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	<title>Utopia &#124; Jugendzeitung für eine herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft &#187; Sexismus und Geschlechterverhältnisse</title>
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	<description>herrschaftslos, gewaltfrei</description>
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		<title>Grausame Rituale</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 17:58:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>david</dc:creator>
				<category><![CDATA[Herbst 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus und Geschlechterverhältnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein verqueerer Blick auf Genitalverstümmelung

Dieser Text behandelt FGM (genitale Verstümmelung an Frauen*), da es  in Zusammenhang mit dieser Thematik zu schweren Traumatisierung kommt  möchte ich hier ausdrücklich eine Trigger-Warnung äußern!

Genitale Verstümmelung an Frauen*, auch FGM (Female Genital Mutilation) genannt, ist ein immer noch weit verbreitetes Phänomen in Afrika und im Zuge der Migration [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein verqueerer Blick auf Genitalverstümmelung</strong></p>
<p><span id="more-2122"></span><br />
<strong>Dieser Text behandelt FGM (genitale Verstümmelung an Frauen*), da es  in Zusammenhang mit dieser Thematik zu schweren Traumatisierung kommt  möchte ich hier ausdrücklich eine Trigger-Warnung äußern!</strong></p>
<p><strong></strong><br />
Genitale Verstümmelung an Frauen*, auch FGM (Female Genital Mutilation) genannt, ist ein immer noch weit verbreitetes Phänomen in Afrika und im Zuge der Migration auch in Europa. FGM existiert in verschiedenen Formen, von simpleren Eingriffen bis zur grausamen Praxis der Infibulation.<br />
Die WHO unterscheidet vier Formen, wobei die letzte Form als &#8220;unklassifiziert&#8221; beschrieben ist (vgl. UNICEF 2005: 1). Eine überwiegende Anzahl fällt in Kategorie 1, bei dieser wird die Klitorisvorhaut entfernt und die Klitoris gekürzt, entfernt oder gar nicht verstümmelt (vgl. UNICEF 2005: 15), wobei starke regionale Unterschiede zu beachten sind. Bei der Infibulation wird zusätzlich die Vaginalöffnung zugenäht und nur ein kleines Loch gelassen, durch welches Urin und die Menstruation lediglich tröpfchenweise und mit qualvollen Schmerzen für die Frauen* dringen können. Die Infibulationsrate liegt in den meisten Ländern bei unter 10 Prozent, im Nordsudan liegt sie bei über 70 Prozent (vgl. UNICEF 2005: 15). Es sollte unnötig sein auf die Grausamkeit, das Leiden und die Komplikationen hinweisen zu müssen, welche aus dieser Praxis folgen.<br />
Es ist vor eine Überheblichkeit auf Basis angeblicher „Zivilisation“ gegenüber dem Phänomen FGM zu warnen. Mittlerweile sind Schönheitsoperationen, welche bei enger Betrachtung unter FGM fallen würden, in Europa und den USA üblich (hierbei ist jedoch der bedeutende Unterschied zu beachten, dass diese nicht an Minderjährigen gegen ihren Willen durchgeführt werden). Zudem waren genitale Verstümmelungen an Frauen* im 19. Jahrhundert ein als medizinisch propagiertes Mittel gegen Masturbation, Hysterie und weitere damalige &#8220;Krankheitsmuster&#8221;.<br />
In den Ländern, wo in denen traditionell FGM praktiziert wird, gibt es unterschiedliche Rechtfertigungen dafür. Sie decken ein weites Feld ab von Reinheit über erhöhte Fruchtbarkeit zu einer Minderung der Lust der Frau* (für eine genauere Aufschlüsselung siehe UNICEF 2005: 17). Bereits an diesen Argumenten wird der patriarchale Hintergrund der Verstümmelungen klar, noch deutlicher wird es er an Statistiken, denen zufolge Frauen* die FGM befürworten in höherem Maße akzeptant gegenüber dem Schlagen der Ehefrau sind (vgl. UNICEF 2005: 23 ff.).<br />
Ein Argumentationsmuster ist jedoch besonders aus queerer Sicht interessant:<br />
Die Klitoris wird mit dem Penis identifiziert. Die Verstümmelung erfüllt also den Zweck der Verdeutlichung der Existenz als Frau. Auch die männliche* Beschneidung, die in allen Ländern, in denen FGM vorkommt, standardmäßig durchgeführt wird, erfüllt eine derartige Rolle. In der Tat wird die Vorhaut des Penis&#8217; mit den Schamlippen identifiziert!<br />
Sowohl die weibliche* Genitalverstümmelung als auch die männliche* Beschneidung dienen also dazu, die Personen einem klaren Geschlecht zu unterwerfen in das sie nicht (ausschließlich) geboren sind! (1)<br />
Selbst wenn die Genitalverstümmelung nicht durch die Entfernung des anderen Geschlechts in der Person gerechtfertigt wird, dient sie doch dazu Geschlecht weiter zu tradieren, an die nächste Generation weiterzugeben. Die FGM ist ein Ritual, an dem fast ausschließlich Frauen* beteiligt sind. Die traditionellen &#8220;Beschneiderinnen&#8221; sind meist Frauen*. Allerdings ist ein Trend besonders in der städtischen Bevölkerung zu beobachten, dass Verstümmelung durch medizinisch geschultes Personal durchgeführt wird (vgl. UNICEF 2005: 13). Oft ist die Verstümmelung eine Art der Initiation, der Einführung in die Gesellschaft der Frauen*. Dadurch und die scheinbare Garantie der &#8220;Reinheit&#8221; wird sie auch eine Bedingung für die (oft lebensnotwendige) Heirat.<br />
Ähnlich verhält es sich mit der Beschneidung des Penis. Hier sollte unbedingt herausgestrichen werden, dass die Entfernung der Vorhaut des Penis‘ mit den üblichen genitalen Verstümmelungen von Frauen* NICHT in Hinsicht von auf Leid und Folgen verglichen werden kann. In den allermeisten Fällen wird der sichtbare Teil der Klitoris abgeschnitten; dies entspricht in keinster Weise der Entfernung der Penisvorhaut, eher noch der Entfernung der Eichel. Dennoch ist die Beschneidung des Penis‘ ein Eingriff in die persönliche Integrität einer Person, die sie einem Geschlecht zumeist rituell zuordnet.(2)<br />
Trotzdem ist vor einer undifferenzierten Gleichstellung mit der Verstümmelung an Frauen* noch einmal ausdrücklich zu warnen. Im Gegensatz zur FGM, die häufig schwerwiegende Komplikationen nach sich zieht, kann die Beschneidung am Penis die Gefahr von bestimmten Krankheiten (insbesondere die Ansteckungsgefahr von HIV) verringern. Die Frage, ob dies zu einer generellen Beschneidungsroutine argumentativ genügt, ist stark umstritten; schließlich können verschiedenartige Komplikationen erfolgen. Auch die Frage des sexuellen Lustempfindens ist nicht derart einfach zu klären. Bei der FGM ist zweifelsfrei geklärt, dass sie das Lustempfinden stört, es ist sogar eine dafür vorgebrachte Begründung. Bei der Entfernung der Penisvorhaut ist zu beachten, dass die Vorhaut üblicherweise zur Masturbation dient, hier ist eine lustfeindliche Komponente also durchaus zu vermuten.<br />
Eine queere Sicht ermöglicht einen neuen Ansatzpunkt gegen die rituelle Verstümmelung an Frauen*, nicht mehr nur die direkten medizinischen Folgen geraten ins Bild, sondern das Ritual und die Frauwerdung als solche. Die gleiche Perspektive gilt (aber unter Beachtung der enormen Unterschiede!) für die Beschneidung des Penis‘. Diese ist oftmals noch ein gesellschaftliches Tabu.<br />
