Vagina Dentata gegen Vergewaltiger
„Ich wünschte, ich hätte da unten Zähne.“ Dieser Ausspruch gab Sonnet Ehlers den Anstoß, ein neuartiges Produkt zu entwickeln, das dem brutalen Akt der Vergewaltigung mit Gegengewalt begegnet: Ein Anti-Vergewaltigungs-Kondom. Ist das die richtige Antwort?
Sie investierte zehn Jahre, um ein Femidom (ein Kondom für Frauen) zu entwickeln, das an der Innenseite mit Widerhaken ausgestattet ist. Kommt es zu einer Vergewaltigung, kann der Vergewaltiger zwar in die Frau eindringen, er bleibt dabei aber hängen. Die Widerhaken bohren sich in die Haut, sodass er starke Schmerzen hat; die Haken können nur durch eine Operation entfernt werden. Somit kann der Täter leicht durch den Arzt identifiziert werden.

Das Anti-Vergewaltigungs-Kondom. Echt scharf. Foto: Rape-aXe
Das Kondom hat zudem die herkömmliche Funktion, vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten zu schützen. Da das „Rape-aXe“-Kondom wie ein normales Kondom auch aus Latex ist und mit einem Applikator eingeführt wird, kann es nur einmal für etwa 24 Stunden getragen werden. Auch wenn es nicht zum Einsatz kommt, muss also stets ein neues gekauft werden.
Gerade in Südafrika, woher die Erfinderin stammt und wo die hohe Vergewaltigungsrate förmlich nach einer Lösung schreit, dürfte es schwer sein, allen Frauen regelmäßigen Zugang zu Rape-aXe zu ermöglichen. Doch gerade die Unterschicht ist besonders gefährdet und in einer Umfrage gaben die Frauen an, sie würden das Produkt am liebsten jeden Tag verwenden. Kein Wunder, denn laut der BBC ist es für Südafrikanerinnen wahrscheinlicher, dass sie vergewaltigt werden, als dass sie lesen lernen.

Die Antwort auf sexuelle Vergewaltigung? Foto: Rape-aXe
Es stellt sich aber die Frage, ob die Erfindung wirklich die Lösung ist, zumal es da einige Nachteile gibt. Das Rape-aXe kann nicht während der Menstruation (der Blutung aus der Gebärmutter) benutzt werden, vermutlich auch nicht von Jungfrauen. Zudem könnte es passieren, dass der Vergewaltiger trotz oder wegen der höllischen Schmerzen so ausrastet, dass er die Frau umbringt. Nicht wenige Vergewaltigungen werden von mehreren Tätern gemeinsam verübt, sodass eventuell die nachfolgenden Täter das Schicksal ihres Mittäters rächen könnten.
All diese und mehr Befürchtungen wurden auf der Präsentation des Antivergewaltigungskondoms durch Sonnet Ehlers und Terre des Femmes in der letzten Woche in Berlin diskutiert. Ehlers zeigte sich optimistisch. Nach einer Vorführung ihrer Erfindung in einer südafrikanischen Gemeinde gab es dort 3 Monate lang keine Vergewaltigung mehr, da die Männer befürchteten, sie habe einige Exemplare dagelassen.

Sonnet Ehlers macht Werbung für das Anti-Vergewaltigungs-Kondom "Rape-aXe". Foto: Rape-aXe
Sie erklärte, sie habe lange Gespräche mit Vergewaltigern im Gefängnis geführt. Ihrer Überzeugung nach geht es diesen um einen möglichst schnellen Tatvorgang und sie würden sich nur ungern noch mehr Schuld auflasten, indem sie die Frau umbringen. Das Produkt erfülle also seinen Zweck: Der Frau Zeit zu verschaffen, die Gelegenheit, zu fliehen. Zudem hofft Ehlers auf eine abschreckende Wirkung: „Die Männer sagten, sie würden lieber abstinent leben, als die Bekanntschaft von Rape-aXe zu machen.“
Letztendlich ist es nicht sicher, wie gut das Kondom in der Praxis besteht, doch es wäre sicher besser als die bisherige völlige Hilflosigkeit der knapp 150 südafrikanischen Frauen, die täglich vergewaltigt werden. Sie könnten sich vielleicht vor dem Schlimmsten bewahren und den Täter kenntlich machen.
Doch die ultimative Lösung ist es nicht, wie eine Teilnehmerin der Veranstaltung anmerkte: „Hier wird versucht, eine Ingenieurslösung für ein soziales Problem zu finden“. Bevor wir nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse änern, die zu solchen Gräueltaten führen, auch hier bei uns in Europa, ändern, und die Stellung der Frau der des Mannes gleichwertig machen, werde sich nicht viel am respektlosen Umgang und schließlich der Misshandlung von Frauen ändern.
Bis es jedoch so weit ist, könnte das Produkt zumindest in Südafrika seinen Zweck erfüllen. Im Oktober sind die ersten endgültigen Exemplare bereit zur Präsentation und später sollen sie weltweit erhältlich sein. Dass sie sich auch bei uns großer Beliebtheit erfreuen werden, bleibt jedoch zu bezweifeln, denn die Gefahr, vergewaltigt zu werden, ist hier zum Glück nicht allgegenwärtig.
Laura H., 19 Jahre







