“Die Ohnmächtigen trifft der Klimawandel am stärksten”
Vom 3.-5. Juli findet in Hannover der Aktions- und Vernetzungskongress klima.MACHT.flucht statt. Veranstalterorganisationen sind das Jugend-Umwelt-Netzwerk Janun, die Grüne Jugend, der Niedersächsische Flüchtlingsrat und die Rosa Luxemburg Stiftung. utopia sprach mit den OrganisatorInnen über Klimaflucht, Chancen für einen solidarischeren Umgang mit Klimaflüchtlingen und neue Bilder zum Klimawandel.
Utopia: Warum beschäftigt ihr euch mit dem Thema Klimaflucht?
Ole: Überschwemmungen, Dürren und andere Veränderungen der Umwelt in Folge des Klimawandels führen dazu, dass bis Mitte des Jahrhunderts 200 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen werden müssen. Für uns ist das nur ein weiteres Beispiel dafür, dass die Folgen des Klimawandels die Ärmsten und Ohnmächtigsten am stärksten treffen und damit diejenigen, die am wenigsten zur Erderwärmung beitragen. Diese Ungerechtigkeiten werden in der aktuellen Klimapolitik fortgesetzt.

Habt ihr dafür ein Beispiel?
Klar. Zum Beispiel wird Klimawandel zunehmend als Sicherheitsproblem begriffen. Es gibt ein Strategiepapier vom EU-Außenbeauftragen Solana und der EU-Kommission, in dem Massenmigration als eine Bedrohung für europäische Interessen gesehen wird. Angesichts der Grenz-, Asyl- und Migrationspolitik, die die EU momentan fährt, fürchten wir, dass hier erneut Macht darüber entscheidet, wer die Chance bekommt, sich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen.
In der Wissenschaft gibt es Zweifel, ob die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Migration wirklich so stark sind, dass wir von „Klimaflüchtlingen“ sprechen sollten. AktivistInnen in der antirassistischen Szene befürchten zum Teil, dass das Bild von neuen Flüchtlingsmassen Panik hervorruft und damit die autoritäre Abwehr von Flüchtlingen rechtfertigt. Was ist eure Position dazu?
Uns ist wichtig zu betonen, welche sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen dafür verantwortlich sind, dass Menschen sich für Flucht oder Migration entscheiden – auch wenn konkrete Umweltveränderungen der Anlass sind. Wir glauben aber auch, dass es eine Chance gibt, die sozialen Folgen des Klimawandels so zu thematisieren, dass am Ende eine solidarische Variante des Umgangs damit herauskommt: Wir respektieren, wenn Menschen migrieren und finden, dass die HauptverursacherInnen des Klimawandels für Entschädigungen sorgen und die Aufnahme von Klimaflüchtlingen anbieten sollten. Dabei geht es dann nicht darum, dass Menschen mit einem prekären Flüchtlingsstatus irgendwo in Lagern leben dürfen. Vielmehr sollte ihnen die Staatsbürgerschaft angeboten werden.
Was erhofft ihr euch vom Kongress?
In den Workshops wollen wir uns inhaltlich mit der UN-Klimapolitik, dem Europäischen Migrationsregime, Kapitalismuskritik und dem Alltag von Flüchtlingen auseinander setzen. Das zweite Ziel des Kongresses ist es, neue Bilder zu schaffen, die Machtverhältnisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel thematisieren. Die wollen wir dann in Aktionen in Hannover zeigen und umsetzen. Dafür suchen wir die Unterstützung von KünstlerInnen wie dem Aktionskünstler Hermann-Josef Hack. Schließlich geht es uns darum für den Protest anlässlich der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen zu mobilisieren. Wir wollen vor Ort und im Vorfeld unsere Botschaft „klima.MACHT.flucht“ deutlich sichtbar machen.
Wir danken für das Gespräch und wünschen einen erfolgreichen Kongress!

