Vom Unfug, deutsch zu sein
Der Nationalstaat und die Nation als Ausdruck eines Volkes mit Geschichte ist eng verwoben mit der Geschichte des Kapitalismus. Sowohl Volk, als auch Nation schließen Menschen von einer bestimmten Gemeinschaft aus und Staaten gehören sowieso auf den Müllhaufen der Geschichte. So weit so gut.
Über eben soviel werden sich die TeilnehmerInnen an der Konferenz „Deutsche Nationalitätseuphorie. Zur Kritik des Nationalismus in Sport und Popkultur“ einig gewesen sein. Darauf- und auf einige weitere Überlegungen hin, brachtene einige 2009 das Buch „ Irrsinn der Normalität heraus“; um die restlichen Fragen zur neuen Deutschen Nation zu erläutern
Dicke Bretter
Dreh- und Angelpunkt des Buches ist die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2006 in Deutschland. Dort war es nach dem Unterlassen des Deutschen Nationalstolzes per Dekret nach dem Nationalssozialsismus wieder offen und auf breiter Front zu nationalistischen Äußerungen und dem Zeigen Nationaler Symbole gekommen. Nicht nur die VerfasserInnen des vorliegenden Buches empfanden das als sehr bedrohlich.
Zentrales Anliegen im Buch ist dann, einige der VerfasserInnen, der Nachweis, dass Sport und Fußball vieles sind, aber bestimmt nicht unpolitisch.
Schnell klärt sich, dass der neue deutsche Nationalismus sich als hipper und unverdächtiger Patriotismus tarnen will. Es genügt im übrigen das Thema der Tagung zu googeln, um in Focus und anderen Schriften auf begeisterte Deutsche zu treffen, die schon während der WM 2006 wünschten, der Taumel würde nicht enden. „Wir sind ein starkes Volk das viel bewegen kann wenn wir uns bewegen“¹
Starker Tobak!
Alte Bekannte wie Adorno, Poulantzas und Demirovic sollten einem/r nicht allzu viel Schrecken, wenn man dieses Buch mit Genuss lesen möchte. Sie werden häufig und gerne zu Rate gezogen.
Es wird im Klappentext ausführlich betont, dass Studierende, fertig Studierte und Lohnabhängige an der Produktion des Schriftstückes beteiligt gewesen seien. Das ist lobenswert, führt aber sehr wahrscheinlich nicht dazu, dass einE NormalarbeiterIn mit Normalarbeitsverhältnis das Buch verstehen wird.
Man muss schon eine autonome Schule durch gemacht haben, vorzugsweise bei der Antifa F aus Frankfurt um so richtig warm mit dem Buch zu werden. Oder man findet sich damit ab, dass man eben nicht alles versteht. Was dann noch bleibt, ist einem/r dann entweder zu plump oder man hat wirklich etwas gelernt
Felix Blind
¹http://www.focus.de/sport/fussball/wm2006/wm-euphorie_aid_110355.html
Projektgruppe Nationalismuskritik (Hrsg.) – „Irrsinn der Normalität. Aspekte der Reartikulation des deutschen Nationalismus“, Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster, 2009







