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	<title>Utopia &#124; Jugendzeitung für eine herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft &#187; Sommer 2008</title>
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		<title>GAME BOY? &#8211; Über Kindersoldat_innen und Kinderkriege</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 08:51:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>david</dc:creator>
				<category><![CDATA[Globalisierung und Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Migration und Antirassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Militär und Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Online Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2008]]></category>

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		<description><![CDATA[„Jetzt ist es an euch, den Tod eurer Familien zu rächen und dafür zu sorgen, dass nicht noch mehr Kinder ihre Familien verlieren“, sagt der Leutnant bevor er die Maschinengewehre an die Kinder verteilt. Eigentlich sind Ishmael und seine Freunde zu dem Militärstützpunkt gekommen, um Schutz zu suchen. Nachdem Rebellen ihr Dorf zerstört und ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Jetzt ist es an euch, den Tod eurer Familien zu rächen und dafür zu sorgen, dass nicht noch mehr Kinder ihre Familien verlieren“, sagt der Leutnant bevor er die Maschinengewehre an die Kinder verteilt. Eigentlich sind Ishmael und seine Freunde zu dem Militärstützpunkt gekommen, um Schutz zu suchen. Nachdem Rebellen ihr Dorf zerstört und ihre Familien getötet haben, waren sie tagelang auf der Flucht und wussten nicht wohin, bis sie zu dem Stützpunkt kamen. </strong><span id="more-672"></span>Dort werden sie plötzlich zusammen mit hunderten anderer Kinder zu Tötungsmaschinen ausgebildet. Ihnen wird gezeigt, wie sie mit Maschinengewehren umgehen müssen und sie werden mit Drogen vollgepumpt, um alle menschlichen Gefühle zu unterdrücken.</p>
<p>„So machst du Kinder zu Soldaten“, erklärt Ishmael heute: „Du zerstörst alles was sie kannten, du zerstörst ihre Familien, ihre Städte, und dann kannst du sie manipulieren und auf Drogen bringen. Sie tun dann alles, was du willst“. So machen es die verschiedenen Rebellengruppen, so macht es die staatliche Armee. Der polnische Journalist und Afrika-Experte Ryszard Kapuscinski erklärte die Lage einmal so: „In Afrika werden Kinder massenweise von Kindern getötet, und das schon seit Jahren. Die Kriege auf diesem Kontinent sind in Wahrheit Kinderkriege“.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" src="http://jugendzeitung.net/daten/images/gameboy.jpg" alt="" width="227" height="300" /></p>
<p>Weltweit werden in über 85 Ländern Kinder als Soldat_innen benutzt. UNICEF schätzt ihre Zahl auf über 300.000. Viele von ihnen sind noch nicht einmal im Schulalter. Sie fliehen auf der Suche nach Nahrung oder weil sie ihre Familien verloren haben zu den Militär-Camps oder werden einfach zwangsrekutiert. Im Krieg werden sie als Lastenträger_innen für Waffen und Munition herangezogen, sie müssen Minen aufspüren oder auslegen und werden als Wachen oder Kundschafter_innen eingesetzt. Vor allem aber stehen sie in den Kampfeinsätzen an vorderster Front.</p>
<p>Der Einsatz von Kindern in Kriegs- und Konfliktsituationen ist ein klarer Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Außerdem ist der Einsatz von Kindersoldaten unter 15 Jahren ein Kriegsverbrechen und könnte vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verfolgt werden.<br />
Doch trotz dieser Verpflichtungen herrscht bis heute ein großer Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit.</p>
<p>Nur die wenigsten Kindersoldat_innen schaffen es, dieser Hölle zu entkommen. Ishmael Beah hatte Glück, als er von UNICEF ausgewählt wurde und in ein Rehabilitierungszentrum kam. Heute arbeitet er für Human Rights Watch und hat ein beeindruckendes Buch über seine Zeit als Kindersoldat geschrieben*. Vielen ehemaligen Kindersoldat_innen werden aber noch heute elementarste Bedürfnisse verwehrt. Wenn die Kinder, die jahrelang Unvorstellbares erlitten haben, irgendwie die Flucht nach Europa geschafft haben, werden ihre Hoffnungen auch in Deutschland oft gnadenlos zerstört. Statt einer angemessenen psychologischen und pädagogischen Betreuung, erwartet die Kinder oft ein anonymer, kaum zu verstehender Behördendschungel und die Abschiebehaft. Das Kinderhilfswerk „terre des hommes“ fasste die Situation für Kindersoldat_innen, die nach Deutschland geflüchtet sind, 2007 treffend zusammen: „Der Umgang mit ehemaligen Kindersoldaten in Deutschland ist unmenschlich und völkerrechtswidrig. Obwohl sie schlimmste körperliche und seelische Verletzungen erlitten haben, werden sie bis auf wenige Ausnahmen nicht als politische Flüchtlinge anerkannt und leben in Deutschland nur mit einer Duldung – einer ausgesetzten Abschiebung. Das Ausländerrecht hat in Deutschland derzeit Vorrang vor dem Kinderrecht: Zuerst ist man Ausländer, dann Kind.“</p>
<p>Christoph M.</p>
<p>Buchtipps:</p>
<p>*Ishmael Beah – Rückkehr ins Leben – Ich war Kindersoldat.<br />
Reiner Engelmann – Kinder: ausgegrenzt und ausgebeutet.</p>
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		<title>Ausgegrenzt, weggesperrt, abgeschoben</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 12:24:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Migration und Antirassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2008]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Abschiebeknast in Büren
Videoüberwachung, Sicherheitsschleusen, Zäune, Schranken: Willkommen am größten Abschiebeknast der Bundesrepublik! Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Büren-Stöckerbusch liegt ca. 8 km außerhalb von Büren, mitten im Wald und umgeben von einer 6,5 m hohen Betonmauer.
