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	<title>Utopia &#124; Jugendzeitung für eine herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft &#187; Ideenliebe</title>
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		<title>Gesicht zeigen gegen Malaria!</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Mar 2009 19:21:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>felix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Globalisierung und Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Ideenliebe]]></category>
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Was sich für die meisten europäischen Touristinnen und Touristen mit einem Krankenhausbesuch erledigt, endet jährlich für über eine Millionen Menschen in Afrika tödlich. Malaria trifft die Ärmsten am stärksten. Dabei könnte die Krankheit wirkungsvoll bekämpft werden. Dafür setzt sich die Kampagne „STOP MALARIA NOW!“ ein.

Der Kampf gegen den von bestimmten Stechmücken übertragbaren Malaria-Erreger erweist [...]]]></description>
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<p class="MsoNormal"><strong>Was sich für die meisten europäischen Touristinnen und Touristen mit einem Krankenhausbesuch erledigt, endet jährlich für über eine Millionen Menschen in Afrika tödlich. Malaria trifft die Ärmsten am stärksten. Dabei könnte die Krankheit wirkungsvoll bekämpft werden. Dafür setzt sich die Kampagne „STOP MALARIA NOW!“ ein.</strong><span id="more-542"></span></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Der Kampf gegen den von bestimmten Stechmücken übertragbaren Malaria-Erreger erweist sich schwieriger als vor einigen Jahren gedacht. Gegen den Wirkstoff Chloroquin, der zwischenzeitlich relativ günstig zu erhalten war, sind die Malaria-Erreger in weiten Teilen Afrikas resistent. Das bedeutet, dass sich die Erreger so entwickelt haben, dass ihnen das Medikament nichts mehr anhaben kann. Chloroquin ist wirkungslos geworden.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.stopmalarianow.org/fileadmin/user_upload/Pressematerial/Malaria-Verbreitungsgebiete_WMR2005prev.jpg"><span class="Internetlink"><img class="aligncenter size-full wp-image-543" title="malaria1" src="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2009/03/malaria1.jpg" alt="malaria1" width="300" height="185" /></span></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><em>Arme Regionen sind besonders stark von Malaria betroffen. Grafik: World Malaria Report, 2005 </em></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt deshalb die Behandlung mit Medikamenten, die auf einem Heilkraut basieren, das in erster Linie in Asien angebaut wird. Durch die Monopolstellung kann der Pharmakonzerns Novartis den Wirkstoff sehr teuer verkaufen. Für die meisten Menschen ist er dadurch jedoch unerschwinglich. Aber es gibt Lichtblicke: 2007 brachte die Non-Profit-Organisation DNDi zusammen mit dem Pharmakonzern Sanofi-Aventis ein patentfreies Medikament auf den Markt, das jedoch immer noch ungefähr 40 bis 80 Eurocent pro Dosis kosten sollte. Der Verzicht auf die Patentierung ermöglicht es Forscherinnen, Forschern und anderen Unternehmen außerdem, das Medikament weiterzuentwickeln.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Ein ähnliches Projekt hat die deutsche Gesundheitsorganisation action medeor in Angriff genommen. In Zusammenarbeit mit einer englischen Muttergesellschaft und der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (gtz) von der deutschen Bundesregierung unterstützt sie in Ostafrika den Anbau und die Weiterverarbeitung der Heilpflanze. Eine Dosis soll später weniger als 50 Eurocent kosten.