Zu guter Letzt kann darauf hingewiesen werden, dass durch die Umkehr des Rituals eine Möglichkeit für queere Performance entsteht, in deren Rahmen die Klitoris als Penis und die Penisvorhaut als Vagina identifiziert werden. Aus der Lustfeindlichkeit und der Einschränkung der Einordnung wird neue Lust und die Freiheit der Geschlechtsübertreteung.</p>
<p><em>Tuli</em><br />
<a href="http://yaab.noblogs.org" target="_blank">yaab.noblogs.org</a></p>
<p>(1) Siehe als ein Beispiel für diese Argumentation die Dokumentation &#8220;The Day I Will Never Forget&#8221; ungefähr ab Minute 16</p>
<p>(2) Ich sehe mich hier in der Not darauf hinzuweisen, dass diese Kritik keineswegs auf das Judentum als solches zu beziehen ist und, dass sie keine Form des Antisemitismus bildet. Im Judentum ist die Beschneidung des Penis religiös gefordert, allerdings sind große Teile der sich selbst als jüdisch erachtenden Menschen säkular ausgerichtet. Das religiöse Gebot ist für sie damit nur von marginaler Bedeutung, eher im Sinne einer Tradition. Weiters ist die Entfernung der Vorhaut des Penis bei Muslimen* und auch in Amerika weit verbreitet, das heißt, es existiert überhaupt kein Grund die jüdische Tradition hier hervorzuheben! Vielmehr sollte eine allgemeine Patriarchats- und Geschlechterkritik vorangetrieben werden.<br />
Quellen:<br />
UNICEF 2005: &#8220;Female mutilation/cutting. A Statistical Exploration 2005&#8243; Download unter: <a href="http://www.unicef.org/publications/files/FGM-C_final_10_October.pdf" target="_blank">http://www.unicef.org/publications/files/FGM-C_final_10_October.pdf</a></p>
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		<title>100 Jahre Internationaler Frauentag</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Mar 2011 21:45:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>david</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frühling 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus und Geschlechterverhältnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 100 Jahren wurde er zum ersten Mal gefeiert: Der Internationale Frauentag. Nach einem Streik von Textilarbeiterinnen wurde der Tag 1910 auf Initiative der Sozialistin Clara Zetkin auf der II. Internationalen  Sozialistischen Frauenkonferenz förmlich beschlossen und im März 1911 zunächst in fünf Ländern begangen.
Clara Zetkin, Weggefährtin von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, Mitglied des linkssozialdemokratischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor 100 Jahren wurde er zum ersten Mal gefeiert: Der Internationale Frauentag. Nach einem Streik von Textilarbeiterinnen wurde der Tag 1910 auf Initiative der Sozialistin Clara Zetkin auf der II. Internationalen  Sozialistischen Frauenkonferenz förmlich beschlossen und im März 1911 zunächst in fünf Ländern begangen.<span id="more-1998"></span></strong></p>
<p>Clara Zetkin, Weggefährtin von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, Mitglied des linkssozialdemokratischen Spartakusbundes, ab 1919 der KPD und Vorstand der Roten Hilfe Deutschlands, war es besonders wichtig, dass der Kampf der Arbeiter_innen auch ein Kampf für Frauenrechte ist.</p>
<p><strong>Zentrale Forderungen</strong></p>
<p>Marxistisch geprägt sprach sie sich zunächst dafür aus, die „Frauenfrage“ als Nebenwiderspruch (neben dem Konflikt von Erwerbsarbeit und Kapital) anzusehen und die Emanzipation der Frauen auf die Zeit nach der Revolution zu verschieben. Die Frauenbewegung war in großen Teilen bürgerlich geprägt, was ihr als Sozialistin missfiel. Später trat sie jedoch auch für das aktive und passive Frauenwahlrecht ein, welches neben gerechter Entlohnung und Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen die wichtigste Forderung des ersten Internationalen Frauentages war. Auch in den folgenden Jahren blieben diese Forderungen am Frauentag zentral, zusammen mit Mutterschutz und dem Recht auf Abtreibung. In der NS-Zeit wurde der Frauentag verboten. Eingeführt wurde der Muttertag (der noch heute gefeiert wird!), der die Frau auf ihre Gebärfunktion reduziert. Nach 1945 geriet der 8. März in der BRD in Vergessenheit, während in der Sowjetunion und somit auch in der DDR bzw. in der sowjetisch besetzten Zone schon 1946 wieder der Tag begangen wurde. Frauen wurden an dem Tag mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht und ihre Leistungen für den „real existierenden Sozialismus“ gelobt. Viele empfanden das als blanken Hohn. Einmal im Jahr wird an sie gedacht, die sie das ganze Jahr lang Kinder und Haushalt mit der Erwerbsarbeit unter einen Hut bringen müssen, von „Gleichberechtigung“  wenig mitkriegen: es kam das Gefühl auf, für die Selbstbeweihräucherung des Staates herzuhalten. Teile der Frauenbewegung in der BRD kramten den Internationalen Frauentag in den 1960er-Jahren wieder hervor und demonstrierten am 8. März für Frauenrechte.</p>
<div id="attachment_1997" class="wp-caption aligncenter" style="width: 235px"><a href="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2011/03/C_Zetkin_1.jpg"><img class="size-medium wp-image-1997" title="C_Zetkin_1" src="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2011/03/C_Zetkin_1-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Clara Zetkin | Foto: Wikipedia</p></div>
<p><strong>Gönnerhaftes Symbol?</strong></p>
<p>Schon damals war und auch heute noch ist der Internationale Frauentag umstritten. Manche halten ihn für überflüssig, weil sie der Meinung sind, es reiche mit der Emanzipation. Schwierigkeiten, denen sich Frauen gegenübersehen, seien individueller und nicht systematischer Art. Dabei vergessen sie die Leistungen von Feminist_innen über die Jahrzehnte. Manche halten den internationalen Frauentag für ein bloßes Symbol, gönnerhaft erhaltene 24 Stunden, die den Frauen gewidmet werden, in denen sie rote Nelken geschenkt bekommen und während derer über Rückständigkeit auf dem Weg zur Gleichberechtigung geredet wird, nur um am nächsten Tag zum patriarchalen und ausbeuterischen Normalzustand zurückzukehren. Schön wäre es, wenn es den Tag nicht mehr bräuchte, wenn Frauenrechte als Menschenrechte akzeptiert wären und Geltung hätten. Leider ist es bis dahin noch ein langer Weg. So bleibt der 8. März auch dieses Jahr ein Tag zur internationalen Solidarisierung gegen unfaire und ausbeuterische Arbeits- und Lebensbedingungen, wie er es schon vor 100 Jahren war.</p>
<p><strong><em>Alex</em></strong></p>
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		<title>„Hey Ultra, vergiss dein Coming-Out, hier wird ein echter Mann gebraucht!“</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Mar 2011 21:15:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>david</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frühling 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus und Geschlechterverhältnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[oder: Was Fußball, Homophobie und klassische Geschlechterrollen miteinander zu tun haben
Fußball ist in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern ein gesellschaftlich wichtiger und anerkannter Sport. Die Welt- und Europameisterschaften der männlichen Profifußballmannschaften sind Großereignisse, die auch von der Politik zum Aufbau und zur  Legitimation einer patriotischen Denkweise genutzt werden.
