Tod durch Patent

Patentierte Medikamente sind für die Armen der Welt oft unerschwinglich

„Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.“ Bertolt Brecht

Dass jeder Mensch in Deutschland zum Arzt gehen kann, Medikamente verschrieben bekommt und die Krankenkasse meist einen Teil davon zahlt, ist inzwischen selbstverständlich. Der deutsche Staat hat die Aufgabe, mit dem öffentlichem Gesundheitssystem für die Gesundheit der Menschen zu sorgen, so dass sich auch ärmere Menschen Medikamente leisten können.
Die Verantwortung für die Gesundheit sollte jedoch nicht national beschränkt sein, denn täglich sterben weltweit 35.000 Menschen an so genannten „vernachlässigten Krankheiten“. Deshalb sollte Gesundheit als ein internationales Menschenrecht angesehen und zu einer globalen Angelegenheit werden.
Dass sich viele Menschen in der so genannten Dritten Welt keine Medikamente leisten können, liegt überwiegend an Patenten. Eine Patentierung bedeutet, dass die Erfinder eines Medikamentes ein Schutzrecht (Patent) bekommen, das ihnen alleine die Verwendung und Vermarktung des Medikamentes zusagt. So wird ihnen der Profit gesichert; eine wichtige Vorraussetzung für die Pharmaindustrie, sich an der Medikamenten-Forschung zu beteiligen. Das Problem: Das Unternehmen kann für die patentierte Medizin einen beliebig hohen Preis nehmen – Konkurrenz gibt es ja keine.
Ein Patent gilt für 20 Jahre. 20 Jahre, in denen viele Menschen der Dritten Welt sterben, da für sie die teuren Medikamente unerschwinglich sind. Und weil dann nur wenige Menschen die Pillen und Tabletten kaufen, wird auch die Erforschung der Krankheiten der Dritten Welt vernachlässigt. So bekämpfen weniger als ein Prozent der entwickelten Medikamente Tropenkrankheiten wie Malaria oder die Schlafkrankheit. Dagegen werden 90 Prozent der Forschungsgelder für Lifestyle-Produkte und Medikamente ausgegeben, die nur zehn Prozent der globalen Krankheiten ausmachen.
Die Pharma-Industrie arbeitet also ausschließlich gewinnorientiert. Dadurch entsteht ein Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Unternehmen. Durch die Patentierung halten sie ihre Forschung vor den Konkurrenten geheim und behindern die Entwicklung. Deshalb sollte Gesundheit als eine politische Aufgabe gesehen werden.
Würde man Patente abschaffen, müsste sich der Staat mehr an der Forschung beteiligen. Medikamente könnten somit ein öffentliches Gut und kostengünstiger produziert werden, da durch Kooperation der ForscherInnen effizienter gearbeitet werden könnte. Auf Millionenprofite würde verzichtet und es müsste keine Werbung für das einzelne Medikament finanziert werden, denn die Ausgaben für die Werbung sind doppelt so hoch wie für die Forschung.

Ana M.

Comments are closed.