Die ehemalige NATO-Kaserne bietet seit 1994 Platz für bis zu 530 männliche Häftlinge ab 16 Jahren. Dabei ist die Inhaftierung von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Abschiebeknast in Büren</strong></p>
<p>Videoüberwachung, Sicherheitsschleusen, Zäune, Schranken: Willkommen am größten Abschiebeknast der Bundesrepublik! Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Büren-Stöckerbusch liegt ca. 8 km außerhalb von Büren, mitten im Wald und umgeben von einer 6,5 m hohen Betonmauer.</p>
<p>Die ehemalige NATO-Kaserne bietet seit 1994 Platz für bis zu 530 männliche Häftlinge ab 16 Jahren. Dabei ist die Inhaftierung von Unter-18jährigen ein eindeutiger Verstoß gegen die UN – Kinderrechtskonvention, die festlegt, dass Kinder und Jugendliche nur als „letztes Mittel“ inhaftiert werden dürfen.</p>
<p><span id="more-80"></span></p>
<p><strong>Der Alltag im Knast</strong><br />
Die betroffenen Flüchtlinge und Migrant_innen finden sich nach ihrer Inhaftierung meist völlig fassungslos in einer Zelle wieder – die ersten Gedanken sind dann: Was habe ich getan, dass ich ins Gefängnis muss? Warum werde ich bestraft? Aber auch: Wie lange muss ich hier bleiben? Werde ich abgeschoben in ein Land, wo mir erneut Haft oder noch Schlimmeres droht? Viele verstehen das deutsche Rechtskauderwelsch nicht und sind in ihrer Situation ziemlich hilflos der Willkür von Ausländerbehörde, Richter_in und Justizpersonal ausgeliefert. Dolmetscher, Rechtsanwalt? – Fehlanzeige!<br />
Die Gefangenen sind grundlegender Rechte beraubt. Der Alltag im Knast besteht aus 13-22 Stunden Einschluss in den Zellen. Nur wenige Gefangene haben das „Privileg“, für einen geringen Stundenlohn Kabel zu binden oder einzutüten. Die meisten Migrant_innen sind mittellos, wenn sie hier ankommen, einige haben nicht einmal ausreichen Kleidung. Wenn einzelne Gefangene dennoch Geld besitzen, wird es ihnen abgenommen: Sie müssen das &quot;Hotel Abschiebehaft&quot; und ihre eigene Abschiebung selbst bezahlen.<br />
Angesichts dessen ist die Verzweiflung oft sehr groß. Häftlinge berichten über Schlafstörungen, Depressionen, Angstzustände bis hin zu Selbstverletzungen und Selbstmordversuchen. Gehen sie zum Anstaltsarzt, erwartet sie meist die nächste Schikane: ihre Beschwerden werden nicht ernst genommen, sie bekommen keine vernünftige Behandlung, werden stattdessen mit Tabletten weggeschickt, deren Wirkung und Nebenwirkungen ihnen nicht erklärt werden.<br />
Wehren sie sich gegen den Zustand und werden sie „unbequem“, so finden sie sich schnell im Keller der JVA wieder: im „besonders gesicherten Haftraum“ oder der Arrestzelle. In solch eine Zelle dürfen die Häftlinge keine persönlichen Gegenstände mitnehmen, sie haben lediglich eine Stunde Hofgang (alleine), sie dürfen nicht lesen, nicht rauchen, nur tödliche Langeweile.</p>
<p><strong>Wer kommt in Abschiebehaft?</strong><br />
Abschiebehaft kann von der Ausländerbehörde angeordnet werden, wenn sie den Verdacht hat, dass sich ein_e Migrant_in der Abschiebung entziehen will. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Verdacht bewiesen werden kann oder überhaupt angebracht ist: es findet keine Gerichtsverhandlung statt, lediglich eine Anhörung vor einem Richter, der im Schnellverfahren mal eben über sechs Monate Haft (oder eine Verlängerung bis insgesamt 18 Monate) entscheidet. Darum gilt hier auch nicht der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“, es wird ja auch nicht über ein Verbrechen gerichtet, sondern lediglich sichergestellt, dass die Abschiebung reibungslos abläuft.<br />
Nicht nur abgelehnte Asylbewerber_innen werden so weggeschlossen, sondern auch Menschen, die keine Aufenthaltspapiere (mehr) haben, deren Besuchsvisum abgelaufen ist, die ohne Erlaubnis in Deutschland gearbeitet haben, die ihr Studium in Deutschland beendet haben und weiter hier geblieben sind, oder die sich vom/vor der deutschen Partner_in getrennt haben. Tatsache ist, dass regelmäßig 30-40 % der Inhaftierten wieder aus der Haft entlassen werden müssen, weil sie widerrechtlich inhaftiert waren.<br />
Der politische Sinn der Abschiebehaft ist die Abschreckung der Migrant_innen und eine reibungslose Abschiebung. Sie ist ein Baustein des modernen „Migrations-Managements“, das MigrantInnen nach wirtschaftlicher Nützlichkeit auswählt und unerwünschte Zuwanderung beschränkt.</p>
<p><strong>Staatlicher Rassismus mit tödlichen Folgen</strong><br />
Rashid Sbaai war einer von ihnen. Er erstickte 1999 qualvoll in einer Arrestzelle an einem Feuer. Die genauen Umstände sind nie verhandelt worden, ungeklärt ist bis heute die Frage, warum die Schließer erst zu spät auf den ausgelösten Alarm reagiert haben und wie das Feuerzeug in die Zelle gelangte.<br />
Zahlreiche weitere Einzelfälle ließen sich aufführen, deren Schicksal besonders hart ist und die sich plötzlich im Knast wiederfanden: Menschen, die sich integriert haben, die seit Jahren in Deutschland leben, die hier Familie haben, die schwer krank sind, denen in ihrem Heimatland Folter, Verschleppung und Tod drohen, die ohne Geld in Kriegs- und Krisengebiete abgeschoben werden, die in ein Land abgeschoben werden, das sie zuvor nie betreten haben (weil es mit diesem Land ein Rücknahmeabkommen gibt)&#8230;<br />
Der eigentliche und größte Skandal ist und bleibt jedoch, dass es diesen Knast und das System der Abschiebehaft überhaupt gibt. Dass Menschen über Monate weggesperrt werden, weil sie den falschen Pass haben. Abschiebehaft ist Teil einer Sondergesetzgebung für Migrant_innen und Ausdruck des deutschen staatlichen Rassismus und gehört daher abgeschafft!</p>
<p>Andreas</p>
<p>Andreas lebt in Paderborn und ist seit 8 Jahren in der Bürengruppe aktiv.</p>
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		<title>Abschiebung ins Fremde</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 12:22:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Migration und Antirassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2008]]></category>

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		<description><![CDATA[Ende Oktober 2006 wurde die fünfköpfige Familie Thadchanamoorthy nach Sri Lanka abgeschoben. Eine Abschiebung, beispielhaft für alle, die täglich in der Bundesrepublik Deutschland stattfinden.
