Anleitung zum Anderssein

Es sei kein Buch über ihr Leben, keine Autobiografie, sondern eine Art „Gebrauchsanweisung für das Leben“, schreibt die Autorin Hanna Poddig im Vorwort ihres Buches „Radikal mutig“. Eine Anleitung, wie mensch es kreativ und politisch gestalten kann – eben eine „Anleitung zum Anderssein“.

Herausgekommen ist ein Text, der das breite Spektrum der Themen abdeckt, in denen sich Hanna Poddig engagiert. In jedem Kapitel wird eine Problematik vorgestellt – und Hannas Aktivismus dazu. Für sie bleibt es nicht beim Demonstrieren und Flugblattverteilen (obwohl sie das auch macht), sondern sie kettet sich an Schienen, um Rüstungstransporte aufzuhalten, besetzt Bäume aus Protest gegen den Flughafenausbau und Brücken, um  Schiffe mit Atom-Fracht zu stoppen.

Radikal mutig: Hanna Poddig

Radikal mutig: Hanna Poddig

Los geht es mit Essen aus dem Container, und über den Kletteraktivismus beim Castortransport bis zur antimilitaristischen Aktion ist so einiges dabei. Beim Lesen hat mensch häufig das Gefühl, sich mit der Autorin zu unterhalten, denn das Buch ist in einer sehr lockeren, verständlichen Sprache geschrieben. Dadurch wirkt es an manchen Stellen etwas sprunghaft, verdeutlicht im Prinzip aber nur, was im sechsten Kapitel auch noch einmal explizit angesprochen wird: Im Grunde hängen alle Thematiken miteinander zusammen, und so kann es sehr enttäuschend sein, wenn Leute Feldbefreiungen und Protest gegen Gentechnik „absolut richtig“ finden, aber nicht mitmachen wollen, weil sie „nun mal Antifas“ sind – und sich in dem Bereich also „nicht zuständig“ fühlen.

Einzelne Aktionen sind detailliert dargestellt und könnten so als genaue Handlungsvorschläge in bestimmten Situationen funktionieren. Besonders ermutigend ist dabei, dass diese nicht immer nur in Großstädten oder bei Massenveranstaltungen stattfinden. Vielmehr wird deutlich, dass ein widerständiges und kreatives Leben auch in der Provinz möglich und nötig ist. Und auch der ganz normale Alltag wird von der Autorin kritisch unter die Lupe genommen und verändert – gerade hier dürften viele Leser_innen Denk- und Handlungsanstöße für das eigene Verhalten finden.

In „Radikal mutig“ bleibt es aber nicht bei bloßen Aktionsbeschreibungen und Handlungsvorschlägen. Hanna Poddig zählt Erfolge auf, aber auch Rückschläge. Sie berichtet ebenso von missglückten Aktionen wie auch Spannungen innerhalb politischer Gruppen und zwischen Einzelpersonen, von „Generationskonflikten“ und inhaltsleeren Diskussionen. Auch der Ärger mit der Polizei, Behördenwillkür und repressiver Justiz wird nicht ausgespart. Selbst ihre Knasterfahrung schildert sie und betont dabei, wie wichtig es ist, Unterstützung von anderen zu erfahren, die sich für sie einsetzen.

Insgesamt ist „Radikal mutig“ ein Buch, das an so manchen Stellen unbequem ist und ein schlechtes Gewissen macht, andererseits aber sowohl gute Argumente bringt als auch zum Verändern und Aktivwerden motiviert.

Hanna Poddig: Radikal mutig. Meine Anleitung zum Anderssein

Rotbuch-Verlag 2009, 14,90 €

ISBN: 978-3-86789-085-4

Ani K.

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