Klar umrissen ist dabei der Rahmen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>oder: Was Fußball, Homophobie und klassische Geschlechterrollen miteinander zu tun haben</strong></p>
<p><strong>Fußball ist in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern ein gesellschaftlich wichtiger und anerkannter Sport. Die Welt- und Europameisterschaften der männlichen Profifußballmannschaften sind Großereignisse, die auch von der Politik zum Aufbau und zur  Legitimation einer patriotischen Denkweise genutzt werden.<span id="more-1976"></span></strong></p>
<p>Klar umrissen ist dabei der Rahmen, in dem sich die Fußballszene bewegt: Es geht um Männer, die Fußball spielen und andere Männer, die ihnen dabei zugucken. Immerhin wird Fußball oftmals noch als klassischer Männersport bezeichnet und es wird verstärkt von Jungs erwartet, dass sie sich für diesen Sport interessieren.<br />
Passend dazu ist das Bild eines Fußballers eindeutig: Das eines „starken“ Mannes. Unter anderem zählt Homosexualität eindeutig zu den „weichen“, unerwünschten Seiten, die dieser Mann nicht zeigen sollte. Das Bild eines Fußballfans ist dabei ähnlich dem des Fußballers: Typisch männlich, stark und sicherlich nicht jenes einer Frau. Diese klare Abgrenzung der eigentlichen Nebensächlichkeit des biologischen Geschlechts ist für die meisten hingegen sehr wichtig. Dies findet sich auch innerhalb der Ultraszene wieder.</p>
<p><strong>Können Schwule Fußball spielen?</strong></p>
<p>Gegen Ende des Jahres 2010 hat sich FIFA-Präsident Joseph Blatter zur Weltmeisterschaft 2022 in Katar geäußert, dass homosexuelle Fans während des Besuchs der WM auf Sex verzichten sollten. Homosexualität sei dort gesetzlich verboten und könne mit Gefängnisstrafen geahndet werden.<br />
Dies ist nicht der einzige Fall einer offen homophoben Einstellung im Profifußball. 2004 äußerte beispielsweise der frühere Trainer der österreichischen Nationalmannschaft Otto Barić in mehreren Interviews, dass seine Spieler echte Kerle sein müssten und Homosexuelle nicht für &#8211;  sondern höchstens gegen ihn &#8211; spielen könnten. Auch der ehemalige Spieler des 1. FC Köln Paul Steiner sagte während einer Fernsehdiskussion, dass er sich nicht vorstellen könne, dass Schwule Fußball spielen könnten.</p>
<p>Statistiken zufolge müssten mehrere Profifußballer homosexuell sein, jedoch hat sich bislang kein einziger geoutet. Prinzipiell raten viele Expert_innen von einem Outing ab, der mediale Druck wird als zu hoch prognostiziert.<br />
Im Kontrast dazu stehen die Profifußballerinnen, unter denen mehrere offen homosexuell leben. Warum sich Homophobie oftmals nur auf homosexuelle Männer bezieht, ist eine Frage, die nicht zufriedenstellend geklärt werden kann und zu der es mehrere Antwortansätze gibt.</p>
<p><strong>Geschlechterrollen innerhalb der Fankultur</strong></p>
<p>So wie die homosexuellen Profifußballerinnen in ihrer sexuellen Ausrichtung akzeptiert scheinen, so wenig werden die weiblichen Fußballfans als gleichwertig zu den männlichen gesehen. Diese werden zumeist eher im Zusammenhang mit weiblichen (Profi-)Fußballmannschaften erwartet.<br />
Generell gibt es unglaublich wenig weibliche Fußballfans, die in Stadien zugegen sind. Gerade auch unter den „normalen“ Fans werden diese eher als „Mitbringsel“ angesehen und nicht als tatsächlich Interessierte akzeptiert. Diese Einstellung macht vor keiner Szene Halt und somit auch nicht vor den „Ultras“, innerhalb deren Fankultur es zwar einige Gruppen mit einem (links-)politischen und emanzipatorischen Anspruch gibt (die damit die deutliche Ausnahme sind). Der Großteil ist jedoch als neutral beziehungsweise entgegengesetzt einzustufen.</p>
<p>So wird zum Beispiel von einigen Gruppen offen gegenüber sich (neu) im Umfeld bewegenden Frauen kommuniziert, dass diese sich gar nicht erst bemühen bräuchten, da Frauen grundsätzlich nicht aufgenommen würden. Als Gegen- und Neuentwicklung sind weibliche Untergruppen und Vorsängerinnen („Capos“) zu nennen, die inzwischen vereinzelt auftreten.<br />
(Männliche) Homosexuelle sind offen so gut wie gar nicht anzutreffen und würden nach der Einschätzung vieler Ultras bei einem Großteil auch nicht akzeptiert werden. Ob es nun daran liegt, dass Frauen und Homosexuellen – hierbei insbesondere den Männern, von homosexuellen Frauen wird ja schon eher erwartet, dass sie wie „halbe Männer“ sind &#8211;  nicht zugetraut wird, sich im Falle eines Falles (gegen eine andere Gruppe, Ordner oder die Polizei) verteidigen zu können, sei dahingestellt. Wichtig ist es hingegen die Problematik zu erkennen und die Aufklärung darüber, dass es eigentlich völlig egal ist, ob jemand weiblich, homosexuell oder was auch immer ist, überall hin getragen wird – auch zum Fußball.</p>
<p><em><strong>Rooney</strong></em></p>
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		<title>1000 Kreuze gegen Selbstbestimmung</title>
		<link>http://www.jugendzeitung.net/sexismus-und-geschlechterverhaltnisse/1000-kreuze-gegen-selbstbestimmung/</link>
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		<pubDate>Sat, 03 Jul 2010 09:46:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>arno_nym</dc:creator>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus und Geschlechterverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter dem Motto „1000 Kreuze für das Leben“ ziehen in regelmäßigen Abständen christliche FundamentalistInnen auf ihrem „Gebetszug für das Leben“ mit weißen Holzkreuzen durch die Straßen von Städten wie Münster oder Berlin. Sie demonstrieren gegen Abtreibung, welche sie als „hunderttausendfachen Mord an Ungeborenen“ bezeichnen, aber auch gegen Homosexualität und Verhütung.
