Gut ist das Gegenteil von Mitgemeint

Der Bürger von heute und selbst die Bürgerin zeigt sich aufgeklärt. Selbstverständlich könne nicht davon ausgegangen werden, dass es Unterschiede in den Rechten von Menschen gibt, nur weil ihnen unterschiedliche Geschlechter zugesprochen werden. Manche gehen sogar so weit zu behaupten, dass es auch nicht per se körperliche Unterschiede zwischen diesen Personengruppen gibt.


Menschen sind offiziell gleichberechtigt, werden als gleich vor dem Gesetz angesehen und gut. Warum sich also damit beschäftigen, wie tatsächlich mit Geschlechtern umgegangen wird? Ein deutliches Beispiel dafür gibt unsere Sprache. Oft wünschen sich Menschen mehr Bürgernähe, oder klagen Randalierer an, gewalttätig zu sein. Und nur wenige dieser Menschen möchten damit ausdrücken, dass nicht auch Bürgerinnen der Genuss der Nähe zusteht, oder dass Randaliererinnen nicht so schlimm seien, wenn diese gewalttätig sind.

Würde das aber immer so explizit genannt, so die gängige Argumentation, würde es den Lesefluss stören und Texte künstlich in die Länge ziehen. Manch einer redet in diesem Zusammenhang von Umweltschutz, weil ja durch weniger Geschriebenes Papier gespart wird.
Nur schreiben wir ja auch nicht „Kanake“, nur weil das kürzer ist als „Mensch mit Migrationshintergrund“. „Je kürzer, desto besser“ kann also kein befriedigender Anspruch an einen Text sein.

Doch warum passiert es dennoch, dass gerade Frauen so oft „vergessen“ werden; sind die denn nicht so wichtig? Nein, es heißt, sie seien ja „mitgemeint“. Mitmeinen bedeutet hier wohl, dass ein oder mehrere Menschen zwar nicht angesprochen werden, dass sie aber nichtsdestotrotz mit angesprochen werden. So wie in dem Satz „Beim Fußballspiel am Samstag haben sich die Fans des FC Bayern München über eine spannende Partie gefreut“ die Dortmunder Fans selbstverständlich „mitgemeint“ sind, sind eben in der Aufforderung „Vergewaltiger, wir kriegen euch!“ automatisch auch Vergewaltigerinnen „mitgemeint“…?!

Fußgänger sollen den Tunnel benutzen. Fußgängerinnen auch? Foto: flickr.com/umdrums

Fußgänger sollen den Tunnel benutzen. Fußgängerinnen auch? Foto: flickr.com/umdrums

Wer will aber immer nur „mitgemeint“ sein? Das mag noch ganz praktisch sein, wenn meine Nachbarn aufgefordert werden, ihren Müll von der Straße zu räumen, und ich mich als Nachbarin nicht angesprochen fühlen muss. Aber spätestens wenn die fleißigen Helfer gelobt werden, möchte ich doch auch bitte ganz direkt angesprochen und gemeint sein. Ich möchte, dass Menschen sich eine Meinung über mich bilden und nicht die Meinung über mich aus der Meinung über andere ableiten.

Da kann es schon sehr helfen, wenn der Lesefluss gestört wird. Wenn in der Zeitung steht, die Helfer_innen hätten sich rege an der Beseitigung der Schäden nach dem Hochwasser beteiligt, ist es eben nicht mehr so leicht, sich ausschließlich den „strammen Recken“ vom Technischen Hilfswerk oder von der Feuerwehr vorzustellen, der im Fernsehen beim Kampf gegen die Strömung gezeigt wurde.

Wenn wir wollen, dass Geschlechterrollen überdacht und überwunden werden, müssen wir genau diese ansprechen und darauf in unserer Sprache verweisen.

Felix Blind

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