Kiddinan Thadchanamoorthy flüchtete 1994, seine Frau Menaka 1999 vor dem schwelenden Bürgerkrieg in Sri Lanka. Das Ehepaar stellte einen Asylantrag und lebte fortan im nordrhein-westfälischen Warendorf. Auch für ihr drei Kinder Apisan [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ende Oktober 2006 wurde die fünfköpfige Familie Thadchanamoorthy nach Sri Lanka abgeschoben. Eine Abschiebung, beispielhaft für alle, die täglich in der Bundesrepublik Deutschland stattfinden.</strong></p>
<p>Kiddinan Thadchanamoorthy flüchtete 1994, seine Frau Menaka 1999 vor dem schwelenden Bürgerkrieg in Sri Lanka. Das Ehepaar stellte einen Asylantrag und lebte fortan im nordrhein-westfälischen Warendorf. Auch für ihr drei Kinder Apisan (8), Apirami (5)  und Apinaeja (3), die alle in Deutschland zur Welt kamen, wurde ein solcher Antrag gestellt. Alle Anträge wurden abgelehnt.</p>
<p><span id="more-79"></span></p>
<p>Während des Aufenthalts in Warendorf integrierten sich die Thadchanamoorthys in die Gesellschaft: die Kinder besuchten den Kindergarten und die Schule, der Vater arbeitete und die Familie nahm am Gemeindeleben teil. Am 17. Oktober 2006 änderte sich dies schlagartig: Herr Thadchanamoorthy wurde – ohne etwas verbrochen zu haben – in das Abschiebegefängnis Büren gesperrt. Menaka wurde in das Gefängniskrankenhaus Fröndenberg gebracht – nachdem sie im Bürgerkrieg misshandelt wurde, leidet sie unter einem Trauma. Die drei Kinder – das jüngste wurde noch gestillt – wurden dem Jugendamt übergeben. Die ganze Familie wurde auseinander gerissen – mit Berufung auf das deutsche Ausländerrecht.</p>
<p>Ein Wiedersehen gab es erst im Flugzeug nach Sri Lanka – dem Land aus dem das Ehepaar geflohen war und das die drei Kinder noch nie gesehen hatten. Am 25. Oktober wurde die Familie abgeschoben – jedoch ohne Papiere. Zwar hatten die Behörden der Familie ein Visum für Sri Lanka besorgt, doch dies war auf den Flughafenbereich beschränkt. Ein Leben ohne gültige Ausweispapiere kann in dem Bürgerkriegsland tödlich sein. In den letzten Jahren verschärfte sich der Krieg zwischen der Regierung Sri Lankas und der tamilischen „Befreiungsbewegung“. Auch die Familie Thadchanamoorthy gehört zur Bevölkerungsminderheit der Tamilen und ist daher einer erhöhten Gefahr ausgesetzt. Nicht selten kommt es zu willkürlichen Übergriffen und Verschleppungen von Tamilen durch Regierungstruppen und Polizei.</p>
<p>Hilfe, Betreuung und Beratung fand die Familie bei einer Ordensgemeinschaft. Der gesundheitliche und seelische Zustand der abgeschobenen Familie verschlimmerte sich jedoch drastisch. Allein die Umstellung auf das Klima und das Essen machten der Familie zu schaffen – besonders den Kindern, die noch nie zuvor in Sri Lanka waren. Die Ordensschwestern konnten eine Unterkunft für die Familie in Nähe des Ordenshauses finden – ein spärlich eingerichteter Raum. Engagierte Personen und Freunde aus Deutschland unterstützten die Familie mit Spenden und Hilfspaketen. Außerdem verdient die Familie ein wenig Geld mit selbst genähten Textilien.</p>
<p>Am 30. April 2008 wurde Kiddinan Thadchanamoorthy wegen fehlender Ausweispapiere festgenommen. Er war auf dem Weg eine Nähmaschine aus der Reparaturwerkstatt zu holen – die anderen Familienmitglieder waren krank. Inzwischen wurde Kiddinan wieder freigelassen, doch er befindet sich noch in ständiger Gefahr. Sein Problem ist, dass aus Deutschland abgeschobene Familien und Einzelpersonen in Sri Lanka und anderswo als Terroristen eingestuft werden. Mensch glaubt in Sri Lanka, dass Deutschland nur Terroristen abschiebe &#8211; dass in Deutschland geborene Kinder von den deutschen Behörden ohne Grund abgeschoben werden, ist in Sri Lanka unvorstellbar. In anderen Ländern erhalten Kinder automatisch die Staatsbürgerschaft, wenn sie dort geboren werden.</p>
<p>Im Jahr 2006 wurden aus Deutschland 13.894 Menschen abgeschoben – welche Schicksale sich hinter dieser Zahl verbergen, lässt die Geschichte der Familie Thadchanamoorthy nur erahnen. Abschiebung ist kein Einzelfall. Massenhaft werden Menschen gegen ihren Willen in ein anderes Land verschleppt. Auch Kinder und Jugendliche, die in Deutschland geboren wurden und das Land nicht kennen, aus dem ihre Eltern geflohen sind, werden vom deutschen Staat erbarmungslos abgeschoben.</p>
<p>Michael Schulze von Glaßer</p>
<p>Michael Schulze von Glaßer (21) lebt im Kreis Warendorf und hat dort in den vergangenen Jahren verschiedene Fälle von Abschiebungen verfolgt.</p>
<p>Weitere Informationen: <a href="http://www.abgeschoben-waf.de">www.abgeschoben-waf.de</a></p>
<p class="alert"><strong>Spenden an die Familie Thadchanamoorthy:</strong><br />
Empfänger: Aktion Kinderhilfe<br />
Konto Nr. 706 233 501<br />
BLZ: 478 613 17 (Volksbank Beelen)<br />
Kennwort: Abschiebung</p>
