Energie für Milliarden
Atomausstieg, Klimaschutz und genug Energie für alle – geht das überhaupt zusammen? Diese Frage versuchen wir in einer Antwort auf einen Leserbrief zu beantworten.
Hallo,
ich habe heute ein wenig auf Ihrer Seite rumgestöbert. Mich würde interessieren, wie Sie sich die Energieversorgung von bald 10 Milliarden Menschen denn so vorstellen? Mit “erneuerbaren” Energien ist dies wohl zur Zeit eher nicht möglich.
In Wasser- und Windkraft sehe ich persönlich eine gewaltige Gefährdung sämtlicher natürlicher Klimasysteme. Würde mich sehr über eine Antwort freuen.
MfG Philipp
Unsere Antwort:
Hallo Phillip!
Wie die Energieversorgung in Zukunft aussehen wird, ist natürlich schwer voraussehbar. Was aber klar ist – für uns und für den Großteil der deutschen Bevölkerung: Dass Atomkraft unverantwortbar ist und daher ein Atomausstieg nötig ist und dass der Klimawandel – so weit es noch geht – gestoppt werden muss.
Das sind keine außergewöhnlichen Forderungen, selbst der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), das wohl hochrangigste Expertengremium in Sachen Klimawandel fordert für Industriestaaten eine CO2-Reduktion von etwa 80%. Das ist notwendig um viele extrem schlimme Folgen (insbesondere für die Ärmsten der Armen) zu verhindern.
Nun stellt sich berechtigterweise die Frage: Ist das überhaupt möglich? Dazu gibt es natürlich auch unterschiedlichste Studien und für mich als klimatologischer Laie ist es eigentlich unmöglich alle zu kennen und bewerten zu können. Aber man kann beobachten, dass die Ergebnisse stark davon abhängen, wer die Studie in Auftrag gegeben hat.
Nun ist es so, dass mit der momentanen Energieerzeugung einige sehr mächtige (Öl-, Energie-)Konzerne viel Geld verdienen. Sie haben auch das Geld, Studien in Auftrag zu geben. Von einer Energiewende hin zu erneuerbaren Energien (die wahrscheinlich einiges an Geld kosten wird) ist auch die ganze Wirtschaft betroffen, die sich auf höhere Kosten einstellen muss. Deswegen gibt es ganz viele Interessen, die bei der aktuellen Energieerzeugung bleiben wollen und möglichst aufzeigen möchten, dass eine Energiewende nicht möglich sei, bzw. zu viel Geld koste.
Und die Frage nach dem Geld ist natürlich der Knackpunkt. Alle Studien machen gewisse Vorannahmen: Wie sich die Wirtschaft entwickeln wird, wie sich die Technik entwickeln wird, wie sich die Bevölkerung entwickeln wird… Und vor allem: Was wirtschaftlich zumutbar wäre. Je mehr man (wer auch immer das dann ist) bereit ist zu zahlen, desto eher ist die Energiewende möglich.
Und dass die Kosten für die Umstellung geringer sind als die Folgekosten beim Klimawandel, hat der so genannte Stern-Report gezeigt.
So, um jetzt aber konkreter zu werden: Es gibt natürlich Studien, die zeigen, wie eine weltweite Energieversorgung aussehen kann. Beispielsweise die Studie “Globale Energie (R)evolution” von Greenpeace. Dort siehst du auch, dass im Jahr 2050 die Versorgung noch nicht zu 100% aus Erneuerbaren besteht. Aber das kann sich danach ja noch ändern, und das ist alleine schon wegen der endlichen Vorräte nötig. Wie schnell das vorangeht, hängt natürlich auch davon ab, wie viel Geld in die Forschung geht. Momentan fließt auch noch viel Geld in die fossile und atomare Energie, mehr als in erneuerbare. Würde das Geld umgeleitet, würden die Potentiale von Erneuerbaren auch größer.
Eine weitere Studie, die sich allerdings nur auf Europa und dessen Stromversorgung bezieht, ist die ERENE-Studie der Heinrich-Böll-Stiftung.
Ich hoffe, dir damit geholfen zu haben. Schöne Grüße!
Felix von der utopia-Redaktion







