Was tun gegen Totschlagargumente?
Wenn der Jugendoffizier an deine Schule kommt.
Die Bundeswehr erobert die Schulen. Jugendoffiziere sollen die jungen Menschen vom Dienst an der Waffe und der Notwendigkeit des Krieges überzeugen (siehe Leitartikel in dieser utopia). Doch wer den Olivgrünen das Klassenzimmer überlässt, verhindert einen kritischen, ausgewogenen Unterricht. Militär gehört nicht in Schulen. Eine Erziehung zur friedlichen Konfliktlösung ist mit der Bundeswehr nicht machbar. Daher: Bundeswehr raus aus den Klassenzimmern! Aber wie? Eine Anleitung zur Entmilitarisierung der Schule.
Die friedliche Vorsorge
Gut ist es natürlich, wenn die Bundeswehr es erst gar nicht ins Klassenzimmer schafft. Die Jugendoffiziere sprechen mit den LehrerInnen Termine und Vorträge ab, tausende Briefe werden von den Jugendoffizieren jährlich an Schulen geschickt um für Schuleinsätze zu werben. Wenn ihr von möglichen Besuchen an eurer Schule hört oder euch einE LehrerIn den Besuch der Bundeswehr ankündigt, solltet ihr schleunigst eingreifen! Erinnert eure Lehrkräfte an die Richtlinien zur politischen Bildung, den so genannten Beutelsbacher-Konsens (siehe Kasten). Falls deinE LehrerIn auf den Besuch des Jugendoffiziers besteht, solltet ihr wiederum darauf bestehen, dass auch einE FriedensaktivistIn eingeladen wird. Allerdings sind die SoldatInnen meist überlegen, da sie rhetorisch geschult und zudem für ihre Tätigkeit und Informationsbeschaffung bezahlt werden. Auf jeden Fall solltet ihr eure Lehrkraft dazu bewegen, die Anwesenheitspflicht für die Zeit des Bundeswehr-Besuchs auszusetzen. Wenn ihr abhauen dürft, überzeugt eure MitschülerInnen ebenfalls zu gehen!
Robbie Williams im Klassenzimmer
Falls es ein Jugendoffizier dann doch in euer Klassenzimmer geschafft hat und auch keinE KriegsgegnerIn eingeladen wurde, solltest du wissen, was dich erwartet.
Der Bundeswehr ist bekannt, dass viele Jugendliche „Befehl und Gehorsam“ kritisch gegenüberstehen. Deshalb darf der Jugendoffizier ganz und gar nicht dem Bild eines Militaristen entsprechen – dafür wird er jung, dynamisch, locker, ungezwungen, sachlich, gesprächsbereit und offen auftreten. Jugendoffiziere wollen coole Typen sein. Wichtig ist dem Jugendoffizier, schon zu Beginn einer Veranstaltung eine vertraute Atmosphäre zu schaffen z.B. indem er den SchülerInnen das „Du“ anbietet. So erzählt er zunächst von sich: Alter, verheiratet, Kinder, zur Bundeswehr, um die Familie und die freiheitlich-demokratische Grundordnung schützen zu können, dann Jugendoffizier geworden, damit er jungen Menschen sein Wissen über die Bundeswehr und die deutsche Sicherheitspolitik vermitteln kann. Der Auftritt soll möglichst konfliktfrei verlaufen. Wo wird versucht durch eine geschickte Gesprächsstrategie inhaltliche oder politische Konflikte zu entschärfen oder ihnen auszuweichen. Beispielsweise wird geringfügige Kritik an der Bundeswehr zugelassen oder sogar geteilt, um es den KritikerInnen danach zu erschweren, das Militär als Ganzes in Frage zu stellen. Auf direkten und beständigen Widerstand reagiert der Jugendoffizier schon aggressiver: dann häuft er Unmengen von Fakten und Zitaten auf, um den Kritiker als uneinsichtig und verbohrt vorzuführen, kritisiert den Argumentationsstil seiner WidersacherInnen als unfriedlich und stellt damit in Frage, dass die KritikerInnen wirklich für den Frieden sind, versucht die Kritik auf eine persönliche Ebene zu ziehen und stellt sich als den/die AngegriffeneN dar.
Phrasendrescher
Grundlegendes Ziel der Jugendoffiziere ist die Legitimation der Bundeswehr. Dazu bringen die SoldatInnen einige Argumente hervor, die hier kurz vorgestellt werden sollen.
„Jedes Land braucht eine Armee“, sagt der Jugendoffizier. Angeblich werde das Land von vielen Feinden bedroht und ohne Militär schon längst eingenommen. Spätestens seit Ende des Kalten Krieges ist diese Argumentation hinfällig. Zudem gibt es auch Staaten ohne Militär, zum Beispiel Costa Rica. Das Militär behindert heute nur zivile und friedliche Methoden der Konfliktlösung.
„Die Bundeswehr ist eine demokratische Armee“, sagt der Jugendoffizier. Den Afghanistaneinsatz lehnen sowohl die deutsche als auch die afghanische Bevölkerung mehrheitlich ab. Auch die Behauptung, die Armee sei demokratisch organisiert, ist falsch. Es gibt feste Hierarchien, in der die Stimmen der Führungsebene mehr zählen als die eines einfachen Soldaten. Die Bundeswehr ist eine totalitäre Organisation.
„Die Bundeswehr schützt die Menschenrechte“, sagt der Jugendoffizier. Jede militärische Auseinandersetzung stellt eine massenhafte Menschenrechtsverletzung dar. In den strategischen Richtlinien heißt es zudem ausdrücklich, dass die Bundeswehr auch zum Schutz des freien Warenverkehrs eingesetzt wird. Die Bundeswehr ist nicht Amnesty International – sie hilft auch keinen Flüchtlingen.
Lena Zirkel
Detaillierter Informationen zu Bundeswehr-Schulbesuchen finden sich in der „Broschüre gegen Totschlagargumente“ des radikaldemokratischen Jugendverbands „JungdemokratINNen/Junge Linke Berlin“: http://www.jungdemokraten.de/grundsaz/themen/antimil/juoff.htm







