Keine ruhigen Tage für die Bundeswehr BigBand

Aug 12th, 2008 • Kategorie: Militär und Krieg, Online Magazin

Sowohl beim Konzert am Donnerstag im westfälischen Rheine, als auch am Freitag in der Domstadt Münster mussten sich die Armee-Musiker Kritik gefallen lassen. Kreativer antimilitaristischer Protest von FriedensaktivistInnen verspottete die Bundeswehr-Truppe.

Damit hatten die Militärs nicht gerechnet: während eines Auftritts der Bundeswehr BigBand auf der schwimmenden Emsbühne in Rheine, paddelten zwei als Piraten verkleidete Antimilitaristen zwischen die Musiker und die Ufertribüne. Auf dem ausgebreiteten Transparent der Piraten, konnten die rund 500 ZuschauerInnen „Spiel mir das Lied vom Tod – Bundeswehr wegrocken!“ lesen. Trotz der spektakulären Aktion spielten die Soldaten weiter und ließen sich nichts anmerken. Auch die „Bundeswehr wegrocken!“-Rufe eines Piraten ignorierten die uniformierten Musiker. Anders als die erstaunten ZuschauerInnen, die angeregt über das Ereignis diskutierten. Nach kurzer Zeit zog ein anwesendes Motorboot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) das Paddelboot samt Piraten ans Ufer. Währenddessen verteilten andere AntimilitaristInnen auf den Zuschauerrängen Flugblätter.


Ihren Ärger über FriedensaktivistInnen ließen sich die SoldatInnen und der Bundeswehr auch am Freitagabend beim Konzert in Münster nicht anmerken. An die 300 BesucherInnen, die dem militärischen Treiben auf dem Domplatz lauschten, wurden Flugblätter verteilt. Höhepunkt des Protestes war die Ausbreitung des schon in Rheine zum Einsatz gekommenen Transparents direkt vor der großen Bühne. Bandleader Oberstleutnant Christoph Lieder äußerte sich zwischen zwei Musikstücken abfällig: „Ist das nicht schön, wir leben in einer Demokratie. Hier kann jeder seine Meinung sagen – egal wie bescheuert sie ist.“ Die freie Meinungsäußerung endete jedoch abrupt, als Bundeswehrkräfte dem Friedensaktivisten und der Friedensaktivistin gewaltsam das Transparent entrissen. „Demokratie predigt die Armee gern – dass die Bevölkerungsmehrheit gegen Auslandseinsätze ist, stört die Bundeswehr hingegen wenig. Stattdessen drängen die Militärs sogar auf eine Ausweitung des Afghanistaneinsatzes“, so ein Aktivist. „Die Bundeswehr BigBand ist ein Propagandamittel der Armee, bei dem es darum geht, Sympathien zu gewinnen“, sagte eine andere Kriegsgegnerin. Ziel des Musikspektakels sei es, mehr Akzeptanz für die Bundeswehr und ihre Kriege im Ausland sowie für den Einsatz der Bundeswehr im Inland zu gewinnen. Während die Soldaten in Lichteffekten ihre Musik spielte, wurden unter den ZuschauerInnen Spenden für gemeinnützige Projekte gesammelt.

Die KriegsgegnerInnen betonten, dass sie selbstverständlich nichts gegen das Sammeln von Spenden für gemeinnützige Projekte haben – dies gehe aber auch zivil.  „Die Bundeswehr möchte sich als Wohltäterin präsentieren doch verfolgt in Wirklichkeit ihre eigenen militärischen Ziele“, empörte sich eine Aktivistin. Zudem haben die DemonstrantInnen großen Zweifel daran, dass die ZuschauerInnenspenden die Kosten des Konzerts decken. Immerhin waren für die beiden BigBand-Konzerte gleich mehrere Bundeswehr-Busse, Sattelschlepper und andere Militärfahrzeuge sowie zahlreiche SoldatInnen im Einsatz.
Neben der BigBand waren sowohl für das Konzert in Rheine als auch in Münster Werbefahrzeuge der Armee abgestellt um neue RekrutInnen für weltweite Militärinterventionen zu gewinnen. Hochrangige Soldaten verteilten Propagandamaterial und standen für Kriegsdienstberatungen parat. An einem Verkaufstand konnten Bundeswehr-Teddybären – so genannte „Joint Bears Task Force“ – in Tarnuniform erworben werden – eine Verniedlichung von SoldatInnen und Armee, finden Kritiker.
Dem militärischen Treiben wurde friedlicher Widerstand erfolgreich entgegengesetzt. Ob es auch in anderen Städten zu Aktionen gegen die Bundeswehr kommt wird sich zeigen. Bei möglichen Störaktionen könnte das Motto dann wieder lauten: „Lausche nicht den militärischen Klängen. Für eine friedliche Welt ohne Gewalt und Militär – braucht es auch keine Bundeswehr!“.
Michael Schulze von Glaßer