8. Mai 1943 – Tödlicher Kampf im Warschauer Ghetto Teil 1

Am 8.Mai 1943 stirbt Mordechaj Anielewicz im Alter von 23 Jahren. Einen Tag der Befreiung gibt es für ihn und Millionen anderer Menschen nicht. Mordechaj war jüdischer Widerstandskämpfer. Im Ghetto organisierte er mit anderen die jüdische Kampforganisation (polnisch: Żydowska Organizacja Bojowa, kurz ŻOB) und kämpfte dort für ein freies Leben. Utopia erinnert in zwei Artikeln.

Errichtet wurde das Warschauer Ghetto Mitte 1940 im Warschauer Stadtzentrum. Dienen tat das Ghetto als Ort des Aushungerns und als Sammellager für die Deportation in das Vernichtungslager Treblinka.
Teilweise bereits dort wohnhaft, größtenteils deportiert, befanden sich bis zu 500.000 Menschen abgeschirmt von hohen Mauern im Warschauer Ghetto. In ein Haus zwängten sich etwa 400 Menschen, Nahrungsmittel waren strengstens rationiert. Die Strategie der deutschen Henker: Hunger und Seuchen sollten ein Großteil der Menschen im Ghetto, ohne größere Anstrengung der Henker selbst, vernichten. Unter diesen Umständen sollte jeder Wille zum Widerstand direkt erstickt werden, der Abtransport in das Todeslager sollte so keine größeren Probleme bereiten.

Denkmal der Warschauer WiderstandskämperInnen von 1943

Vorbereitung zum Widerstand

Allerdings gab es von Beginn an vereinzelte Vorbereitungen zum Widerstand, welche später vor allem von der damaligen Polnischen Arbeiterpartei (PPR) intensiviert wurden. Illegale Zeitungen und verschiedenste Aufrufe zur Organisation hatten erheblichen Einfluss auf die Entstehung des jüdischen Widerstandes vor Ort.
Bereits 1941 begannen antifaschistische Gruppen mit vereinzelten Sabotageaktion in den Fabriken deutscher Unternehmer.
Als im Sommer 1942 SS und Wehrmacht mit der Auflösung des Ghettos begannen, wurden innerhalb von 7 Wochen 300.000 Menschen deportiert oder direkt an Ort und Stelle umgebracht.
In Folge dessen, begann die PPR mit dem Schmuggeln von Waffen in das Ghetto.
Der Widerstand verstärkte sich, es wurden deutsche Rohstofflager außerhalb des Ghettos in Brand gesetzt. Im Ghetto selbst wehrten sich ganze Häuser gegen die Deportation, teilweise noch an den Waggons in die Lager. Als Beispiel seihen hier einige Widerständler_innen genannt, welche sich absichtlich deportieren liesen, um an den Zügen auf Signal die SS-Truppen anzugreifen. So konnte einigen Menschen tatsächlich die Flucht ermöglicht werden. Auch viele Frauen begannen sich zu organisieren und schlossen sich zu Partisanengruppen zusammen. Im Oktober 1942 wurde dann die ZOB gegründet und begann mit der Besorgung von Waffen und der Errichtung von Bunkern sowie dem Bau eines Tunnelsystems.

Aufstand im Ghetto – „Nowogródek“ – Selbstverteidigung

Im Januar 1943 sollte dann die endgültige Vernichtung des Ghettos beginnen. Bewaffnet mit einigen Revolvern und Gewehren, Handgranaten, Motolow-Cocktails, Stangen und Steinen begannen sich die Menschen gegen die deutschen Soldaten zu Wehr zu setzen. Mit dabei war auch Mordechaj Anielewicz.
An verschiedenen Straßenecken rückten jüdische Widerständler_innen aus ihren Bunkern, die Unbewaffneten leisteten passiven Widerstand und versteckten sich vor den deutschen Mörder_innen.
Das erste Wunder geschah: Die SS zog sich völlig überrascht vollkommen aus dem Ghetto zurück. Einige Gefangene konnten aus dem Ghetto flüchten, der weitere Abtransport nach Treblinka war de facto gestoppt.
Am 19.4 rückten die Hitler-Truppen dann erneut ein, um das komplette Ghetto zu vernichten.
Nun hatten sich auch einige Pol_innen außerhalb der Mauern nachts in das Ghetto geschmuggelt um an der Seite Widerständler_innen zu kämpfen. Es kam zum offenen Kampf, der Aufstand ging nun aufs gesamte Ghetto über.

Oliver Fassing

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