Die Begründung dafür finden sie in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unter dem Motto „1000 Kreuze für das Leben“ ziehen in regelmäßigen Abständen christliche FundamentalistInnen auf ihrem „Gebetszug für das Leben“ mit weißen Holzkreuzen durch die Straßen von Städten wie Münster oder Berlin. Sie demonstrieren gegen Abtreibung, welche sie als „hunderttausendfachen Mord an Ungeborenen“ bezeichnen, aber auch gegen Homosexualität und Verhütung.</strong></p>
<p><span id="more-1875"></span>Die Begründung dafür finden sie in der wörtlichen Auslegung der Bibel. Aus deren Text lesen sie Verbote für die „Tötung ungeborenen Lebens“ und sexueller Orientierungen, die von ihrer heterosexuellen Normvorstellung abweichen. Von etwas liberaleren evangelikalen ChristInnen, die auch moderne Auslegungen akzeptieren, unterscheidet sie diese fundamentale Bibeltreue. Auch die Rollenverteilung der Geschlechter ist für die christlichen FundamentalistInnen völlig klar: Unter Berufung auf den Apostel Paulus sprechen sie sich für eine klare Unterordnung der Frau unter den Mann aus, zudem für blinden Gehorsam der Kinder gegenüber den Eltern. Naturwissenschaftliche Lehren wie z.B. die Evolutionstheorie lehnen sie ab und glauben an die Schöpfung der Erde in sechs Tagen, für deren Integration in die Lehrpläne sie sich einsetzen. Die Nähe zum Kreationismus ist also unverkennbar.</p>
<p><a href="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2010/07/2010-03-13-Kreuze-Demo-Muenster-15_25789.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-1876" title="2010-03-13-Kreuze-Demo-Muenster-15_25789" src="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2010/07/2010-03-13-Kreuze-Demo-Muenster-15_25789.png" alt="" width="600" height="253" /></a></p>
<p>Zulauf bekommen die FundamentalistInnen zu großen Teilen auch von Jugendlichen, die sich in „modernen Gottesdiensten“ oder auf Großveranstaltungen wie dem „Christival“ zur fast ekstatischen Gottesanbetung treffen. Auch die Jugendlichen teilen die zentralen intoleranten und menschenfeindlichen Auffassungen wie Homophobie, Ablehnung von Sex vor der Ehe oder Verbot der Abtreibung. Und sie möchten sie anderen aufzwingen: In Einrichtungen der Bibelschule Brake (Ostwestfalen-Lippe, NRW) bereiten sie sich auf missionarische „Auslandseinsätze“ in Ländern wie Afghanistan vor, wo sie „die Ungläubigen bekehren“ möchten. In den USA gibt es die „Ex-Gay-Bewegung“, die sich die „Umerziehung Homosexueller“ zum Ziel gesetzt hat. Und eben die 1000-Kreuze-Märsche: Ohne Rücksicht auf das Selbstbestimmungsrecht der Frauen beten die evangelikalen und katholischen ChristInnen „für das Leben“ – glücklicherweise nicht ohne Reaktionen aufgeklärterer und unerschrockener  GegendemonstrantInnen wie z.B. dem Antisexismus-Bündnis. Bei diesen Märschen sind, nicht zuletzt aufgrund einiger ideologischer Überschneidungen, immer wieder auch bekannte Neonazis anzutreffen. Doch auch die VeranstalterInnen selbst relativieren regelmäßig die Shoah – den millionenfachen Mord vor allem an Juden und Jüdinnen sowie Andersdenkenden durch die Nazis – indem sie die gängige Abtreibungspraxis mit ihr gleichsetzen.</p>
<p>Die bereits erwähnten GegendemonstrantInnen sehen sich zunehmend auch mit staatlicher Repression konfrontiert. In Münster liefen und laufen mehr als hundert Gerichtsverfahren wegen angeblicher “Versammlungssprengung” gegen die DemonstrantInnen gegen den 1000-Kreuze-Marsch im März 2009. Die auf die Betroffenen und die Solidaritätsgruppen zukommenden Kosten werden sich wohl auf mehrere zehntausend Euro belaufen. Doch nicht nur deswegen ist Solidarität gefragt. Mit der Kriminalisierung des Protestes soll eine Einschüchterung emanzipatorischer AktivistInnen bewirkt werden. Dies hat auch Folgen für kommende Demonstrationen und Aktionen. Die Betroffenengruppe in Münster bittet um Spenden für die anfallenden Repressionskosten und um weitere Prozesse führen zu können.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Arno Nym &amp; Ani K.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Infos:</strong> <a href="http://gegen1000kreuze.blogsport.de">gegen1000kreuze.blogsport.de</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Jenseits des „Malestreams“: Das feministische Monatsmagazin „an.schläge“</title>
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		<comments>http://www.jugendzeitung.net/medien-und-offentlichkeit/jenseits-des-%e2%80%9emalestreams%e2%80%9c-das-feministische-monatsmagazin-%e2%80%9ean-schlage%e2%80%9c/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 08 May 2010 12:48:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>arno_nym</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frühling 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Medien und Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus und Geschlechterverhältnisse]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jugendzeitung.net/?p=1803</guid>
		<description><![CDATA[Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März möchten wir euch ein einzigartiges Projekt in der deutschsprachigen Printmedienlandschaft vorstellen: Die österreichische feministische Zeitschrift an.schläge.

1983 vom Verein „Frauen Aktiv in Kultur- und Arbeitswelt“ gegründet, 1991 zunächst eingestellt und 1993 vom neu gegründeten Verein für feministische Medien und Politik „CheckArt“ wiederbelebt, berichtet an.schläge Monat für Monat aus feministischer Sicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März möchten wir euch ein einzigartiges Projekt in der deutschsprachigen Printmedienlandschaft vorstellen: Die österreichische feministische Zeitschrift an.schläge.</strong><br />
<span id="more-1803"></span><br />
1983 vom Verein „Frauen Aktiv in Kultur- und Arbeitswelt“ gegründet, 1991 zunächst eingestellt und 1993 vom neu gegründeten Verein für feministische Medien und Politik „CheckArt“ wiederbelebt, berichtet an.schläge Monat für Monat aus feministischer Sicht von Politik, Gesellschaft, Arbeit und Kultur. Die Intention der Herausgeberinnen und Verlegerinnen ist es, in der männerdominierten (Medien-)Welt eine feministische Gegenöffentlichkeit zu präsentieren. Inzwischen haben die an.schläge auch einen Platz in der Fernsehwelt gefunden: an.schläge TV wird seit 2006 vom nichtkommerziellen Wiener Sender Okto ausgestrahlt. Wer nicht in Österreich wohnt, findet das Programm im Internet unter www.okto.tv.<br />
Der Name der Zeitung soll einerseits Assoziationen wecken zu Schreibmaschinenanschlägen und Nachrichten, die früher an öffentlichen Orten „angeschlagen“ wurden, andererseits spielt er auf die inhaltliche Ausrichtung vom Anschlag auf das Patriarchat an. Der Sitz der an.schläge befindet sich in Wien, weshalb man im Heft viele Berichte über Politik und Projekte aus Österreich findet. Doch die Redakteurinnen wissen um ihre schweizerischen und deutschen Leserinnen, sodass das Heft für den gesamten deutschsprachigen Raum ein feministisches Sprachrohr ist. Internationale Themen, Kolumnen, Termine, CD- und Buchrezensionen kommen dabei auch nicht zu kurz.<br />
Die Redaktion besteht aus jungen Frauen, die nach dem Konsensprinzip zusammenarbeiten. Das heißt, es gibt keine hierarchischen Strukturen, Entscheidungen werden gemeinschaftlich getroffen.<br />
Viele der Redakteurinnen arbeiten ehrenamtlich mit. Ohne sie könnten die an.schläge nicht existieren, denn die Zeitschrift befindet sich dauerhaft in einer finanziell schwachen Lage. Zwar gibt es Einnahmen aus Abos, Spenden und Inseraten, doch eine dauerhafte Basisförderung fehlt. Nach eigenen Angaben bekommen sie seit 2001 keine Subventionen vom österreichischen Frauenministerium (jetzt Ministerium für Gesundheit und Frauen) mehr.<br />
Wer sich für die an.schläge interessiert, der oder dem empfehle ich die Seite www.anschlaege.at. Dort werden die Redaktionsmitglieder vorgestellt, man kann ausgewählte aktuelle Artikel lesen, im Archiv stöbern, sich zu an.schläge TV auf Okto verlinken lassen oder sich informieren, in welchen österreichischen und deutschen Läden die Zeitschrift erhältlich ist. Wer die an.schläge abonnieren möchte, hat die Wahl zwischen verschiedenen Inlands- und Auslandsabos. Ein Schnupperabo von drei Heften zum Beispiel kostet 10 € für alle, die in Österreich leben, für alle anderen 12 €. Wem dieses einzigartige Medienprojekt besonders am Herzen liegt und wer es sich leisten kann, hat die Möglichkeit, die an.schläge mit einem Förderabo besonders zu unterstützen. Selbstverständlich auch Jungen und Männer!</p>
<p><strong>Kristina Beckmann</strong></p>
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		<title>„Biste schwul, oder was?!“</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 15:16:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>arno_nym</dc:creator>
				<category><![CDATA[Januar/Februar 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus und Geschlechterverhältnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[‘Schwule Sau’ oder ‘Scheiß Lesbe’ sind Bezeichnungen, an die sich leider schon viele ‘Betroffene’ gewöhnt haben. Auch die regelmäßige Schändung des Mahnmals zur Erinnerung an die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen sowie gewaltsame Übergriffe gegen Les.bi.schwul.trans sind leider traurige Realität.