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		<title>„Völlig falsch, diesen Weg zu gehen“ – Die Abschaffung des Asylrechts jährt sich zum 15. Mal</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 12:16:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Migration und Antirassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2008]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 15 Jahren wurde das Grundrecht auf Asyl faktisch abgeschafft. Heute rufen antirassistische Initiativen zu einer Demo auf – für ein globales Recht auf Migration. Die Demonstration bildet zugleich den Abschluss einer Kampagne mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen: de*fence! &#8211; zu deutsch: entzäunen! Wir sprachen mit Klara Schönfeld.
Ihr demonstriert anlässlich des 15. Jahrestag der Abschaffung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor 15 Jahren wurde das Grundrecht auf Asyl faktisch abgeschafft. Heute rufen antirassistische Initiativen zu einer Demo auf – für ein globales Recht auf Migration. Die Demonstration bildet zugleich den Abschluss einer Kampagne mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen: de*fence! &#8211; zu deutsch: entzäunen! Wir sprachen mit Klara Schönfeld.</p>
<p><strong>Ihr demonstriert anlässlich des 15. Jahrestag der Abschaffung des Asylrechts. Gibt es heute nicht  genug Probleme?</strong></p>
<p>Es gibt natürlich viele Probleme in Deutschland, denen Flüchtlinge und Migrantinnen aufgrund der diskriminierenden, teilweise rassistischen Gesetzgebung ausgesetzt sind. Dennoch haben wir den 5. Juli ausgewählt, weil wir an die Proteste anknüpfen wollen, die es 1993 gab, als das politische Grundrecht auf Asyl faktisch abgeschafft wurde. Damals waren viele Leute auf der Straße – aus ganz unterschiedlichen Spektren&#8230;</p>
<p><strong>&#8230; und du auch.</strong></p>
<p>Ja, ich war damals 17 Jahre alt. Die Situation für Flüchtlinge in der BRD hat sich seit dem extrem verschlechtert. Deshalb müssen wir immer wieder darauf aufmerksam machen. Der Jahrestag ist dazu eine Möglichkeit, die nutzen wir.</p>
<p><strong>Vor 15 Jahren wart aber doch nicht nur ihr auf der Straße. Rostock-Lichtenhagen ist da wohl das bekannteste Beispiel. Der Ausländerhass sorgte dort dafür, dass ein Wohnhaus in Brand gesteckt wurde. Waren da Änderungen in der Migrationspolitik nicht berechtigt, um weitere Ausschreitungen zu verhindern?</strong></p>
<p>Du meinst, dass man die Leute nicht mehr nach Deutschland reinlässt?</p>
<p><strong>Ja?</strong></p>
<p>Ich glaube, es ist völlig falsch, diesen Weg zu gehen. Solche Flüchtlingsübergriffe gab&#8217;s auch schon in den 80er Jahren, das ist nichts Neues. Man muss mit Konflikten anders umgehen. Viele Leute kommen nach Deutschland, die politisch verfolgt sind. Es gibt unterschiedliche Beweggründe für eine Flucht. Ich bin dafür, dass alle dort leben können, wo sie möchten; aber natürlich ist das noch eine andere Qualität, wenn die Leute in ihren Ländern politisch verfolgt sind.</p>
<p><strong>Dennoch werden viele nicht nach Deutschland reingelassen&#8230;</strong></p>
<p>Ich denke dahinter standen und stehen immer noch wirtschaftliche Interessen. Es gab die Zeit, da wurden Gastarbeiter aus anderen Ländern angeworben. Dann hat sich die arbeitsmarktpolitische Situation geändert und dann meinten führende Politiker, es gäbe zu viele Ausländer. Auch heute wird Rassismus bewusst geschürt: Es gibt zu wenig Arbeitsplätze und Arbeit zuerst für Deutsche! So lautet das Motto nicht nur in rechten Kreisen.</p>
<p><strong>Du hast jetzt viel über Deutschland erzählt. Auch die Demo am 5. Juli wird ja bundesweit beworben. Wenn man sich aber anguckt, was alles an Abschottung auf EU-Ebene abläuft, ist da nicht eine europäische Vernetzung erforderlich?</strong></p>
<p>Man darf nicht vergessen, dass Deutschland dabei eine führende Rolle spielt. Zum Beispiel die Abschiebungen in so genannte sichere Herkunftsländer und Dritt-Staaten, das gab&#8217;s vorher in keinem anderen Land.<br />
Natürlich könnten wir auch in Paris oder irgendwo in der EU demonstrieren. Es gibt auch solche Aktionen und wir nehmen auch dran teil. Aber das ist immer eine Frage der Kapazitäten. Und die nationale und lokale Ebene bleibt auch wichtig. Der EU-Kontext macht die Arbeit vor Ort nicht überflüssig.</p>
<p>Interview: Felix W.</p>
<p>Klara Schönfeld ist 32 Jahre alt und antirassistisch aktiv in der „Chipkarten-Initiative“, die die de*fence-Kampagne ins Leben gerufen hat.</p>
<p class="alert"><strong>Demo für ein globales Recht auf Migration</strong><br />
Anlässlich des 15. Jahrestags der Abschaffung des Asylrechts findet am Samstag, den 5. Juli in Berlin eine Demonstration statt: 14 Uhr Schlossplatz (U/S-Bahn Alexanderplatz). Nach der Demo: Konzert. Mehr Infos: <a href="http://www.defence.de.be">www.defence.de.be</a></p>
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		</item>
