Der Euromayday kommt ins Revier
Da viele 1.Mai-Demos zu ritualisiert und überladen wirken, hat sich mit dem Euromayday ein neues Konzept von politischer Demonstration etabliert. Der Euromayday zeigt durch einen Mix aus parade und Straßenfest den attraktiven Cahrakter von Protest. Den Euromayday gibt es in Städten, wie Hamburg, Mailand, Hanau und Toronto. 2010 findet er das erste Mal im Ruhrgebiet, in Dortmund, statt. Utopia-Redakteur Felix Blind sprach mit zwei der OrganisatorInnen Martin und Thomas.
Was ist der Euromayday?
Zentrales Anliegen des Euromaydays ist es, den verschiedenartigsten Formen von Prekarisierung in Arbeit und Leben, die durch die klassischen Institutionen nicht mehr organisiert werden können, einen Ausdruck zu geben. Dabei geht es weniger um Repräsentation und Einheitlichkeit, sondern um ein Sichtbarmachen der Vielheit der Wünsche, Lebens- und Kampfformen. Im Zentrum stehen dabei Selbstorganisation und Vernetzung.
Die Organisation des Euromayday am 1. Mai soll genau dieses Spannungsverhältnis auch symbolisch aufzeigen.
Der 1. Mai wird als Tag der Arbeit regelrecht gefeiert. Lohnarbeit und Unterdrückung ist dabei nicht Thema. Eigentlich werden hierzulande nur alle ruhig gestellt bei Bockwurt und Bier, beim Maigang oder beim DGB. Wie kann sich das ändern?
Es muß ein Paradigmenwechsel her. Lohnarbeit im herkömmlichen Sinn kann nicht eine der Hauptdefinitionen von Leben sein. Selbstorganisation ohne unterdrückende Autorität in freier Assoziation ist Grundlage freier Entfaltung. Euromayday will dies demonstrativ aufzeigen und Menschen für
lebenswertere Lebensformen begeistern.
Warum gerade in Dortmund? Wie schätzt ihr die politische Lage in Dortmund und dem Ruhrgebiet ein?
Dortmund gehört zum industriell geprägten Kern des Ruhrgebiets. Die Arbeitsbedingungen sind immer von den Kapitaleignern bestimmt worden. Mitsprache ist eher marginal. Im Zweifel ging und geht es immer gegen die Bevölkerung. Aktuell wird mit dem Heilsversprechen Kreativwirtschaft im Zusammenhang
mit der Kulturhauptstadt 2010 versucht, den Strukturwandel des Ruhrgebiet voranzutreiben. Das wird scheitern und gleichzeitig die weitere Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse voranzutreiben.
Gängelung und unmäßiger Geltungsdrang der politisch Verantwortlichen fördern ein Gegeneinander und nicht ein Miteinander. Wachstumsökonomie um jeden Preis. Hier unterscheiden sich die Parteien kaum.
Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Rechtsruck. Neofaschisten versuchen verstärkt, mit revisionistischen
Antworten, Menschen zu gewinnen.
Ihr habt zwei Wägen, viele DJs und ein bißchen Vorschuss-Lorbeeren wegen Euromaydays in Berlin, Mailand, Hamburg und anderswo. Was lässt sich an diesem ersten Mai beim Euromayday in Dortmund erreichen? Was ist euer Ziel?
Zunächst wird Öffentlichkeit hergestellt. Konzepte für eine andere Gesellschaft, wie bereits benannt, werden beim Euromayday in die Öffentlichkeit getragen. Im besten Fall entwickelt sich hieraus ein immer größer werdendes Netzwerk von Leuten, die anders leben wollen und den bisherigen sozio-politischen Ideenträgern eine Absage erteilen. Euromayday Ruhr soll ein Öffentlichkeitsträger zur Entwicklung von selbstverwalteten Strukturen sein.







