Rückblick auf Berlin08: Staatlich gesteuert

Jun 23rd, 2008 • Kategorie: Online Magazin

11.000 Jugendliche waren auf Berlin08, dem Festival für junge Politik vom 13. bis 15. Juni 2008. Finanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), mitorganisiert von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und dem Deutschen Bundesjugendring (DBJR).

Auch utopias wurden auf Berlin08 verteilt und es waren auch viele linke Jugendliche da, die an der utopia interessiert waren. Ein paar kritische Anmerkungen zum Festival wollen wir aber doch machen:

  1. Das Festival wurde von der privaten Agentur „Luna Park 64“ organisiert. Die Zelte wurden verteilt, ohne mit den Gruppen den genauen Ort abzusprechen. Das wäre bei der Vielzahl der Gruppen wahrscheinlich auch nicht möglich. Möglich wäre aber, das BMFSFJ und die Parteijugenden nicht zu bevorzugen und ihnen die besten Plätze zu geben.

  2. Das Festival war so groß, dass einiges nur den festival-eigenen Medien zu entnehmen war. Eine Hauptrolle hat dabei die Festivalzeitung gespielt. Sie wurde in so hoher Auflage produziert, dass sie für jede/n Teilnehmende/n gleich mehrfach vorhanden war. Die Festival-Zeitung war unter Kontrolle des BMFSFJ, der bpb und des DBJR. Das hat sich nicht nur in den Anzeigen gezeigt, sondern auch in der Berichterstattung. Ein Artikel über die „safer privacy“-Kampagne der JungdemokratInnen / Junge Linke wurde zensiert, ein Artikel über den Chaos Computer Club musste komplett umgeschrieben werden.

  3. Für das Festival wurden 1,2 Mio. Euro ausgegeben. Das ist mehr als die (partei-)politischen Jugendverbände zusammen im ganzen Jahr 2008 erhalten! (Mal ganz abgesehen davon, wie viele utopias wir mit dem Geld produzieren könnten.) Mit der Finanzierung dieses Festivals sollte auch dafür gesorgt werden, dass jugendliches Politik-Engagement im Rahmen bleibt, der von der Regierung vorgegeben wird.

Dennoch sehen wir auch, dass solch ein Festival eine gute Gelegenheit bietet, Jugendliche zu politisieren, mit Andersdenkenden zu diskutieren und für eine bessere, herrschaftsfreie, gewaltfreie Welt zu werben.

Die utopia-Redaktion