8. Mai 1943 – Tödlicher Kampf im Warschauer Ghetto Teil 2

Im ersten Teil des Berichts über den Aufstand der Żydowska Organizacja Bojowa im Warschauer Ghetto 1943. Wie sich antifaschistische Kräfte bündelten und sich auf die Räumung des Ghettos, auf die Vernichtung der Bewohner_innen vor bereiteten. Im zweiten Teil wird es vornehmlich um das Scheitern des Aufstandes und die Eliminierung des Ghettos gehen.

Mit Molotow-Cocktails wehrten sich Menschen gegen Panzer, ausgehungerte Widerständler_innen wehrten sich gegen eine gestandene und bestens ausgerüstete Armee.
Die Wehrmacht begann mit Artilleriebeschuss, die Bevölkerung versammelte sich zu Massen, einige gingen in die Bunker, einige griffen zu den zu neige gehenden Waffen. Mit größter Opferbereitschaft kämpften Männer wie Frauen, eine rote Fahne wehte auf einem Dach.
Die Widerständler_innen nahmen Kontakt zur polnischen Exilregierung auf, forderten Waffen als Unterstützung, es kam keine Antwort. Man wollte die „Kommunisten“ nicht mit Waffen versorgen.
Am Tage wurde gekämpft, gegen Dämmerung mussten sich die Faschisten aus dem Ghetto zurück ziehen, die Nächte gehörten der ZOB. Unvorstellbar: Den 1.Mai 1943, den Tag der Arbeiter_innenbewegung, feierten die Kämpfer_innen nachts in den Bunkern und Häusern

Untergang des Aufstands

Als die Nazis merkten, dass sie trotz schwerem Kriegsgerät nicht gegen die tapferen und entschlossenen Kämpfer_innen ankamen, begann man mit der Inbrandsetzung des Ghettos, mit dem Einsatz von Giftgas sowie heftigen Bombardierungen aus der Luft . Nach über 3 Wochen Kampf bekamen SS und Wehrmacht die Lage stückweise unter Kontrolle. Das gesamte Ghetto wurde niedergebrannt. Die letzten Überlebenden wurden an Ort und Stelle erschossen oder in die Todeslager abtransportiert.

In Gedenken an den Drang nach Freiheit

Die Menschen im Ghetto haben sich bis zu Letzt nicht ihrem Schicksal ergeben, bis zu Letzt ums überleben oder wie einige sagten: um ein würdiges Sterben gekämpft. Ihr wochenlanger Kampf sorgte für den vorläufigen Stopp der Deportationen aus dem Ghetto und sendete ein deutliches Zeichen an die Täter der Shoa. Einfluss hatte der Aufstand aber auch auf vom Faschismus bedrohte Menschen: Beflügelt von dem Mut und den Taten der Kämpfer_innen kam es im August zum Aufstand in ganz Warschau, zum Aufstand im Todeslager Treblinka. Jüdische Widerständler_innen sprossen in ganz Polen hervor und schlossen sich Partisanengruppen an.
Doch vielen ging es um mehr, um mehr als den Kampf gegen Hitler-Deutschland und seine Henker. Den Kämpfer_innen ging es nicht nur ums Überleben; für die Widerständler_innen war der Kampf Teil des Kampfes für ein „würdiges und freies Leben.“ Mit diesen Worten, und dem Zusatz, dass heute „auf dem ganzen gesellschaftlichen Leben Erniedrigung und Unterdrückung lasten“ verweigerte Marek Edelman, Widerständler im Ghetto, am 2. Februar 1983 die Teilnahme an einem Ehrenkomitee für die Feier zum 40. Jahrestag des Aufstands.
Heute, am 8.Mai 2011 gilt es also nicht nur den Sieg über Hitler-Deutschland zu feiern, den Opfern des Faschismus in ganz Europa und weltweit zu gedenken, sondern wie Marek Edelman darauf aufmerksam zu machen, dass der Mensch auch heute nicht frei ist. Die heldenmütigen Kämpfer_innen des Warschauer Ghettos werden dabei als Beispiel unerschrockener Tapferkeit und unbeschreiblichen Willens in die Geschichte der Befreiungskämpfe eingehen.

Olliver Fassing

Comments are closed.