Traum vom Frieden?
Costa Rica – ein militärfreier Staat
Die Verwunderung einiger Mitschüler/innen ist deutlich spürbar, als Nicole davon erzählt, dass Costa Rica über kein stehendes Militär verfügt. Es ist nur eine ihrer Erfahrungen, die sie als Austauschschülerin über ein Jahr hinweg in dem mittelamerikanischen Land gemacht hat und jetzt mit ihrer Schulklasse in Deutschland teilen möchte.
Sicherheit und Frieden ohne Armee
Während die Bundeswehr in Deutschland oft als für die Sicherheit notwendig dargestellt wird, schien das militärfreie Costa Rica für die Schülerin Nicole gerade auch deshalb “interessant und positiv”. Ob das Land auf sie dadurch nicht unsicher und gefährlich gewirkt habe, wird sie gefragt. “Gar nicht”, sagt sie. Gerade durch diese Eigenschaft habe Costa Rica sowohl auf sie als auch auf ihre Eltern einen sicheren und friedlichen Eindruck gemacht. 1955 wurde in Deutschland die Bundeswehr gegründet, während das Militär in Costa Rica 1948 abgeschafft wurde.
“Am 1.Dezember 1948 schlug José Figueres, damals Präsident des Regierungsrates, in der Militärkaserne Bella Vista, dem heutigen Nationalmuseum, mit einem Holzhammer eine der Mauern der besagten Kaserne ein, um die Abschaffung der Armee in Costa Rica zu verordnen”, erklärt Victor Vargas, Nicoles Gastvater. Er selbst wurde erst knapp einen Monat später, am 31.Dezember 1948, geboren und hat nie die Erfahrung gemacht, dass Costa Rica über militärische Gewalt verfügt.
Dennoch ist Vargas davon überzeugt, dass die Abschaffung der nationalen Armee den Einwohner/innen Costa Ricas “nur Gewinne” brachte.Beispielsweise seien die gestiegene Bildung, die verbesserte Technologie und öffentlichen Dienste sowie die gesteigerte Gesundheit und die Wirtschaft darauf zurückzuverfolgen.Nicht umsonst wird Costa Rica die “Schweiz Mittelamerikas” genannt.

"Militarismus Geschichte werden lassen" - Costa Rica hat einen ersten Schritt gemacht.
Victor Vargas erläutert, dass Costa Rica das Land mit der größten politischen Stabilität in Landamerika sei. “Eine Abwesenheit des Militärs verhindert, dass ein Land einen großen Teil seines Haushaltes dem Kauf von Panzern, Flugzeugen und Kriegsschiffen zuweist, sowie für die Unterhaltung eines mächtigen Militärs nötig. Zudem sind gewählte Präsidenten von den Militärs in anderen lateinamerikanischen Ländern in der Vergangenheit schon oft durch einen Putsch gestürzt worden. Darauf folgte meist eine grausame Militärdiktatur. Die Abschaffung der Armee hat bei den Ticos*/Ticas nur positive Reaktionen hervorgerufen”, fährt Vargas weiter fort “und diese äußern sich weiterhin in derselben Form”.
Auch die Austauschschülerin Nicole teilt diese Ansicht: “Es ist sehr auffällig, dass die meisten Ticos und Ticas sehr friedliebend, herzlich und freundlich sind.” Allerdings fiel Nicole während ihrem Aufenthalt in Costa Rica auch die große Polizeipräsenz auf, welche vor allem im Stadtzentrum der Hauptstadt San José vertreten ist. Grund hierfür ist, dass die öffentliche Ordnung weiterhin mittels eines staatlichen Organs aufrecht erhalten wurde. Gleichzeitig erinnert sich die Schülerin daran, dass es auch trotz der Abschaffung des Militärs große soziale Ungleichheiten gibt.
Abschließend ist es erfreulich, dass die Abschaffung der Armee in einem der wenigen militärlosen Länder auf so viel Zustimmung stößt, aber gleichzeitig bleibt wohl fragwürdig, ob der Traum vom Frieden auch überall so leidenschaftlich gelebt wie geträumt wird.
Cosima
*Ticos/Ticas = geläufiger Kosename für Costaricaner/innen







