„Der Staat irrt nicht.“
Ein dunkler Raum, am Tisch ein Herr in Hemd und Krawatte. Ihm gegenüber der Arbeiter Johann Schönberger (Manfred Möck): zurückhaltend, abwartend und etwas verunsichert. Der gut gekleidete Herr vom „Ministerium für Friedenserziehung“ klagt ihn an und fragt ihn aus. Der Vorwurf: Verbrechen gegen den Staat.
Schönberger kann sich zunächst an nichts erinnern, langsam kommt ihm die Geschichte aber wieder ins Gedächtnis. Dem Verhörspezialisten geht es allerdings nicht um eine harte Strafe: „Wir selektieren in überzeugte Anarchisten und fehlgeleitete Bürger.“ Wer bereit ist, sich in das totalitäre System zu integrieren, erhält eine zweite Chance.
Im Verlaufe des Gesprächs durchschaut Schönberger langsam die Mechanismen in diesem System, das sich zwar Demokratie nennt, in dem Bürger/innen aber nicht als kompetent genug gelten, mitzuentscheiden. Dadurch stellt er sein bisheriges Weltbild in Frage, das durch Vertrauen in das System geprägt war.
Ist es „anmaßend, über die Arbeit von Politikern zu urteilen“, weil man nicht die ganze Bannbreite der Arbeit kennt? Ist die erste Aufgabe des Staates die „Sicherheit der Bürger zu garantieren“ oder soll er versuchen, individuelle Bedürfnisse zu befriedigen? Haben wir bloß die Illusion der unendlichen Freiheit?
Ein Film, der spannende Fragen aufwirft, die noch lange für Diskussionen sorgen können. In Schäuble-Zeiten aktueller denn je!
Felix W.
Das Verhör, ab 20. März im Kino, Regie: Rafael Kühn.

