Warmlaufen für den Tag X
Noch in diesem Jahr könnten die ersten Atommülltransporte ins atomare Zwischenlager Ahaus fahren. Anti-Atom-Initiativen aus dem Münsterland bereiten Protestaktionen vor.
Trotz trüben Wetters zogen am vergangenen Sonntag 150 AtomkraftgegnerInnen protestierend durch Ahaus. Schon am 7. November gab es im Rahmen eines bundesweiten Aktionstags gleich mehrere Anti-Atom-Aktionen im Münsterland: am Nachmittag demonstrierten AktivistInnen vor der Bezirksregierung am Münsteraner Domplatz und übergaben symbolisch mehrere gelbe Atommüllfässer; am Abend gab es dann direkt vor dem atomaren Zwischenlager in Ahaus, 45 Kilometer westlich der Domstadt, eine spontane Demonstration von 50 UmweltschützerInnen. Die AtomkraftgegnerInnen aus dem Münsterland laufen sich für die anstehenden Castor-Transporte warm.
Über 300 Atommüllbehälter sollen demnächst zur Zwischenlagerung nach Ahaus gebracht werden. Das bereits 1982 in Betrieb genommene Atommülllager ist momentan nur zu zehn Prozent ausgelastet, die ersten Transporte zur Füllung des Lagers könnten schon Ende Dezember rollen. Die Genehmigung zur Einlagerung von Betriebs- und Stilllegungsabfällen aus deutschen Atomkraftwerken erteilte die Bezirksregierung am 11. November 2009. Über die genaue Herkunft und die Zahl der Transporte schweigt sich die Stelle aus. An die Öffentlichkeit gelang jedoch, dass mindestens 150 Atommüllbehälter aus dem Kernforschungszentrum Jülich bei Aachen nach Ahaus gebracht werden sollen. Der Versuchreaktor Jülich wurde bereits 1988 aufgrund zahlreicher Störfälle abgeschaltet und befindet sich im Rückbau – die verstrahlten Baustoffe sollen in Ahaus eingelagert werden. Ob die Transporte per Zug oder per Lastwagen-Konvoi abgewickelt werden, ist noch unbekannt.
Darüber hinaus erwarten UmweltschützerInnen weitere 150 Castoren mit dem Zug aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague. „Es wird allein aus Frankreich mindestens ein halbes Dutzend Transporte geben“, fürchtet Matthias Eickhoff, Sprecher des Bündnisses “Münsterland gegen Atomanlagen”. Um die Fahrt durch das dicht besiedelte Ruhrgebiet zu vermeiden, wird der Zug – wie bei den Gorleben-Transporten – quer durch Hessen und dann Richtung Westen ins Münsterland fahren. Matthias Eickhoff warnt indes vor den neuen Transportbehältern, die bei den kommenden Ahaus-Castoren aus Frankreich erstmals zum Einsatz kommen sollen. Diese seien nur unzureichend getestet. Kritisiert wird auch die Geheimhaltungstaktik der Behörden, die die Bevölkerung nie über anstehende Transporte informieren und die Gefahren herunterspielen: „Falls etwas passiert, werden die meisten Menschen nicht wissen, was sie tun sollen“, so der Sprecher.
Die staatlichen Sicherheitskräfte bereiten sich auf große Protestaktionen vor: Bereits am vergangenen Sonntag war die Polizei gleich mit einer ganzen Hundertschaft bei der Demonstration in Ahaus. Am Tag der Transporte werden mehrere tausend Polizisten im Einsatz sein. Auch der Verfassungsschutz rechnet mit Auseinandersetzungen und beschwört gewalttätige Aktionen seitens der AtomkraftgegnerInnen herauf. Von der Repression lassen sich die Anti-Atom-Initiativen aber nicht abschrecken und planen gleich mehrere Aktionen gegen die anstehenden Transporte: Bis Freitag wird es jeden Abend eine Mahnwache am atomaren Zwischenlager geben. Für den 20. Dezember rufen Anti-Atom-Initiativen bundesweit zur Großdemonstration nach Ahaus auf. Auch am Samstag nach dem „Tag X“, dem ersten Transport ins Zwischenlager Ahaus, soll demonstriert werden. „Wenn die Termine der Transporte bekannt sind, wird es weitere Aktionen geben“, kündigte der Sprecher des Bündnisses “Münsterland gegen Atomanlagen” zudem an.
Michael Schulze von Glaßer
Weitere Informationen:
kein-castor-nach-ahaus.de