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		<title>Infobox: Recht auf Asyl</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 12:13:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Migration und Antirassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2008]]></category>

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		<description><![CDATA[„Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“ So steht es im Grundgesetz. 1993 wurde jedoch der Paragraph 16a hinzugefügt. Seitdem können sich Menschen, die aus so genannten sicheren Dritt-Staaten einreisen, nicht mehr auf dieses Recht berufen. Da sämtliche Länder, die um Deutschland herum liegen, als sichere Dritt-Staaten gelten, ist es faktisch unmöglich, über den Landweg einzureisen. Die Anerkennungsquote [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“ So steht es im Grundgesetz. 1993 wurde jedoch der Paragraph 16a hinzugefügt. Seitdem können sich Menschen, die aus so genannten sicheren Dritt-Staaten einreisen, nicht mehr auf dieses Recht berufen. Da sämtliche Länder, die um Deutschland herum liegen, als sichere Dritt-Staaten gelten, ist es faktisch unmöglich, über den Landweg einzureisen. Die Anerkennungsquote ist dementsprechend gering: Im Jahr 2007 lag sie bei 1,1%, im Jahr zuvor bei 0,8%. Die absoluten Zahlen sind noch erschreckender, denn die Antragszahlen sind ebenfalls auf einem historischen Tiefstand: Weniger als 20.000 Menschen haben 2007 Asyl beantragt – so wenig, wie seit 30 Jahren nicht mehr.</p>
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		<title>Infobox: 30.August – Tag ohne Abschiebungen</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 12:12:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Migration und Antirassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2008]]></category>

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		<description><![CDATA[Der 30. August steht symbolisch für alle Opfer von Abschiebehaft und Abschiebungen. 1999 starb der Abschiebehäftling Rachid Sbaai in einer Arrestzelle der JVA Büren an einer Rauchvergiftung. Im Jahr 2000 stürzte sich der 28-jährige Mongole Altankhou Dagwasoundel bei dem Versuch, der Abschiebungshaft zu entfliehen, in den Tod. Schon 1983 hatte sich der türkische Asylbewerber Cemal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der 30. August steht symbolisch für alle Opfer von Abschiebehaft und Abschiebungen. 1999 starb der Abschiebehäftling Rachid Sbaai in einer Arrestzelle der JVA Büren an einer Rauchvergiftung. Im Jahr 2000 stürzte sich der 28-jährige Mongole Altankhou Dagwasoundel bei dem Versuch, der Abschiebungshaft zu entfliehen, in den Tod. Schon 1983 hatte sich der türkische Asylbewerber Cemal Kemal Altun aus Angst vor der Abschiebung aus dem Fenster des Verwaltungsgerichts Berlin zu Tode gestürzt, 1994 starb der Nigerianer Kola Bankole nach Gewalteinwirkung durch BGS-Beamte in der Lufthansa-Maschine, mit der er abgeschoben werden sollte.<br />
Deshalb sollen am 30. August wichtige Punkte des Abschiebesystems blockiert werden, um den Abschiebebetrieb zu stören: vor Abschiebeknästen genauso wie an Flughäfen, vor Flüchtlingslagern und Ausreisezentren, auf Ausländerbehörden und bei Dienstleistern und Profiteuren.<br />
Mehr Infos: <a href="http://www.aha-bueren.de">www.aha-bueren.de</a></p>
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		<title>Nationalismus – Was ist das eigentlich?</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 12:09:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nationalismus und Patriotismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2008]]></category>

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		<description><![CDATA[Nationalismus ist einer der umstrittensten Begriffe, der unterschiedlich aufgefasst und interpretiert wird. Die Meinung, dass der Patriotismus – im Gegensatz zum Nationalismus – Menschen anderer Nationen nicht hinabstufe und deshalb legitim sei, ist weit verbreitet. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, dass in der Aufwertung der einen Nation automatisch eine Abwertung der anderen Nationen im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nationalismus ist einer der umstrittensten Begriffe, der unterschiedlich aufgefasst und interpretiert wird. Die Meinung, dass der Patriotismus – im Gegensatz zum Nationalismus – Menschen anderer Nationen nicht hinabstufe und deshalb legitim sei, ist weit verbreitet. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, dass in der Aufwertung der einen Nation automatisch eine Abwertung der anderen Nationen im Verhältnis zur aufgewerteten Nation enthalten ist. Es ist also fragwürdig, ob Nationalismus und Patriotismus überhaupt klar voneinander abzugrenzen sind.</p>
<p><span id="more-75"></span></p>
<p><strong>Nationen sind unnatürlich</strong></p>
