während wir hier mit ziemlich vielen Leuten weiter diskutiert haben.
Mit welchen Forderungen ist die Besetzung verknüpft? Was wollt ihr erreichen?
Ganz generell gesagt: Wir fordern bessere Studienbedingungen für alle. „Für alle“ bedeutet natürlich zu aller erst, dass jede/r studieren kann, der/die will. Wir wollen ein freies und selbstbestimmtes Lernen, freie Hochschulzugänge, die Abschaffung aller Studiengebühren…
Ich könnte mich jetzt noch über einzelne Forderungen bezüglich des Bachelors und Masters auslassen, allgemein gesagt geht es aber natürlich um eine grundlegende Veränderung des Bachelor/Master-Systems und des ganzes Studiums nach den Bologna-Reformen.
Wie viele Studierende beteiligen sich denn an der Besetzung?
Das war bisher ganz unterschiedlich. Am Anfang waren wir sicherlich 200 bis 300 Leute. Das ganze schwankt natürlich ein bisschen, das ganze ist ja eine offene Besetzung und es gibt immer ein ziemlich reges Kommen und Gehen. Zwischendurch wurde es dann irgendwann ganz wenig und wir waren nur noch etwa 60 Leute. Vor allem mit dem Abendprogramm wurde es dann aber wieder mehr und in der Nacht haben hier über 100 geschlafen.
Wer ist an der Besetzung beteiligt? Sind das nur die „üblichen Verdächtigen“, die bei jeder Demo in Münster dabei sind, oder schafft ihr es auch „ganz normale Studierende“ zu mobilisieren?
Gerade das ist total super, wir haben ziemlich viel mobilisiert und informiert und von den Studierenden haben sich einige zwar schon am Bildungsstreik beteiligt, aber es sind auch total viele neue dabei. Ich denke zwar, dass das natürlich trotzdem Leute sind, die zum größten Teil schon politisch engagiert sind, aber generell kann man glaube ich sagen, dass es geglückt ist, viele Studierende völlig neu zu begeistern. Einige sind auch gekommen und haben gesagt „Das finde ich gut, die Studienbedingungen müssen sich ändern“.
Wie habt ihr unter den Studierenden mobilisiert?
Wir sind Mittags direkt mit Flyern durch die Stadt gelaufen und in die verschiedenen Mensen und Institute gegangen und haben das mit Megaphonen durchgesagt. Der Flashmob, der vorher stattfand, war aber natürlich auch eine Form von Mobilisierung. Heute gab es dann noch andere Aktionen, wie zum Beispiel die „Bart Simpson-Aktion“. Dabei sind wir mit „Bart Simpson“-Masken und der „Simpsons“-Titelmusik in Vorlesungen gegangen und haben Infos an die Tafeln geschrieben. Hauptsächlich wurden aber viele Flyer verteilt.
Gab es bisher schon Ärger mit der Universitätsleitung und Repressionen durch diese?
Die Uni-Leitung kam gestern relativ schnell in Form der Rektorin Frau Nelles und der Prorektorin Frau Ravenstein in den Hörsaal in unser Plenum, wo der Pressesprecher der Uni auch vorher schon war. Die Konstruktivität von Frau Nelles ließ aber sehr zu wünschen übrig. In der Frage nach Studiengebühren wollte sie sich auf keine Diskussion einlassen. Auch bei anderen konkreten Inhaltlichen Fragen wurde völlig abgeblockt und gesagt, man könne das hier nicht so einfach umsetzen. Frau Nelles hat gestern Abend klargemacht, dass sie uns die Nacht über duldet, heute morgen um sechs Uhr aber von ihrem Hausrecht Gebrauch machen wolle. Uns blieb dann nur übrig, zu spekulieren, ob die Polizei kommen wird,oder nicht. Da war sie auch überhaupt nicht mehr verhandlungsbereit.
Heute sind im Rahmen des „Hochschulinformationstages“ viele OberstufenschülerInnen hier an der Uni. Wie läuft das hier im besetzten „Audimax“ ab?
Wir sind heute morgen um halb sechs aufgestanden und haben uns eigentlich auf eine eventuelle Räumung vorbereitet. Dahingehend passierte aber rein gar nichts. Darum haben wir dann angefangen sauber zu machen und haben der Putzkolonne geholfen. Gegen neun Uhr kamen dann die ersten Schüler wegen des Hochschulinformationstages. Mit allen Dozenten, die Informationsveranstaltungen im Audimax anbieten, haben wir gestern Abend noch gesprochen und die haben uns alle einen Teil ihrer Veranstaltungszeit gegeben, so dass wir mitdiskutieren können. Bis auf den Philosophiedozenten gestern Mittag waren eigentlich alle sehr kooperativ. Auch der Leiter des Instituts, in dem das Audimax hier ist, hat gestern lange mit uns gesprochen und war echt kooperativ. Wir wollen ja auch nicht gegen die Dozenten ankämpfen. Wir wollen bessere Studienbedingungen, und das ist ein Ziel, das von den meisten Dozenten durchaus geteilt wird. So kommen die SchülerInnen dann zu den Informationsveranstaltungen und bleiben oft auch noch ein bisschen. Generell sind die aber eher ruhig.
Was denkt ihr, wie lange ihr die Besetzung des Hörsaals aufrechterhalten könnt?
Das ist schwierig abzusehen. Ich denke, die größte Hürde, nämlich die der ersten Nacht haben wir gut gemeistert. Mit jeden Tag kommt denke ich ein großer Schritt hinzu und wir werden morgen weitersehen müssen.
Arno Nym
Update: Am Morgen des 6. November wurde das Audimax in Münster von der Polizei geräumt – die Räumung verlief friedlich.





