Alltag Sexismus?

Zwischen Machotum und Pseudo-Antisexismus

Neulich ist mir folgendes Banner auf dem Profil einiger User_innen im Internet ins Auge gesprungen: Slutfree – Girls with selfrespect. Zu Deutsch: Schlampenfrei – Mädchen mit Selbstrespekt

Na super. Jetzt wird mir schon vorgehalten (also mir, als Mädchen!), wie viele Liebhaber_innen ich haben sollte bzw. darf. Und das ich nur „selfrespect“ habe, wenn ich keine „Schlampe“ bin, was ein gängiger, abwertender Begriff für Frauen ist, die mit verschiedensten Menschen Sex haben, oder auch nur im „Verdacht“ stehen, dies zu tun.

Die Frage ist – was ist eigentlich mit der „männlichen“ Partei? Brauchen die keinen “selfrespect”? Anscheinend nicht.Männliche (nennen wir es jetzt einmal so, obwohl ich Menschen generell nicht gerne in männlich und weiblich kategorisiere) Wesen dürften also – laut dem Banner – lustig in der Gegend herumvögeln und es würde niemandem etwas ausmachen. Denn letzten Endes sind wir “Frauen/Mädchen”, bzw. weibliche Wesen, am Ende diejenigen, die den Kürzeren ziehen. Selbst in der linken Szene, wo sich laut und stark gegen Sexismus ausgesprochen wird, herrschen ähnliche, fast gleiche, patriarchalische Züge wie in der Mainstream-Gesellschaft. Leute, das kann doch nicht euer Ernst sein!

Mit diesem Logo wird im Internet für "Schlampenfreiheit" geworben.

Mit diesem Logo wird im Internet für "Schlampenfreiheit" geworben.

So neulich auch folgendes Szenario: Ich saß mit ein paar männlichen Mitmenschen herum und auf einmal wurde darüber gesprochen, wie viele Mädchen/Frauen Herr XY schon gehabt hatte. Es waren zwei oder drei an einem Abend. Wo ist da der „selfrespect“?

Prompt wurde das Wort an mich gerichtet und ein paar flachse Sprüche folgten; ob ich denn mit Herr XYZ nicht „etwas haben“ wollte, denn “den hatte ich ja schließlich noch nicht”. Ergo – während das „männliche“ Wesen sich „legitimerweise“ austobt, ist das Austoben des „Gegenparts“ nicht gerne gesehen, wird verspottet, verpönt und in den Schmutz gezogen. Das dürfte beweisen, dass hier von Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter wenig zu sehen ist

Dieses “slut-free”-Gerede ist für mich nichts anderes als Diskriminierung von Liebe, freier Liebe, Spaß am Sex und dem weiblichen Geschlecht/Wesen an sich. Denn zum “Rumschlampen” gehören meines Erachtens immer zwei Personen. Und dass viele Männer/männliche Wesen (Ich möchte das nicht verallgemeinern!) so den “Schlampenstatus” eines Mädchens “ausnutzen” ist für mich Beweis genug, dass dieses “Slutfree”, wenn es schon im Profil gepostet wird, nicht nur Frauen/Mädchen mit „selfrespect“, sondern auch Männer/Jungen/Hermaphroditen etc. etwas angeht. Wenn, dann sollte es heißen: “Slut-free” – In selfrespect with each other.

Doch auch da bin ich eigentlich gegen, denn schließlich soll jede_r für sich selbst entscheiden, wie viele Partner_innen, One-Night-Stands, Affären etc. er/sie hat bzw. haben will. Das ist eine persönliche Entscheidung, und die Frage nach der eigenen Grenze geht nur mich selbst etwas an. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als den Kopf zu schütteln und nochmals vehement darauf zu beharren: Wer sich, meiner Meinung nach, gegen Sexismus ausspricht, sollte nicht nur reden und reden, sondern auch bei sich selbst anfangen und (oder gerade) versuchen, die gesellschaftlichen, scheinbar vorgeschrieben Werte, die richtige Zahl der Anzahl der Partner_innen etc., zu überdenken, zu zerbrechen und sich eigene Werte schaffen. Das wäre für mich klarer Antisexismus. Denn es beginnt alles zuerst bei dir selbst.

Consti

Consti ist der Meinung, dass, wer die Welt verändern will, zuerst anfangen sollte, sich selbst zu ändern.

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