Trotz rechtlicher Fortschritte (bspw. Homoehe), offen homosexueller Menschen in Politik und Medien und Christopher Street Days (CSD) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>‘Schwule Sau’ oder ‘Scheiß Lesbe’ sind Bezeichnungen, an die sich leider schon viele ‘Betroffene’ gewöhnt haben. Auch die regelmäßige Schändung des Mahnmals zur Erinnerung an die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen sowie gewaltsame Übergriffe gegen Les.bi.schwul.trans sind leider traurige Realität.</strong><br />
<span id="more-1570"></span><br />
Trotz rechtlicher Fortschritte (bspw. Homoehe), offen homosexueller Menschen in Politik und Medien und Christopher Street Days (CSD) in fast jeder größeren Stadt ist der gesellschaftliche Umgang mit nicht heterosexuellen Menschen immer noch von Diskriminierung und Ablehnung geprägt.</p>
<p>Es scheinen zwei parallele gesellschaftliche Entwicklungen von sich zu gehen. Zum einen eine Liberalisierung und selbstverständliche Anerkennung von nicht heterosexuell lebenden Menschen, zum anderen eine zunehmende Ablehnung bis hin zu gewaltsamen Bekämpfung von allen Lebensformen, die nicht in das Bild einer heterosexuellen Durchschnittsfamilie passen. Im Folgenden werden die Formen und das Ausmaß der Diskriminierungen dargestellt. Zudem wird daran anschließend der Begriff der Homophobie einmal kritisch hinterfragt, um für aktuelle und zukünftige soziale Kämpfe gerüstet zu sein.</p>
<p><strong>Alle anders, alle gleich?!?</strong><br />
Als am 1. August 2001 das Lebenspartnerschaftsgesetz – kurz: “Homoehe” – in kraft trat, prophezeiten liberale gesellschaftliche Gruppen die abgeschlossene Emanzipation der Homosexuellen. Zwar wurde damit im bürgerlichen Recht die Partnerschaft von gleichgeschlechtlichen Menschen anerkannt und sie bekamen wichtige Rechte, jedoch ist die Homo- gegenüber der Hetero-Ehe in viele Bereichen nicht gleichgestellt. Der Staat fördert immer noch die ‘klassische Kleinfamilie’.<br />
In vielen Bereichen werden Homosexuelle immer noch benachteiligt. So dürfen sie bspw. kein Blut spenden, da sie wie DrogengebraucherInnen und SexarbeiterInnen der Hochrisikogruppe zugeordnet werden. Natürlich kann man beim Fragebogen seine sexuelle Orientierung einfach verleugnen, aber gerade diese Verleugnung ist immer noch prägend für den Alltag von gleichgeschlechtlich orientierten Menschen. Es ist leider ein trauriges Faktum, dass Les.bi.schwul.trans-Personen im Laufe ihrer Sozialisation darauf geprägt wurden, ständig ihr Verhalten zu kontrollieren und nur an ‘ungefährlichen’ Orten oder in ‘ungefährlichen’ Situationen ihre grundlegenden Bedürfnisse nach Nähe und Zärtlichkeit offen zu zeigen. Diese ständige Kontrolle des eigenen Verhaltens zeigt nur zu deutlich, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von homosexuellen Lebensweisen immer noch nicht verwirklicht ist!<br />
Auch in der medialen Öffentlichkeit gibt es oft unterschwellige Homophobie; eine offen homophobe Stimmungsmache ist aber glücklicherweise nicht mehr möglich. Die verdeckte Homophobie ist am Beispiel des offen schwulen Bürgermeisters von Berlin festzumachen. Er wird häufig nicht für seine politischen Projekte oder Ansichten kritisiert, sondern dafür, dass er der “Partybürgermeister” sei. Hier schlägt die homophobe Assoziationskette – schwul = ewige Party mit CSDs, sexueller Ekstase etc. – voll durch. Im heterosexuellen Mainstream ist die Assoziationskette Homosexualität = egoistischer Individualismus und Heterosexualität = auf das Gemeinwohl ausgerichtet immer noch dominant.</p>
<p><strong>Wer hasst ‘uns’ eigentlich so?</strong><br />
Einige Hinweise auf die Frage, wer homosexuelle Lebensweisen ablehnt bzw. sie nicht akzeptiert, gibt der Forschungsbericht der Antidiskriminierungsstelle der Bundes. So lehnen die traditionellen und die Mainstream-Milieus eine vollständige Gleichberechtigung ab und sehen oftmals auch keine Notwendigkeit eines besonderen Diskriminierungsschutzes. Zusammen machen diese Milieus ca. 53% der Gesamtbevölkerung der BRD aus.<br />
Tiefenpsychologisch gesehen dient Homophobie der Abwehr von ‘Ängsten’. Je geringer das Selbstwertgefühl, die soziale Integration und die soziale Lage eines Menschen sind, desto stärker ist sein homophobes Verhalten. Auch spielt die Angst vor den eigenen homosexuellen Anteilen eine Rolle. Eine Studie aus den USA zeigte 1996, dass 54,3% der homophoben Männer eindeutig erregt waren beim Anschauen von sexuellen Handlungen zwischen Männern. Auch die Angst, emotional berührt zu werden und die Infragestellung des traditionellen Männlichkeitsideals bzw. der heterosexistischen Normenvorstellungen erzeugen Ablehnung. Nicht zu unterschätzen ist die Angst vor sozialer Unsicherheit und das Streben nach Macht. Homosexuelle sind dann eine Gruppe die vermeintlich noch schwächer ist.</p>
<p><strong>Homophobie oder Heterosexismus?</strong><br />
Der Begriff Homophobie leitet sich aus dem Griechischen (homo = gleich und phobos = Angst/Phobie) ab. Der Begriff kam mit der 2. Lesben- und Schwulenbewegung in den 1970er Jahren nach Deutschland und fand Verwendung als politischer Kampfbegriff. In den Sozialwissenschaften hat sich der Begriff des Heterosexismus jedoch durchgesetzt. Dies hat folgende Gründe:<br />
Grundsätzlich impliziert der Begriff der Homophobie, dass die Ablehnung von Homosexuellen eine Krankheit sei, er pathologiesiert die sozialen Handlungen also. Damit wird die Verantwortung für das Handeln abgelehnt bzw. auf die angebliche Krankheit verwiesen.<br />
Zudem erkennen PhobikerInnen ihre Ängste als übertrieben an, HomophobikerInnen betrachten die Ablehnung jedoch als gerechtfertigt.<br />
Auch ist das Ergebnis einer Phobie die Vermeidung, das Ergebnis von Homophobie ist jedoch Aggression. Darüber hinaus besitzen Menschen mit Phobien einen inneren Leidensdruck und wünschen diesen zu verändern, homophobe Menschen hingegen erzeugen Leidensdruck bei anderen Menschen.<br />
Der Begriff des Heterosexismus wurde in der BDR seit den 1980er Jahren verwendet. Die Verwendung sollte eine Parallele zu den Begriffen Sexismus und Rassismus schaffen und die schwierige Verknüpfung mit Phobie (als psychologischer Störung) überwinden.<br />