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.stopmalarianow.org/fileadmin/user_upload/Pressematerial/Artemisia_Tansaniaprev.jpg"><em><span style="color: windowtext;" lang="X-NONE"><img class="aligncenter size-full wp-image-544" title="Tansania 11/06" src="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2009/03/malaria2.jpg" alt="Tansania 11/06" width="300" height="200" /></span></em></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><em><span lang="X-NONE">Die Pflanze Artemisia annua (chinesischer Beifuß) bildet die Grundlage für die zur Zeit effektivsten Mittel zur Behandlung von Malaria. Foto: Birgit Betzelt/action medeor</span></em></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Um das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen und die Regierungen zu drängen, in den Kampf gegen Malaria zu investieren, hat action medeor zusammen mit acht weiteren Hilfsorganisationen aus Afrika und Europa die Kampagne „STOP MALARIA NOW!“ ins Leben gerufen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Kampagne setzt sich ein für „eine effiziente Infrastruktur im Gesundheitswesen der am meisten von Malaria betroffenen Länder sowie den Anbau und die Produktion wirkungsvoller Heilmittel vor Ort“. Die deutsche Bundesregierung wird beispielsweise aufgefordert, ihre Selbstverpflichtung einzuhalten, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen. Außerdem soll sie die Einrichtung eines „Globalen Fonds für Forschung und Entwicklung“ unterstützen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.stopmalarianow.org/fileadmin/user_upload/Pressematerial/Erkranktes_Kind_Nyassa-Tansaniaprev.jpg"><span class="Internetlink"><img class="aligncenter size-full wp-image-545" title="malaria3" src="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2009/03/malaria3.jpg" alt="malaria3" width="300" height="199" /></span></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><em>Malaria ist besonders gefährlich für Kinder. Dieses Kind aus Tansania kann noch rechtzeitig behandelt werden. </em><em><span lang="X-NONE">Foto: Birgit Betzelt/action medeor</span></em><em><span lang="X-NONE"> </span></em></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Um das Thema stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, sucht die Kampagne ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Veranstaltungen organisieren und andere über Malaria und den Kampf dagegen informieren. Außerdem besteht die Möglichkeit auf der Homepage von „STOP MALARIA NOW!“ mit einem Foto „Gesicht zu zeigen“.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><em>David W.</em></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Mehr Informationen: <a href="http://www.stopmalarianow.org/"><span class="Internetlink">http://www.stopmalarianow.org</span></a></p>
<p class="MsoNormal">
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		<title>Piraterie im Regenwald</title>
		<link>http://www.jugendzeitung.net/umwelt-und-gentechnik/piraterie-im-regenwald/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Dec 2008 16:21:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>felix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ideenliebe]]></category>
		<category><![CDATA[Online Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt und Gentechnik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft und Soziales]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie transnationale Konzerne Wissen und genetische Ressourcen plündern: Viele Leute leiden unter Hausstaubmilben-Allergie. Was für ein Glück, dass aus den Laboren der deutschen Arzneimittelfirma Hexal jetzt ein ganz neues Produkt auf den Markt gekommen ist: Ein Spray, das, einmal auf Kissen und Decken gesprüht, die Milben aus dem Bett vertreibt. In jahrelanger Forschung haben die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie transnationale Konzerne Wissen und genetische Ressourcen plündern: Viele Leute leiden unter Hausstaubmilben-Allergie. Was für ein Glück, dass aus den Laboren der deutschen Arzneimittelfirma Hexal jetzt ein ganz neues Produkt auf den Markt gekommen ist: Ein Spray, das, einmal auf Kissen und Decken gesprüht, die Milben aus dem Bett vertreibt. <span id="more-173"></span>In jahrelanger Forschung haben die Expert_innen erkannt, dass aus bestimmten Extrakten des in Indien beheimateten Neem-Baumes ein Mittel herstellbar ist, dass die kleinen Milben gar nicht gut riechen können. Hexal ist natürlich nicht die einzige Firma, die in diese Richtung Forschung betreibt.</p>