<p>Für manche beginnt Nationalismus bereits da, wo Menschen in verschiedene Nationen eingeteilt werden. Schließlich sind Nationen keine von der Natur gegebenen Gemeinschaften, sondern von Menschen gemachte Gebilde, die entstanden sind, sich ändern und verschwinden können. Die konkreten Folgen, die sich aus der Einteilung von Menschen in Nationen ergeben, werden zum Beispiel an der Flüchtlingspolitik deutlich, die Menschen auf Grund ihrer Nationalität aus einer Gesellschaft ausschließt. Die Abschaffung von nationalen Gebilden ist deshalb auch eine zentrale Forderung der Bewegung für die Rechte von Flüchtlingen.</p>
<p><strong>Im nationalen Boot</strong></p>
<p>Nationalismus ist aber nicht nur eine Abgrenzung nach außen, sondern auch ein Instrument, das soziale Ungleichheit verschleiert und damit bestehende Herrschaftsverhältnisse festigt: Da vergisst die Arbeiterin schon mal die letzte Lohnkürzung, der Arbeitslose vergisst Hartz IV und die Ehefrau vergisst die Schläge der letzten Nacht: Es sitzen schließlich alle – Herrschende wie Beherrschte &#8211; im großen nationalen Boot, in dem man zusammenhalten muss!</p>
<p><strong>Im schwarz-rot-goldenen Fahnenrausch</strong></p>
<p>Schöne Beispiele für „Nationalismus“ in Deutschland sind die Herren-Fußball-Weltmeisterschaft letztes Jahr oder die gerade wieder aufkeimende Deutschtümelei zur Europameisterschaft. Endlich dürfe man wieder stolz auf Deutschland sein.<br />
Zwar sind nicht alle, die beim Fußball für die deutsche – oder für irgendeine andere &#8211; Mannschaft halten, automatisch NationalistInnen, aber die häufige Begründung „Ich bin deutsch, also bin ich für die deutsche Mannschaft“ ist nationalistisch.<br />
Schließlich verbindet die meisten Deutschen nichts anderes mit der Fußballnationalmannschaft, als dass sie rein zufällig die gleiche Nationalität hat.</p>
<p>David W.</p>
<p>David (18) findet Fußball zwar gut, kann schwarz-rot-goldene Nationalfahnen aber nicht mehr sehen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Einfälle statt Abfälle</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 12:08:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sommer 2008]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt und Gentechnik]]></category>

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		<description><![CDATA[Containern gegen die Wegwerf-Gesellschaft
Nachts in der Großstadt: Bei den Mülltonnen hinter den Supermärkten rascheln nicht nur Waschbären und andere Kulturfolger, sondern immer häufiger auch Menschen, die dort nach Essbarem suchen. 

Sie möchten sich „ressourcenschonend“ ernähren oder „politisch vegan“, d.h. sie essen tierische Erzeugnisse nur, wenn sie diese nicht bezahlen, also deren Erzeugung nicht mitfinanzieren. Nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Containern gegen die Wegwerf-Gesellschaft</strong></p>
<p><em>Nachts in der Großstadt: Bei den Mülltonnen hinter den Supermärkten rascheln nicht nur Waschbären und andere Kulturfolger, sondern immer häufiger auch Menschen, die dort nach Essbarem suchen. </em></p>
<p><span id="more-74"></span></p>
<p>Sie möchten sich „ressourcenschonend“ ernähren oder „politisch vegan“, d.h. sie essen tierische Erzeugnisse nur, wenn sie diese nicht bezahlen, also deren Erzeugung nicht mitfinanzieren. Nach Ladenschluss werden sie häufig fündig: Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum nur manchmal abgelaufen ist oder Dinge, die aufgrund ihres Aussehens als unverkäuflich gelten, werden weggeschmissen. Dabei könnten sie eigentlich noch gut verwendet werden.<br />
Beim so genannten „Containern“ werden die Müllcontainer der Lebensmittelmärkte systematisch nach Verwertbarem durchsucht.  Das geht  in den Hinterhöfen der Einrichtungshäuser weiter: Oft sind einfach nur gute Einfälle für die deklarierten Abfälle gefragt, wenn zum Beispiel Teppiche mit Webfehlern mitgenommen werden oder fehlerhaft lackierte Stühle neu bemalt werden. Die „Dumpster Diver“ (dt.: „Mülltonnen-TaucherInnen“) möchten zum Einen Geld sparen, aber auch ein politisches Statement abgeben: Wenn eine Gesellschaft so viel wegwirft, nehmen wir uns, was übrig bleibt. Dabei sind die Nacht-Aktiven nicht unbedingt arm, und das stört viele HändlerInnen am Containern: Sie argumentieren, verwertbare Reste würden oft über die „Tafeln“ an Bedürftige verteilt. Hinzu komme, dass sich die Supermärkte strafbar machten, wenn sie verdorbene Ware zugänglich machen und nicht für deren Vernichtung sorgen. Diese Argumente müssen herhalten um zu rechtfertigen, dass immer mehr Geschäftsleitungen ihre Müllcontainer einzäunen.<br />
Der tatsächliche Grund für solche Maßnahmen ist wohl eher, dass die Marktleitung sich für die „Müllsuchenden“ vor ihrer Kundschaft schämt und Angst davor hat, ihre KundInnen zu verlieren. Dass in Deutschland ca. 8 &#8211; 10% der produzierten Lebensmittel weggeworfen werden, obwohl sie eigentlich noch gut verwertbar sind, interessiert sie nicht. Dagegen stehen fünf bis acht Millionen Menschen, die in Armut leben.<br />