Heterosexismus beschreibt die oft subtile gesellschaftliche Neigung und das ideologische System, jede Form von Identität, Verhalten, Beziehung oder Gemeinschaft, welche nicht eindeutig der auf Heterosexualität basierenden sozialen Norm entspricht, zu verleugnen, verunglimpfen und zu stigmatisieren. Heterosexismus verweist somit auf Chauvinismus als Ursache des ablehnenden Verhaltens und schließt bisexuelle, transgender, aber auch androgyne Menschen mit ein.<br />
Vor allem das System der heterosexuellen Zweigeschlechtlichkeit mit den dazugehörigen Implikationen, was weiblich und was männlich sei, ist damit Ursache der Ablehnung. Genau hier muss angesetzt werden: Nur wenn das System der Heteronormativität aufgebrochen wird, kann es eine vollständige Akzeptanz von Les.bi.schwul.trans-Menschen geben. Es bleibt also viel zu tun!</p>
<p><strong>Torsten Schulte</strong></p>
<div id="kasten">
<h3>Christopher Street Day</h3>
<p>Wenn wir uns mit der Geschichte der Schwulen- und Lesbenbewegung auseinandersetzen, führt kein Weg am „Stonewall Riot“ in New York vorbei. Es gab zwar schon früher Auseinandersetzungen und Kampagnen doch dies war das erste Mal das so etwas in aller Öffentlichkeit passierte. Für die amerikanischen Lesben und Schwulen spielten Bars und Kneipen als kulturelle und soziale Zentren schon immer eine wichtige Rolle. Dementsprechend wurden die Bars der Szene immer wieder Opfer von sehr gewalttätigen und manchmal sogar tödlichen Durchsuchungen der Polizei. Im Staat New York gab es sogar ein Gesetz, das jede Frau und jeden Mann dazu zwang, mindestens drei Kleidungsstücke zu tragen, die zu dem Geschlecht, mit dem sie geboren wurden, „passe“.<br />
Am 28. Juni 1969 wurde die Schwulen-Bar „Stonewall Inn“ auf der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Greenwich Village von der Polizei gestürmt und durchsucht. In Folge der Razzia brachen Ausschreitungen aus, die den Stadtteil für fünf Tage lahmlegten. Die Queers (siehe Artikel „Was ist eigentlich Queer?“) waren nicht mehr länger Opfer sondern begannen sich zu wehren und gaben gleichzeitig den Startschuss für das, was wir heute oftmals in Deutschland die „Schwulen- und Lesbenbewegung“ nennen. So entstanden, nach dem Stonewall Riot, Gruppen wie die „Gay Liberation Front“. Nach der Christopher Street wurde auch der traditional jedes Jahr stattfindende internationale Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag, der Christopher Street Day, benannt.</p>
<p><strong>BRiB</strong>
</div>
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		<title>Was ist eigentlich Queer?</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 15:10:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>arno_nym</dc:creator>
				<category><![CDATA[Januar/Februar 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus und Geschlechterverhältnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Queer ist komisch. Nicht nur ein komischer Begriff, sondern meint auch einfach etwas Komisches: Menschen, die sagen, sie können und wollen nicht einfach ein Geschlecht, eine Sexualität annehmen. Diese Menschen behaupten sogar, sie kämen ohne alle bürgerlichen Kategorien von Liebe und Sexualität aus.

In den 70er-Jahren war sexuelle Befreiung vor allen anderen Dingen die Loslösung von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Queer ist komisch. Nicht nur ein komischer Begriff, sondern meint auch einfach etwas Komisches: Menschen, die sagen, sie können und wollen nicht einfach ein Geschlecht, eine Sexualität annehmen. Diese Menschen behaupten sogar, sie kämen ohne alle bürgerlichen Kategorien von Liebe und Sexualität aus.</strong><br />
<span id="more-1566"></span><br />
In den 70er-Jahren war sexuelle Befreiung vor allen anderen Dingen die Loslösung von christlich-fundamentalistischen Werten wie Lustfeindlichkeit, Monoarmorie (Einehe) und Homophobie (Ablehung gleichgeschlechtlicher Liebe und Sexualität). Diese Ideale waren auch aus bürgerlicher Sicht längst überfällig, da es ja die Notwendigkeit, viele Kinder zu produzieren, gesellschaftlich nicht mehr gab. Auch stimmen die neuen Errungenschaften der Sexualität durchaus mit den Werten der europäischen Aufklärung, einer für das Bürgertum wichtigen Epoche des 18. Jhd., in der die Vernunft in den Mittelpunkt gerückt wurde, überein.<br />
Damit ist für den aufgeklärten Menschen auch wieder alles in Ordnung. Menschen haben von Natur aus ein Geschlecht und eine Sexualität. Diese sind reine Privatsache, müssen also auch nicht öffentlich verhandelt werden. Fortan gibt es eben nicht nur Frauenstrickabende, sondern eben auch Schwulenbars und Fitnessstudios für Lesben.</p>
<p>Und immer noch fühlten sich Menschen in dieser Welt nicht wohl. Sie passten immer noch nicht in diese jetzt “aufgeklärte” Welt. Denn einiges war ja immer noch verpönt. Sicherlich haben viele von euch das Ergebnis schon einmal gesehen: Menschen, die gebeugt gehen, weil sie als Mann doch lieber keinen Rock tragen sollen, oder vielleicht einfach eine Frau, die sich beschämt die Brüste verhüllt, wenn am Strand jemand hinschaut.<br />
Diese Menschen, die sich nun wirklich nicht zuordnen lassen wollten, behaupteten einfach, Natur hätte mit der Art und Weise, wie sie seien, reichlich wenig zu tun. Viel mehr seien es eben jene anderen, die davon überzeugt waren, Sexualität sei Privatsache, die gelichzeitig die Rollen, die andere im Leben zu spielen haben, mitbestimmten.</p>
<p>Michel Foucault hat prophezeit, immer wenn ein Merkmal von Menschen in der Gesellschaft anerkannt würde, würde die Nicht-Anerkennung aller noch nicht anerkannten Merkmale heftiger. So konnten sich alle, die jetzt eine gesellschaftlich anerkannte sexuelle Rolle hatten, über die empören, die diese nicht hatten. Männer und Frauen, Heteros – das sind Menschen, die immer nur Menschen vom jeweils anderen Geschlecht sexuell ansprechend finden – und Schwule konnten sich nun über diese anderen “Unentschiedenen”, die mit keiner der angebotenen Rollen klar kamen, mokieren. Sie nannten diese anderen dann einfach „komisch“, english „queer“. Und irgendwann nahmen die so Beleidigten das Wort auf. Sie nahmen es nicht mehr als Beleidigung an, sondern waren vielmehr stolz darauf, queer zu sein.</p>