<p>Moment mal. Wie kommen die Forscher_innen denn darauf, plötzlich auszuprobieren, ob ein indischer Baum gegen europäische Hausmilben wirkt?<br />
Die Antwort lautet: dank intensiver Bioprospektion. Dieser Begriff meint das Sammeln und Testen von biologischem Material auf mögliche Verwendungsarten. In der Praxis sieht das häufig so aus: Forschungsteams aus Unis und Unternehmen, meist finanziert von großen Konzernen, reisen in Gegenden, in denen noch mehr Artenvielfalt („Biodiversität“) zu finden ist als z.B. in Deutschland. Da landen sie dann meist in Ländern des globalen Südens, wo weite Teile der Erdoberfläche noch von Regenwald oder ähnlichen „Megadiversitätszentren“ bedeckt sind. Die Teams suchen und sammeln eigentlich Pflanzen. Ganz wichtig ist aber auch der Kontakt, den sie zur lokalen Bevölkerung aufbauen. Im Urwald kennt die sich nämlich meist besser aus als die Wissenschaftler_innen. Vor allem die traditionellen Heiler_innen wissen, welche Pflanze wie angewendet werden muss, um gegen bestimmte Krankheiten zu wirken. Sie haben also genau das Wissen, das die Expeditionsteams brauchen.<br />
Bei der Rückkehr in ihr Herkunftsland können sich die Teams oft über prallgefüllte Koffer mit biologischem Material sowie über einen reichen Wissensschatz freuen, den ihnen die Lokalbevölkerung gegeben hat.<br />
Ebenso war es beim Neembaum. Dieser wird in Indien seit Jahrhunderten als „Wunderbaum“ verehrt. Die Menschen gewinnen aus ihm biologische Düngemittel, um ihr Land fruchtbar zu machen, und vorwiegend aus dem Öl seiner Samen auch Heilmittel gegen viele Krankheiten. Von Generation zu Generation wurde das Wissen um seine heilende Wirkung weitergegeben. So konnten beispielsweise die Extraktionsverfahren für das Neembaum-Samenöl immer weiter verbessert werden. Alle wurden am Wissen beteiligt; durch den regen Austausch untereinander konnte ein Vorteil für alle geschaffen werden. Mitte der 1980er-Jahre führten US-amerikanische Firmen Bioprospektionsreisen in Indien durch. Dort lernten sie den Neembaum und seine vielen Verwendungsmöglichkeiten kennen.</p>
<p>Sogleich ließen US-amerikanische, japanische und europäische Konzerne sich Heilanwendungen mit Neembaum-Samenöl patentieren – obwohl sie selbst überhaupt nichts dazu getan hatten. Ein Patent wird normalerweise nur auf neue Erfindungen gegeben. Dass das Wissen um die Heilkraft des Neembaums seit Jahrhunderten in Indien bekannt ist, störte aber niemanden, da die Pflanze für die westlich geprägte Welt ja gerade erst „entdeckt“ worden war. Die plötzliche Nachfrage nach Produkten aus Neem führte dazu, dass in Indien uralter Mischwald gerodet werden musste, um Neembaumplantagen anzulegen. Außerdem wurden die Samen teurer. In der Folge konnten sich plötzlich die indischen kleinbäuerlichen Betriebe die Samen nicht mehr leisten. Sie waren somit gezwungen, sich als abhängige Rohstofflieferanten in die Produktionskette einzureihen und sie konnten ihre eigenen selbstversorgenden Betriebe nicht mehr halten. Die Patentierung und Produktion von Arzneimitteln aus Neemöl führten also zu Zerstörung alter Lebensweisen und Gesellschaftsstrukturen, verringerten die genetische Vielfalt durch einseitige Landwirtschaft und machten die Bäuerinnen und Bauern von großen Konzernen abhängig. Und das, obwohl die Firmen ohne die Hilfe der Bäuerinnen und Bauern nie von den Verwendungsmöglichkeiten der Neembaumprodukte erfahren hätten.</p>
<p>Aufgrund dieser vielen negativen Aspekte, die fast immer mit Bioprospektionsprojekten einhergehen, sprechen manche hier auch von „Biopiraterie“. Dieser Begriff meint die Aneignung von genetischen Ressourcen und jahrhundertealtem, überliefertem Wissen. Private Unternehmen, aber auch öffentliche Institutionen bedienen sich nicht nur an der natürlichen Vielfalt, sondern sie nutzen auch das Wissen der Bevölkerung durch Rechte auf „geistiges Eigentum“ und durch Patente &#8211; hier jedoch nicht auf Erfindungen, sondern auf Angeeignetes. Von Piraterie wird gesprochen, weil die Bevölkerung grundsätzlich nicht an Gewinnen beteiligt wird. Wie auch beim Beispiel des Neembaumes entstehen ihr durch die Weitergabe des Wissens sogar Nachteile.</p>
