Radio und Fernsehen? Gibt’s auch für uns!
Fünf Formen von nichtkommerziellem Rundfunk
Sicher kennt ihr das: Im Fernsehen läuft mal wieder nur Mist und im Radio gibt auch nichts für Leute, die sich nicht der Massenverdummung hingeben wollen und deren Musikgeschmack nicht gerade Pop ist. Doch es gibt eine Lösung: Nichtkommerzielle elektronische Medien!
Neben öffentlich-rechtlichen und kommerziell-privaten Sendern bilden sie die „dritte Säule“ unseres Rundfunksystems. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass grundsätzlich jedeR Interessierte mitmachen kann, also eigene Sendungen produzieren und verbreiten darf. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Verwirklichung des Grundrechtes auf freie Meinungsäußerung. Außerdem sind Träger von nichtkommerziellen elektronischen Medien in der Lage, Medienkompetenz zu vermitteln, also Laien technische und journalistische Kenntnisse mit auf den Weg zu geben und ihnen nahe zu legen, die Wirkungen von Medien auf ihr Publikum zu hinterfragen. Des weiteren sind solche Sendungen bürgernah, denn die meisten von ihnen behandeln überwiegend Themen aus dem Umfeld der MacherInnen. Viele dieser Themen werden in Massenmedien gar nicht publik gemacht oder aber aus einer anderen Perspektive gezeigt. Und – wie der Name schon sagt – sie sind alle nicht auf finanziellen Profit aus. Doch neben all diesen Gemeinsamkeiten bestehen auch einige Unterschiede. So gibt es nicht nur eine, sondern – von Mischformen einmal abgesehen – gleich fünf Alternativen zu kommerziellem Radio und Fernsehen.
Freie Radios
Bei Freien Radions handelt es sich um selbstorganisierte und unabhängige Lokalradios, die sich größtenteils aus Eigenmitteln und Spenden finanzieren. Dazu bekommen viele von ihnen Zuschüsse von der Landesmedienanstalt (LMA) des jeweiligen Bundeslandes. Wie jeder andere Rundfunkveranstalter brauchen auch Freie Radios eine Zulassung der zuständigen LMA. Landesmedienanstalten finanzieren sich hauptsächlich aus Rundfunkgebühren der GEZ.
Im deutschsprachigen Raum gibt es Zusammenschlüsse, die die Interessen der Freien Radios vertreten und ihre Zusammenarbeit untereinander fördern. In der Schweiz heißt er UNIKOM (Union nicht-kommerzorientierter Lokalradios), in Österreich VFRÖ (Verband Freier Radios Österreich) und in Deutschland BFR (Bundesverband Freier Radios), sowie OHR und AFF als Landesverbände in Hessen und Baden-Württemberg. Der BFR hat im Internet eine Plattform eingerichtet, auf der man Beiträge aus Freien Radios hören und zwecks Weiterverbreitung untereinander tauschen kann. Die kommerzielle Verbreitung ist dabei natürlich nicht erlaubt. Hört rein unter www.freie-radios.net.
Offene Kanäle
Offene Kanäle (OK) sind nicht ganz so offen wie ihr Name vermuten lässt. In einigen Bundesländern kann man nur mitmachen, wenn man dort seinen Wohnsitz hat, bei manchen Offenen Kanälen dürfen sogar nur BewohnerInnen ihres meist kleinen Sendegebietes produzieren und senden. Zudem hat nicht jedeR einen Offenen Kanal in der Nähe, denn in manchen Bundesländern gibt es gar keine.
Die meisten Offenen Kanäle sind eingetragene Vereine, doch in einigen Ländern sind sie Einrichtungen der Landesmedienanstalten. Offene Kanäle finanzieren sich durch Unterstützung der zuständigen LMA, durch örtliche Trägervereine, manche erhalten auch einen kleinen Anteil direkt aus den Rundfunkgebühren. Zudem können sie geringe Beiträge von ihren NutzerInnen einnehmen, zum Beispiel für Technikausleihe oder Kurse, wie etwa Fortbildungen zur Erlangung von Medienkompetenz.
Bürgerfunk
Bürgerfunk gibt es in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In den beiden erstgenannten Bundesländern gab es bis April 2008 bzw. April 2002 sowohl Offene Kanäle als auch Bürgerfunk, bis man feststellte, dass sich sowohl Inhalte als auch Intentionen glichen und die beiden Formen von Fernsehen und Radio unter dem Titel Bürgerfunk zusammenlegte.
In NRW ist das etwas anders. Dort gab es auch die Offene Kanäle und Bürgerfunk nebeneinander, allerdings waren Offene Kanäle, die es seit Ende 2009 in NRW nicht mehr gibt, Fernsehsender, während Bürgerfunk nur Radiosendungen meint.
Im Vergleich zu den Offenen Kanälen in NRW hat der Bürgerfunk weit weniger Unabhängigkeit: Er hat seine Sendeplätze zu bestimmten Zeiten auf kommerziellen Lokalsendern! Diese checken die eingereichten Beiträge der BürgerfunkerInnen drei Tage vor der Ausstrahlung und können sie sogar – wenn bestimmte Bedingungen nicht erfüllt sind – ablehnen.
Aus- und Fortbildungskanäle
In manchen Bundesländern gibt es sogenannte Aus- und Fortbildungskanäle. Sie werden von einigen Landesmedienanstalten zusammen mit Organisationen und Medienunternehmen getragen. Das oberste Ziel ist die Ausbildung des journalistischen Nachwuchses. In Nordrhein-Westfalen z.B. gibt es seit 2009 den Lernsender NRW. Bürgergruppen, Medienazubis und StudentInnen bestimmter Fachbereiche können ihre Sendungen dort über Kabel digital ausstrahlen. Der Sender soll die in NRW abgeschafften Offenen Kanäle ersetzen.
Campusradio
Nicht jede Uni hat eins, und wenn sie eins hat, heißt das nicht, dass sie es finanziert. Doch die meisten Campusradios werden von ihrer Hochschule getragen. Einige haben sich als Verein formiert und sind finanziell unabhängig von der Uni.
Egal ob ihr mitmachen oder lieber zuhören und zuschauen möchtet: Bestimmt gibt es auch in eurer Umgebung tolle Alternativen zum Komsumfunk.
Kristina Beckmann