<p>Heute ist queer sein natürlich schwerlich ein Problem. Jeder ist queer, bei einigen bedeutet das einfach keine so große Abweichung von den Rollen der Aufklärung. Einige wenige wollen aber immer noch nicht queer sein. Sie halten “die Natur” hoch, wie vorher die christlichen FundamentalistInnen ihren Gott. Sie reihen sich damit in diese Denktradition ein, und werden gleichsam bürgerliche FundamentalistInnen. Wie das aber funktioniert, ist eine andere Geschichte, und wird an anderer Stelle erzählt: In dem Artikel „Was ist eigentlich Dogmatismus?“.</p>
<p><strong>Felix B.</strong></p>
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		<title>Alltag Sexismus?</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Sep 2009 00:10:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>david</dc:creator>
				<category><![CDATA[Online Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus und Geschlechterverhältnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischen Machotum und Pseudo-Antisexismus
Neulich ist mir folgendes Banner auf dem Profil einiger User_innen im Internet ins Auge gesprungen: Slutfree &#8211; Girls with selfrespect. Zu Deutsch: Schlampenfrei &#8211; Mädchen mit Selbstrespekt 
Na super. Jetzt wird mir schon vorgehalten (also mir, als Mädchen!), wie viele Liebhaber_innen ich haben sollte bzw. darf. Und das ich nur „selfrespect“ habe, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwischen Machotum und Pseudo-Antisexismus</strong></p>
<p><strong>Neulich ist mir folgendes Banner auf dem Profil einiger User_innen im Internet ins Auge gesprungen: Slutfree &#8211; Girls with selfrespect. Zu Deutsch: Schlampenfrei &#8211; Mädchen mit Selbstrespekt <span id="more-1178"></span></strong></p>
<p>Na super. Jetzt wird mir schon vorgehalten (also mir, als Mädchen!), wie viele Liebhaber_innen ich haben sollte bzw. darf. Und das ich nur „selfrespect“ habe, wenn ich keine „Schlampe“ bin, was ein gängiger, abwertender Begriff für Frauen ist, die mit verschiedensten Menschen Sex haben, oder auch nur im „Verdacht“ stehen, dies zu tun.</p>
<p>Die Frage ist &#8211; was ist eigentlich mit der „männlichen“ Partei? Brauchen die keinen &#8220;selfrespect&#8221;? Anscheinend nicht.Männliche (nennen wir es jetzt einmal so, obwohl ich Menschen generell nicht gerne in männlich und weiblich kategorisiere) Wesen dürften also &#8211; laut dem Banner &#8211; lustig in der Gegend herumvögeln und es würde niemandem etwas ausmachen. Denn letzten Endes sind wir &#8220;Frauen/Mädchen&#8221;, bzw. weibliche Wesen, am Ende diejenigen, die den Kürzeren ziehen. Selbst in der linken Szene, wo sich laut und stark gegen Sexismus ausgesprochen wird, herrschen ähnliche, fast gleiche, patriarchalische Züge wie in der Mainstream-Gesellschaft. Leute, das kann doch nicht euer Ernst sein!</p>
<div id="attachment_1179" class="wp-caption alignnone" style="width: 347px"><img class="size-full wp-image-1179" title="slutfree2" src="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2009/09/slutfree2.jpg" alt="Mit diesem Logo wird im Internet für &quot;Schlampenfreiheit&quot; geworben." width="337" height="67" /><p class="wp-caption-text">Mit diesem Logo wird im Internet für &quot;Schlampenfreiheit&quot; geworben.</p></div>
<p>So neulich auch folgendes Szenario: Ich saß mit ein paar männlichen Mitmenschen herum und auf einmal wurde darüber gesprochen, wie viele Mädchen/Frauen Herr XY schon gehabt hatte. Es waren zwei oder drei an einem Abend. Wo ist da der „selfrespect“?</p>
<p>Prompt wurde das Wort an mich gerichtet und ein paar flachse Sprüche folgten; ob ich denn mit Herr XYZ nicht „etwas haben“ wollte, denn &#8220;den hatte ich ja schließlich noch nicht&#8221;. Ergo &#8211; während das „männliche“ Wesen sich „legitimerweise“ austobt, ist das Austoben des „Gegenparts“ nicht gerne gesehen, wird verspottet, verpönt und in den Schmutz gezogen. Das dürfte beweisen, dass hier von Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter wenig zu sehen ist</p>
<p>Dieses &#8220;slut-free&#8221;-Gerede ist für mich nichts anderes als Diskriminierung von Liebe, freier Liebe, Spaß am Sex und dem weiblichen Geschlecht/Wesen an sich. Denn zum &#8220;Rumschlampen&#8221; gehören meines Erachtens immer zwei Personen. Und dass viele Männer/männliche Wesen  (Ich möchte das nicht verallgemeinern!) so den &#8220;Schlampenstatus&#8221; eines Mädchens &#8220;ausnutzen&#8221; ist für mich Beweis genug, dass dieses &#8220;Slutfree&#8221;, wenn es schon im Profil gepostet wird, nicht nur Frauen/Mädchen mit „selfrespect“, sondern auch Männer/Jungen/Hermaphroditen etc. etwas angeht. Wenn, dann sollte es heißen: &#8220;Slut-free&#8221; &#8211; In selfrespect with each other.</p>
<p>Doch auch da bin ich eigentlich gegen, denn schließlich soll jede_r für sich selbst entscheiden, wie viele Partner_innen, One-Night-Stands, Affären etc. er/sie hat bzw. haben will. Das ist eine persönliche Entscheidung, und die Frage nach der eigenen Grenze geht nur mich selbst etwas an.  Mir bleibt also nichts anderes übrig, als den Kopf zu schütteln und nochmals vehement darauf zu beharren: Wer sich, meiner Meinung nach, gegen Sexismus ausspricht, sollte nicht nur reden und reden, sondern auch bei sich selbst anfangen und (oder gerade) versuchen, die gesellschaftlichen, scheinbar vorgeschrieben Werte, die richtige Zahl der Anzahl der Partner_innen etc., zu überdenken, zu zerbrechen und sich eigene Werte schaffen. Das wäre für mich klarer Antisexismus. Denn es beginnt alles zuerst bei dir selbst.</p>
<p><em>Consti</em></p>
<p><em>Consti ist der Meinung, dass, wer die Welt verändern will, zuerst anfangen sollte, sich selbst zu ändern.</em></p>
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		<title>Gut ist das Gegenteil von Mitgemeint</title>
		<link>http://www.jugendzeitung.net/onlinemag/gut-ist-das-gegenteil-von-mitgemeint/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 00:00:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>david</dc:creator>
				<category><![CDATA[Online Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus und Geschlechterverhältnisse]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jugendzeitung.net/?p=1044</guid>
		<description><![CDATA[
Der Bürger von heute und selbst die Bürgerin zeigt sich aufgeklärt. Selbstverständlich könne nicht davon ausgegangen werden, dass es Unterschiede in den Rechten von Menschen gibt, nur weil ihnen unterschiedliche Geschlechter zugesprochen werden. Manche gehen sogar so weit zu behaupten, dass es auch nicht per se körperliche Unterschiede zwischen diesen Personengruppen gibt.