<p>Dass kostenlose Wissensweitergabe enorme Vorteile hat, wird ersichtlich aus den vielen Weiterentwicklungen, die nur aufgrund von offenem Dialog zwischen Menschen überhaupt möglich geworden sind und uns jetzt den Alltag erleichtern. Dass Wissen überhaupt zur Ware gemacht wird, hat also nur einen Grund: Die Vermehrung des Vermögens einiger weniger &#8211; auf Kosten vieler anderer. Die Beanspruchung von Ideen und Wissen ist meist äußerst kontraproduktiv und hemmt die Forschung durch fehlenden Austausch. Dieser Einsicht soll mit dem Argument der „Wettbewerbsförderung“ Einhalt geboten werden. Es müssten finanzielle Anreize geschaffen werden, um Forschung attraktiv zu machen. Letzten Endes profitieren von den Forschungsergebnissen aber nicht die Wissenschaftler_innen selbst, sondern nur die großen Unternehmen, die die Produkte vermarkten. Somit wäre eine Zahlung von Prämien für neue Forschungsergebnisse oder direkt eine öffentliche Finanzierung der Wissenschaft sicherlich ergiebiger. Außerdem könnte so mehr kontrolliert werden, unter welchen Bedingungen überhaupt geforscht wird und wer wirklich Anteil an den neuen Erkenntnissen hat – beziehungsweise ob diese überhaupt so „neu“ sind, wie sie angepriesen werden.</p>
<p><strong>Ani K</strong>.</p>
<p>Dieser Artikel erscheint in unserer utopia-Themenreihe „Ideenliebe“. Mehr Informationen zur Themenreihe findest du hier: Artikel: „<a href="http://www.jugendzeitung.net/news/neuer-schwerpunkt-wer-ideen-liebt/">Neuer Schwerpunkt: Wer Ideen liebt…</a>“</p>
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		<title>Neuer Schwerpunkt: Wer Ideen liebt&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Nov 2008 22:14:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>felix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung und Erziehung]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8230;sperrt sie nicht ein! Wie der Bundesverband der Deutschen Industrie Jugendlichen Angst vor freiem Wissen machen will.

„Wusstest du, dass Ideenklau Diebstahl ist?“ Die Internetseite www.ideenliebe.de richtet sich an Jugendliche. Sie sieht aus wie ein Schulschreibtisch, beinhaltet kurze, verständliche Texte und ist dynamisch, aber nicht hektisch. Hier wirbt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) für mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8230;sperrt sie nicht ein! Wie der Bundesverband der Deutschen Industrie Jugendlichen Angst vor freiem Wissen machen will.</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">„Wusstest du, dass Ideenklau Diebstahl ist?“<span id="more-154"></span> Die Internetseite <a href="http://www.ideenliebe.de/">www.ideenliebe.de</a> richtet sich an Jugendliche. Sie sieht aus wie ein Schulschreibtisch, beinhaltet kurze, verständliche Texte und ist dynamisch, aber nicht hektisch. Hier wirbt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) für mehr Schutz des geistigen Eigentums. Nur wenn Wissen geschützt sei, gebe es neue Erfindungen.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><strong>Öffentlichkeitsarbeit für die Ideologie vom geistigen Eigentum</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Dass die Industrie verzweifelt versucht, Menschen für ihre Ideologie zu gewinnen, ist nicht neu. Der Slogan „Raubkopierer sind Verbrecher“ hat sich bereits in vielen Köpfen festgesetzt, die Pharma-Unternehmen haben eine große Werbekampagne für Medikamenten-Patente gefahren unter dem Motto „Forschung ist die beste Medizin“. Nun gelangen speziell Jugendliche ins Visier der PR-Strategen aus der Industrie.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Bereits seit dem 25. April – dem Tag zum Schutz des geistigen Eigentums – läuft der neue Schülerwettbewerb vom BDI, seit kurzem mit Unterstützung der Schülerzeitung „Spiesser“. Schülerinnen und Schüler aus den Klassen acht bis zehn sind aufgerufen, Ideen zu entwickeln, wie unter Jugendlichen noch stärker für den Schutz geistigen Eigentums geworben werden kann. „Wie geht es Euch damit, wenn jemand Eure Ideen kopiert? Warum ist das Original immer besser als die Kopie? Wie könnte man Ideen schützen? Warum ist es Eurer Meinung nach so wichtig, die Ideen anderer zu respektieren?