Vom Chatroom zur Vergewaltigung
Im Internet lauern auch Gefahren: Pädophile nutzen Chaträume um Kontakte zu Kindern und Jugendlichen zu bekommen – unter falschem Namen. In der realen Welt kann das für die Kinder und Jugendlichen zum Problem werden. Die sexuelle Begierde der Pädophilen kann bis zur Vergewaltigung führen. Eine wahre Geschichte.
Pädophile: Sie geben sich als Teenager aus und benutzen falsche Namen, um sich im Internet an Kinder und Jugendliche heranzumachen. Sie nutzen gezielt Chatrooms, um minderjährige Opfer zu finden. Jugendliche können ihren Lockmitteln – zum Beispiel vorgetäuschte Freundschaften – nicht widerstehen. Auch wenn sie kein Treffen vorschlagen, per Webcam gelangen sie bis in das Kinderzimmer ihrer Opfer. Sie schicken den Kindern pornografische Videos, auf denen man ihre Geschlechtsteile und Szenen der Selbstbefriedigung sehen kann. Die Jugendlichen sind oft geschockt oder gar traumatisiert.
„Das kann mir doch nicht passieren“, sagen dann viele, oder: „Ich passe schon auf mich auf.“ Doch es passiert ganz schnell. Man ist in einem Chatroom unterwegs, um neue Leute kennenzulernen. Dann wird man auch schon angeschrieben. Es hört sich verlockend an, er ist in meinem Alter und sieht gut aus. Die Bilder sind natürlich nicht von ihm, er kopiert sie einfach aus anderen Chatrooms und gibt sich dann als diese Person aus. Man findet sich nett, schreibt einander und findet ihn sympathisch.
Auch die 15-jährige Kitty K. (Name geändert) fiel auf einen Pädophilen herein. Sie schrieb fast ein halbes Jahr mit ihm, dabei ist aber nie etwas passiert. Dann wollte er sich mit ihr treffen. Da sie schon gute Freunde geworden waren – so schien es – ging sie drauf ein.
Am Treffpunkt erschien aber nicht der Junge, den sie von den Fotos kannte. Gegenüber stand ihr ein älterer Herr, der sich als der Vater des Jungen ausgab. Er lockte sie unter gelogenen Vorwänden in seine Wohnung.
Dort sagte er, sein Sohn würde gleich kommen und bat ihr etwas zu trinken an. Doch das Getränk hatte es in sich, er hatte in dem Saft Diazepammit hinein gemischt. Dieses Mittel führt zu Bewusstlosigkeit und verursacht einen Filmriss. Nachdem sie den ersten Schluck nahm, merkte sie schon, dass sie etwas verschwommen sah und ihr wurde schwindelig. Sie dachte sich aber nichts dabei. Der Mann wusste genau, was gerade passierte. Er bat sie, doch mit in sein Schlafzimmer zu kommen, und sich da auf sein Bett zu legen. Da sie sich nicht mehr unter Kontrolle hatte, tat sie alles, was der Mann zu ihr sagte. Er machte die Kameras an, die im ganzen Zimmer verteilt standen. Dann vergewaltigte er sie. Sie machte alles mit, da sie keine Beherrschung mehr über ihren Körper hatte.
Am nächsten Tag hatte sie alles vergessen. Sie wusste erst wieder, was passiert war, als ihre Freundinnen sie in der Schule auf dieses Video ansprachen. Sie hatten es zuvor bei einem Internet-Videoportal gesehen. Daraufhin zeigte sie den Mann an, er wurde überführt und kam in eine geschlossene Anstalt. In seiner Wohnung hatte man noch mehr Videos mit anderen Mädchen gefunden.
Schätzungsweise 20.000 Männer sind täglich im Internet auf der Suche nach Jugendlichen, die sie missbrauchen können. 30 Prozent aller weiblichen Jugendlichen wurden schon einmal im Internet sexuell belästigt. Doch Lösungen für dieses Problem sind nicht einfach zu finden: Strafrechtliche Verfolgungen sind schwierig durchzuführen und meistens ineffektiv, Internetverzicht schränkt die eigene Freiheit zu sehr ein. Was bleibt, ist das Hinarbeiten auf eine andere Gesellschaft, in der die Gefühle und Rechte von Kindern und Jugendlichen von jedem respektiert werden.
Von Veronique Münster, Alina Jergler, Sarah Nielsen
Foto: megafutzi / jugendfotos.de