Menschen sind offiziell gleichberechtigt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Der Bürger von heute und selbst die Bürgerin zeigt sich aufgeklärt. Selbstverständlich könne nicht davon ausgegangen werden, dass es Unterschiede in den Rechten von Menschen gibt, nur weil ihnen unterschiedliche Geschlechter zugesprochen werden. Manche gehen sogar so weit zu behaupten, dass es auch nicht per se körperliche Unterschiede zwischen diesen Personengruppen gibt.</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span id="more-1044"></span><br />
Menschen sind offiziell gleichberechtigt, werden als gleich vor dem Gesetz angesehen und gut. Warum sich also damit beschäftigen, wie tatsächlich mit Geschlechtern umgegangen wird? Ein deutliches Beispiel dafür gibt unsere Sprache. Oft wünschen sich Menschen mehr Bürgernähe, oder klagen Randalierer an, gewalttätig zu sein. Und nur wenige dieser Menschen möchten damit ausdrücken, dass nicht auch Bürgerinnen der Genuss der Nähe zusteht, oder dass Randaliererinnen nicht so schlimm seien, wenn diese gewalttätig sind.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Würde das aber immer so explizit genannt, so die gängige Argumentation, würde es den Lesefluss stören und Texte künstlich in die Länge ziehen. Manch einer redet in diesem Zusammenhang von Umweltschutz, weil ja durch weniger Geschriebenes Papier gespart wird.<br />
Nur schreiben wir ja auch nicht „Kanake“, nur weil das kürzer ist als „Mensch mit Migrationshintergrund“. „Je kürzer, desto besser“ kann also kein befriedigender Anspruch an einen Text sein.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Doch warum passiert es dennoch, dass gerade Frauen so oft „vergessen“ werden; sind die denn nicht so wichtig? Nein, es heißt, sie seien ja „mitgemeint“. Mitmeinen bedeutet hier wohl, dass ein oder mehrere Menschen zwar nicht angesprochen werden, dass sie aber nichtsdestotrotz mit angesprochen werden. So wie in dem Satz „Beim Fußballspiel am Samstag haben sich die Fans des FC Bayern München über eine spannende Partie gefreut“ die Dortmunder Fans selbstverständlich „mitgemeint“ sind, sind eben in der Aufforderung „Vergewaltiger, wir kriegen euch!“ automatisch auch Vergewaltigerinnen „mitgemeint“…?!</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<div id="attachment_1045" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-1045" title="fussgaenger" src="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2009/08/fussgaenger.jpg" alt="Fußgänger sollen den Tunnel benutzen. Fußgängerinnen auch? Foto: flickr.com/umdrums" width="500" height="375" /><p class="wp-caption-text">Fußgänger sollen den Tunnel benutzen. Fußgängerinnen auch? Foto: flickr.com/umdrums</p></div>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wer will aber immer nur „mitgemeint“ sein? Das mag noch ganz praktisch sein, wenn meine Nachbarn aufgefordert werden, ihren Müll von der Straße zu räumen, und ich mich als Nachbarin nicht angesprochen fühlen muss. Aber spätestens wenn die fleißigen Helfer gelobt werden, möchte ich doch auch bitte ganz direkt angesprochen und gemeint sein. Ich möchte, dass Menschen sich eine Meinung über mich bilden und nicht die Meinung über mich aus der Meinung über andere ableiten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Da kann es schon sehr helfen, wenn der Lesefluss gestört wird. Wenn in der Zeitung steht, die Helfer_innen hätten sich rege an der Beseitigung der Schäden nach dem Hochwasser beteiligt, ist es eben nicht mehr so leicht, sich ausschließlich den „strammen Recken“ vom Technischen Hilfswerk oder von der Feuerwehr vorzustellen, der im Fernsehen beim Kampf gegen die Strömung gezeigt wurde.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wenn wir wollen, dass Geschlechterrollen überdacht und überwunden werden, müssen wir genau diese ansprechen und darauf in unserer Sprache verweisen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Felix Blind</em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mädchen als Jungen</title>
		<link>http://www.jugendzeitung.net/onlinemag/madchen-als-jungen/</link>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 09:21:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>felix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Online Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus und Geschlechterverhältnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein ungewöhnliches Bild bot sich am vergangenen Freitag den Pasantinnen und Passanten in der Innenstadt von Gummersbach. Auf der Einkaufsstraße gingen Männer in Kleidern oder Röcken auf und ab, die Gesichter mit Liedschatten und Lippenstift bearbeitet. Junge Frauen hingegen trugen weite Hosen, T-Shirts, Basecaps und angeklebte Bärte.
Cross-Dressing heißt die Aktionsform, bei der sich Leute typische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein ungewöhnliches Bild bot sich am vergangenen Freitag den Pasantinnen und Passanten in der Innenstadt von Gummersbach. Auf der Einkaufsstraße gingen Männer in Kleidern oder Röcken auf und ab, die Gesichter mit Liedschatten und Lippenstift bearbeitet. Junge Frauen hingegen trugen weite Hosen, T-Shirts, Basecaps und angeklebte Bärte.</strong><span id="more-998"></span></p>
<div id="attachment_1002" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1002" title="ActionDay2" src="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2009/08/ActionDay23-300x177.jpg" alt="Aus Junge wird Mädchen - Aktion in Gummersbach. Foto: JDJL" width="300" height="177" /><p class="wp-caption-text">Aus Junge wird Mädchen - Aktion in Gummersbach. Foto: JDJL</p></div>
<p>Cross-Dressing heißt die Aktionsform, bei der sich Leute typische Klamotten des jeweils anderen Geschlechts anziehen. Oft geschieht dies um Irritation hervorzurufen und andere Menschen zur Hinterfragung von Geschlechterrollen anzuregen. So auch bei der Aktion in der nordrhein-westfälischen Stadt Gummerbach. Sie wurde von Teilnehmenden des „linken Camps zur rechten Zeit“ des Jugendverbands JungdemokratInnen/Junge Linke durchgeführt.</p>
<p>„Natürlich wollen wir nicht, dass alle Frauen sich Bärte ankleben und alle Männer Röcke tragen“, erklärt eine Aktivistin. „Wir wollen provozieren und gängige Geschlechterrollen kritisieren. Diese sehen wir nicht nur bei der Kleidung, sondern auch bei sehr vielen Verhaltensweisen: Ein Junge, der in der Öffentlichkeit weint, gilt nicht als normal, während Mädchen Gefühle zeigen dürfen. Mädchen, die laut rumbrüllen, werden kritisch beäugt. Bei Jungen ist es anders herum.“</p>
<div id="attachment_1004" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1004" title="ActionDay" src="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2009/08/ActionDay1-300x294.jpg" alt="&quot;Geschlechter rollen... selbstverständlich anders&quot; Aktion in Gummersbach. Foto: JDJL" width="300" height="294" /><p class="wp-caption-text">&quot;Geschlechter rollen... selbstverständlich anders&quot; Aktion in Gummersbach. Foto: JDJL</p></div>
<p>„Ich finde das nicht so schlimm“, erwidert ein junger Passant, „wenn ich will, dann weine ich. Niemand hindert mich daran. Männer wollen einfach nicht weinen.“  Die verkleideten Aktivistinnen und Aktivisten sehen das anders. Zwar werde Männern normalerweise nicht das Weinen direkt verboten, aber es werde Druck aufgebaut, zum Beispiel, indem Männer, die Emotionen zeigen, als „unmännlich“ oder „schwul“ abgestempelt und ausgeschlossen würden.</p>
<p>Das Flugblatt, das die verkleideten Jugendlichen bei ihrer Aktion verteilen, nennt weitere geschlechtsspezifische Rollen:  „Für jedes Mädchen, das seine Puppenküche aus dem Fenster schmeißt, gibt es einen Jungen, der sich wünscht, eine zu finden.“</p>
<div id="attachment_1005" class="wp-caption aligncenter" style="width: 272px"><img class="size-medium wp-image-1005" title="ActionDay5" src="http://jugendzeitung.net/wp-content/uploads/2009/08/ActionDay5-262x300.jpg" alt="Das Flugblatt zur Aktion. Foto: JDJL" width="262" height="300" /><p class="wp-caption-text">Das Flugblatt zur Aktion. Foto: JDJL</p></div>
<p>Die Einteilung von Menschen in „Mädchen“ und „Jungen“ wird dabei von den Aktivistinnen und Aktivisten selbst kritisiert. „Einige von uns bestreiten, dass es überhaupt so etwas wie ein biologisches Geschlecht gibt“, erklärt ein Aktivist. Zwar hätten die meisten Menschen die so genannten „primären Geschlechtsmerkmale“ wie Penis und Vulva, aber selbst diese seien unterschiedlich stark ausgeprägt und bei manchen sogar gar nicht vorhanden. „Es macht keinen Sinn Menschen in zwei Geschlechter einzusortieren. Das ist aber schwierig per Flugblatt zu vermitteln. Deswegen greifen wir erstmal auf die Kategorien &#8216;Mädchen&#8217; und &#8216;Jungen&#8217; zurück“, rechtfertigt er das Flugblatt.</p>
<p>Bei der abschließenden Hauptaussage des Flugblatts waren sich die Aktiven jedoch einig: „Solange wir uns an Geschlechterrollen ketten lassen, haben wir nichts zu verlieren außer unseren Fesseln.“</p>
<p><em>David</em></p>
<p>Weitere Informationen: <a href="http://www.jdjl.org">www.jdjl.org</a></p>
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