Aber erreichen die „Dumpster Diver“ mit ihrer Art der Nahrungsbeschaffung mehr als dass sie persönlich den Konsumterror umschiffen? Sie agieren schließlich im Dunklen und weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Trotzdem ist es unglaublich, was alles weggeworfen wird. Und da sollte sich niemand die Freiheit nehmen lassen, sich zu holen, was noch gut zu gebrauchen ist!</p>
<p>Ani K.</p>
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		<title>Gequälte Tiere als Accessoires?</title>
		<link>http://www.jugendzeitung.net/tierrechte-und-antispeziesismus/gequalte-tiere-als-accessoires/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 12:06:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sommer 2008]]></category>
		<category><![CDATA[Tierbefreiung und Antispeziesismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch wenn es immer weniger Nerzmäntel zu kaufen gibt: Modeindustrie und DesignerInnen setzen weiterhin auf Pelze, denen viel Tierquälerei vorausgegangen ist. Der Trend geht neuerdings zu Echtpelz-Applikationen an Kapuzen, Hosen, Stiefeln oder Taschen. In Deutschland werden Felle verarbeitet, die nicht nur von Nerzen, Iltissen, Sumpfbibern, Füchsen oder Chinchillas stammen, sondern auch von Kälbern, Kaninchen, Fohlen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn es immer weniger Nerzmäntel zu kaufen gibt: Modeindustrie und DesignerInnen setzen weiterhin auf Pelze, denen viel Tierquälerei vorausgegangen ist. Der Trend geht neuerdings zu Echtpelz-Applikationen an Kapuzen, Hosen, Stiefeln oder Taschen. In Deutschland werden Felle verarbeitet, die nicht nur von Nerzen, Iltissen, Sumpfbibern, Füchsen oder Chinchillas stammen, sondern auch von Kälbern, Kaninchen, Fohlen und Rindern. Außerdem werden noch Daunen von Gänsen verarbeitet. Und das, obwohl sich die Mehrheit der Deutschen gegen die inzwischen veralteten Pelzmäntel ausspricht.</p>
<p><span id="more-73"></span><br />
Doch wie kommen die Menschen darauf, dass der Pelz, den sie selbst tragen weniger grausam „produziert“ wurde? Die Antwort lautet: Pelz aus „kontrolliertem Anbau“. Das ist die neue Strategie der „Pelzindustrie“. Für diese Tierfelle werden die Tiere angeblich nicht unnötig gequält.<br />
Doch wer überprüft, ob es den Tieren wenigstens halbwegs gut geht? Eigentlich ist dies die Aufgabe der Veterinärämter, die auch vorgeben mehrmals im Jahr alle Betriebe zu kontrollieren. Es gibt jedoch keine konkreten Haltungsvorschriften für die Tiere. Deshalb ist auch nicht wirklich klar, wo die Privattierhaltung aufhört und der Gewerbebetrieb anfängt. Da Privattierhaltungen nicht überprüft werden müssen und diese 99% der Tierfellzuchtbetriebe ausmachen, kann also niemand garantieren, dass der Pelz wirklich aus „artgerechter Haltung“ kommt.<br />
Zur Zeit gibt es noch ca. 30 Pelzfarmen in Deutschland. Dort leben Nerze, Iltisse, Sumpfbiber, Füchse und Chinchillas in einheitlichen Käfigsystemen. Die Lebensbedingungen sind für die Tiere natürlich nicht „artgerecht“: Sie leben in ihrem Kot und Urin und werden von Futterbrei ernährt. Dies widerspricht der Lebensweise der Beutetiere. Die Haltung in den viel zu kleinen Käfigen führt außerdem zu Verhaltensstörungen wie permanentem Hin- und Herlaufen im Käfig oder Kannibalismus.<br />
Die grausame Tötung in Form von Vergasung durch Kohlenmonoxid, analem Elektroschock oder Genickbruch erfolgt, wenn die Tiere sechs bis sieben Monate alt sind. In dieser Situation führen die Tiere lange Todeskämpfe, da die Tötung nicht einmal in Anwesenheit eines Veterinärs geschieht, sondern unter Ausschluss der Öffentlichkeit.<br />
Um möglichst großen Profit aus den Tieren zu schlagen, sind diese nicht nur Pelzlieferanten: die Tierleichen werden unter anderem in Tierfutter und Kosmetik weiterverwendet.</p>
<p>Maren W.</p>
<p>Dieser Artikel basiert auf einem Interview des Verbandsmagazins Tierrechte 3.06. von „Menschen für Tierrechte“ mit dem Agrarwissenschaftler und ausgewiesenen Tierrechts-Experten Dr. Edmund Haferbeck</p>
<p>Maren ist Abiturientin und in der Antifa aktiv. Außerdem lebt sie vegan.</p>
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		<title>Ich will den Kapitalismus lieben &#8211; Aber ich schaff es einfach nicht.</title>
		<link>http://www.jugendzeitung.net/wirtschaft-und-soziales/ich-will-den-kapitalismus-lieben-aber-ich-schaff-es-einfach-nicht/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 12:04:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sommer 2008]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft und Soziales]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass Klimawandel, Hunger und Kriege wichtige Probleme sind, ist unumstritten. Eine Analyse und Kritik des Kapitalismus ist trotzdem – oder besser: gerade deswegen – dringend notwendig, da der Kapitalismus mit all diesen Problemen etwas zu tun hat, zum Teil sogar die Ursache dafür ist.

