US-Amerikanischer Bürgerrechtler soll hingerichtet werden
Er war ein linker Radioreporter und setzte sich für die Rechte schwarzer US-BürgerInnen ein. Doch jetzt sitzt der 55-jährige Mumia Abu-Jamal – selbst ein Afroamerikaner – schon seit über 25 Jahren in der Todeszelle. Der Vorwurf: Er soll einen Polizisten erschossen haben. Jedoch gibt es viele offene Fragen und Ungereimtheiten, die nicht zuletzt auf seine Hautfarbe und seine politische Arbeit zurückzuführen sind. Die nationale und internationale Solidarität mit ihm ist groß – nicht nur innerhalb der Linken. Dennoch: die Staatsanwaltschaft will ihn tot sehen.
Wer ist Mumia Abu-Jamal?
Mumia wurde schon sehr früh politisch aktiv. Da es in seiner Heimatstadt Philadelphia eine starke Unterdrückung der AfroamerikanerInnen gibt, machte er es sich zur Aufgabe, für ihre Rechte einzustehen. So trat er der Black Panther Party bei, einer Selbstschutz-Organisation von Schwarzen, und beteiligte sich an zahlreichen Protestaktionen. Dennoch war er ein friedlicher Kämpfer. Abu-Jamal fühlte sich immer mehr dem linken Spektrum zugehörig. Er war auch als Radioreporter tätig, gab dies jedoch in späteren Jahren auf und verdiente sein Geld ausschließlich als Taxifahrer. 1971 verließ er aufgrund von Unstimmigkeiten die Black Panthers und engagierte sich in der grünanarchistischen Organisation „Move“.
Tat – Prozess – Urteil
Genau lässt es sich wohl nicht mehr rekonstruieren, was am 9. Dezember 1981 geschah. Fest steht lediglich, dass Mumia seinem Bruder helfen wollte. Dieser wurde von einem Polizisten ungewöhnlich brutal behandelt, nachdem er falsch in eine Einbahnstraße gefahren war. Dabei wurde Mumia Abu-Jamal von eben diesem Polizisten angeschossen. Auch der Polizist wurde von Kugeln getroffen – tödlich. Woher diese kamen, kann mensch immer noch nicht mit Sicherheit sagen. Für die Staatsanwaltschaft zumindest steht fest: Mumia Abu-Jamal ist der Täter.

Mumia in seiner Zelle
Noch am gleichen Tag wurde er verhaftet. Der darauf folgende Prozess ist äußerst fragwürdig: Es wurden fadenscheinige „Beweise“ aufgeführt, wie die Tatsache, dass Jamal einmal in einem Interview ein Zitat Mao Tsetungs („Macht erwächst aus dem Lauf eines Gewehrs“) gebraucht hatte. Auch die „Augenzeugen“, die die Staatsanwaltschaft quasi aus dem Hut zauberte, waren nicht gerade glaubwürdig. So ist nicht auszuschließen, dass diese „Zeugen“ bestochen oder erpresst wurden. Möglicherweise waren es Menschen, die mit Mumias politischer Gesinnung nicht einverstanden waren und ihn so loswerden wollten. Es ist nicht einmal anzunehmen, dass der Prozess unter neutraler Führung verlief: Laut Aussage eines Gerichtsbeamten soll der vorsitzende Richter gesagt haben: „Ich werde ihnen helfen, diesen Neger zu grillen“. Menschenrechtsorganisationen wie „Amnesty International“ sind über den ungerechten Prozess empört. Dennoch war das Urteil der Geschworenen, die später von Mumias VerteidigerInnen als „rassistisch ausgewählt“ bezeichnet wurden, eindeutig: Schuldig. Mumia Abu-Jamal wurde wegen „Mord im besonders schwerem Fall“ zum Tode verurteilt – trotz aller Unstimmigkeiten.
Todesstrafe: Das Recht, über Leben und Tod zu bestimmen?
Der Fall Mumia Abu-Jamals zeigt eines der größten Probleme der Todesstrafe: Wer garantiert, dass es keinen Unschuldigen trifft? Einen Eingesperrten kann mensch wieder aus dem Gefängnis holen, selbst wenn es unmöglich ist, ihn für das dadurch zugefügte Leid zu entschädigen – Tote aber können nicht wieder zum Leben erweckt werden.

Auf der ganzen Welt protestieren Menschen gegen Mumias Hinrichtung. So zum Beispiel bei dieser Demonstration 2003 in Paris. Foto: mumia.de
Aber auch wenn sie wirklich nur bei Schuldigen zur Anwendung kommt, ist die Todesstrafe äußerst fragwürdig. Wie darf sich ein Mensch das Recht nehmen, zu bestimmen, wann ein anderer seine letzten Atemzüge tut? Darüber hinaus ist sie ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechte. JedeR hat ein Recht auf Leben – egal was er oder sie getan hat. Befürworter der Todesstrafe berufen sich gerne auf ihren angeblichen Abschreckungseffekt, aber die Realität sieht anders aus. Laut „Amnesty International“ geschieht in Deutschland, wo es die Todesstrafe nicht gibt, ein Mord auf 100.000 Einwohner. In den USA, wo sie Gang und Gebe ist, sind es 7,4 Morde. Mensch sollte sich immer fragen, ob eine weitere Tötung die Welt besser machen kann…
Hoffnung?
Für Mumia Abu-Jamal gibt es zur Zeit wenigstens noch einen kleinen Hoffnungsschimmer: Der Bundesgerichtshof hat das Todesurteil – nicht zuletzt wegen des solidarischen Drucks von außen – vorläufig aufgehoben. Mumia gilt dennoch weiterhin als schuldig. Damit wurde der Weg zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens zwar endgültig ohne jegliche Begründung verbaut, aber Mumia hat immerhin die Chance, am Leben zu bleiben. Nun muss noch entschieden werden, ob Mumia nach dem Willen der Staatsanwaltschaft hingerichtet wird oder ob ihm „nur“ eine lebenslange Haft bevorsteht. Wenn das Urteil „Tod“ lautet und es von Gouverneur Ed Rendell unterzeichnet wird, sind alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft. Damit es nicht soweit kommt, ist es jetzt besonders wichtig, gemeinsam mit MenschrechtlerInnen, GegnerInnen der Todesstrafe, linken Gruppierungen und vielen andern für ihn zu kämpfen, und sei es nur durch das Unterschreiben einer Petition – damit Mumia Abu-Jamal nie seinen letzten Gang antreten muss.
Ronja
Bis Anfang Oktober ist noch die “Mumia-Infotour” in mehreren Sttädten Deutschlands unterwegs.
Weitere Informationen: http://www.mumia-hoerbuch.de/termine.htm