“</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><strong>Andere Positionen werden verschwiegen</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Auf der Internetseite wird durchgehend ignoriert, dass das Thema politisch durchaus umstritten ist. Kein Wort darüber, dass täglich Menschen an Krankheiten sterben, die mit Medikamenten geheilt werden könnten, die patentiert sind. Kein Wort darüber, dass von geistigen Monopolrechten in erster Linie die Großindustrie profitiert und nicht die Erfinder. Kein Wort darüber, dass Menschen aus ganz unterschiedlicher Motivation Texte schreiben, Krankheiten erforschen oder Computerprogramme entwickeln. Kein Wort darüber, dass die meisten Erfindungen, von denen wir heute profitieren, darauf basieren, dass Menschen zusammen gearbeitet haben, voneinender abgeguckt und gelernt haben.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">In den Köpfen der Jugendlichen soll sich nur eine Theorie festsetzen: Wenn Wissen frei verfügbar ist, legen sich alle Erfinder auf die faule Haut, die Wirtschaft geht zu Grunde, neue Entwicklungen bleiben aus. „Dann gibt es weniger technische Neuheiten, wichtige Medikamente oder neue Computer- und Videospiele.“ Die Horrorvision wird jugendgerecht ausgemalt.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><strong>Werbung jugendgerecht verpackt</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Auf der Website werden Geschichten von Jugendlichen erzählt, die von geistigen Eigentumsrechten profitieren können – sei es die Urheberschaft, das Markenzeichen, das Design oder das Patent. Kurze Erzählungen aus dem Alltagsleben von Jugendlichen. Besonders absurd: Die Beispiele sollen zwar geistige Eigentumsrechte in einem guten Licht erscheinen lassen, tatsächlich treten sie aber zugleich den Gegenbeweis an. Denn alle Beispiele belegen, dass Kreativität und Ideenvielfalt nicht vom großem Reibach abhängen, den man hinterher damit machen kann.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Nehmen wir die Fahrrad-Alarmanlage. Die Geschichte über die Schutzbedürftigkeit von Patenten beginnt so: „Schon zum dritten Mal haben sie Dein Fahrrad geklaut. Wieder musst Du ein neues kaufen. Das geht ins Geld! Aber ohne Rad läuft nichts, wenn Du Dich abends oder am Wochenende mit Deinen Kumpeln treffen willst. Irgendwie muss man Fahrräder doch besser sichern können. Dann hast Du eine Idee.“ Am Ende steht eine Alarmanlage, die Warnungen direkt aufs Handy schickt. Eine tolle Idee, nur leider will uns die Geschichte nicht verraten, warum darauf ein Patent angemeldet werden sollte. Die Person brauchte offensichtlich keinen finanziellen Anreiz, die Neugierde hat völlig ausgereicht, um die neuartige Alarmanlage zu entwickeln.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><strong>Zum Wohle der Wirtschaft und der Nation</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Patenten fehlt, stattdessen wird auf eine Info-Seite verwiesen, auf der man erfährt, was ein Patent ist, wie man es erhält und wie lange es gilt. Und immer geht es darum, dass die Leserin oder der Leser ein Patent anmeldet. Dass es eigentlich um etwas anderes geht, findet man nur, wenn man alle Texte genau durchliest: Es geht um die Profite der Industrie.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">„Stell Dir das mal vor: Deutschland ohne Ideen! Das würde unsere Wirtschaft ganz schön aus dem Gleichgewicht bringen.“ Und weil so eine Wirtschaftshudelei noch nicht ausreicht, wird zum Schluss noch das Standortargument aus der Mottenkiste gekramt: „Anders als andere Länder haben wir nicht genügend nachwachsende Rohstoffe wie zum Beispiel Erdöl oder Kohle, die wir weltweit verkaufen können. Deswegen leben deutsche Unternehmen vor allem von Ideen, Qualitätsmarken und Patenten, die sie auch erfolgreich ins Ausland verkaufen.“ Na, dann mal: Guten Export!</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><em>Felix W.</em></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
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