Was ist Kapitalismus?

Als Kapitalismus bezeichnet man das heute auf der Welt vorherrschende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass Klimawandel, Hunger und Kriege wichtige Probleme sind, ist unumstritten. Eine Analyse und Kritik des Kapitalismus ist trotzdem – oder besser: gerade deswegen – dringend notwendig, da der Kapitalismus mit all diesen Problemen etwas zu tun hat, zum Teil sogar die Ursache dafür ist.</p>
<p><span id="more-72"></span></p>
<p class="MsoNormal"><strong>Was ist Kapitalismus?</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Als Kapitalismus bezeichnet man das heute auf der Welt vorherrschende Wirtschaftssystem. Hauptmerkmal des Kapitalismus ist das Privateigentum an Produktionsmitteln. Produktionsmittel sind alles, was man zum Herstellen von Waren braucht, also Werkzeuge, Maschinen, Computer, Fabriken, Grund und Boden und vieles mehr. Diese Produktionsmittel gehören einigen Menschen, den so genannten KapitalistInnen, die Karl Marx, einer der bekanntesten Kapitalismuskritiker, als „Bourgeoisie“ (Bürgertum) bezeichnet hat.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Dem gegenüber stehen die Menschen, die keine bzw. nicht genug Produktionsmittel besitzen, die so genannte ArbeiterInnenklasse, das Proletariat. Da diese Menschen trotzdem etwas zum Leben brauchen, sind sie gezwungen gegen einen Lohn bei KapitalistInnen zu arbeiten („Arbeitszwang“). Marx würde sagen: Sie müssen ihre Arbeitskraft verkaufen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die verschiedenen KapitalistInnen stehen meistens in Konkurrenz zueinander, und sind dadurch gezwungen möglichst viel Gewinn zu machen („Profitmaximierung“). Wenn eine Kapitalistin sich denkt „ich mache ab sofort keinen Gewinn mehr, und verteile mein Geld gerecht an alle ArbeiterInnen“, dann dauert es wahrscheinlich nicht lange, bis das Unternehmen pleite geht, weil gleichzeitig die Produktionsprozesse weitergehen und andere KapitalistInnen ihren Gewinn in neues Kapital, also in noch mehr Maschinen und Fabriken, investieren. Sie häufen Kapital an („Akkumulation“), und verdrängen damit weniger profitable Unternehmen vom Markt.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Es sind folglich nicht alle KapitalistInnen „böse“ Menschen, sie sind vielmehr meistens durch das System gezwungen, ihre ArbeiterInnen auszubeuten. Das funktioniert, indem sie die Produkte, die die ArbeiterInnen produzieren, verkaufen; den Erlös aus diesen Produkten aber nicht komplett den ArbeiterInnen geben, sondern einen Teil für sich behalten, um ihn danach teilweise neu anzulegen. Marx hat diesen Teil als „Mehrwert“ bezeichnet.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>Der Kapitalismus und seine Folgen</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Eins muss man dem Kapitalismus lassen: Konkurrenz belebt das Geschäft. Manchmal zumindest. Sie kann dazu motivieren, effizient zu produzieren oder neue Technologien zu entwickeln.</p>
<p class="MsoNormal">In vielen Fällen erweist sich Konkurrenz jedoch auch als sehr ineffektiv: Das zeigt sich beispielsweise bei der Nahrungsmittelvernichtung (siehe “Einfälle statt Abfälle“ auf Seite 3) oder bei Werbung, die Unmengen Geld verschlingt, aber oft <span> </span>KonsumentInnen einfach nur täuscht. Bei der Entwicklung und Benutzung von Technologien ist Kooperation, also Zusammenarbeit, meistens sinnvoller als Konkurrenz.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Profitorientierung, die der Kapitalismus hervorbringt, kann in vielen Fällen als Ursache von Umweltzerstörung gesehen werden: Solange Unternehmen nicht vom Staat, den KonsumentInnen oder durch Aktionen zivilen Ungehorsams daran gehindert werden, die Natur zu ver- und missbrauchen, nehmen sie auf die Umwelt keine Rücksicht. Außerdem: Auch bei Kriegen geht es oft um kapitalistische Wirtschaftsinteressen, was inzwischen von offizieller Seite gar nicht mehr bestritten wird.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Diese Beispiele zeigen deutlich, dass der Kapitalismus unzählige Folgen hat, <span> </span>unser tagtägliches Leben in oft negativer Weise beeinflusst. Seit es den Kapitalismus gibt, wurden deshalb alternative Konzepte verschiedenster Art entwickelt.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>Die Alternativen</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Während die einen den Kapitalismus lediglich durch staatliche Maßnahmen (Auflagen, Verbote, Steuern usw.) „bändigen“ wollen, fordern andere die Überwindung des Kapitalismus. Sie setzen dem Kapitalismus eine Vision einer solidarischen Gesellschaft entgegen, die wahlweise als Sozialismus, Kommunismus oder Anarchismus bezeichnet werden kann.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Oft wird behauptet, dass der so genannte „Realsozialismus“ (also die Staatsform der Sowjetunion) gezeigt habe, solche nichtkapitalistischen Gesellschaftsformen könnten nicht demokratisch sein. Was Kapitalismus mit Demokratie zu tun hat, erscheint dabei jedoch fraglich: Was wie produziert wird, bestimmen im Kapitalismus diejenigen, die Kapital besitzen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><em>Mehr Infos: <a href="http://www.kapitalismuskritik.info">www.kapitalismuskritik.info</a></em></p>
<p class="MsoNormal"><em> </em></p>
<p class="MsoNormal"><em>David W. (18) findet Kapitalismus doof.</em></p>
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