Weg frei für Tierversuche
Die Polizei hat gestern das besetzte Gelände des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim in Hannover geräumt. Über einen Monat hatten TierrechtlerInnen und AntispeziesistInnen gegen den geplanten Bau eines Tierversuchslabor protestiert.
Bei der Räumung waren ungefähr 500 Polizistinnen und Polizisten aus ganz Niedersachsen im Einsatz. Zudem waren laut Besetzerinnen und Besetzern vier Wasserwerfer, vier Räumpanzer, ein Polizei-Hubschrauber, zwei Gefangenen-Transportbusse, Staatschutz mit Videokameras, Reiter-Staffel, Bagger und ein Höhen-Intervetionsteam vor Ort, um 26 Personen gewaltsam vom Gelände zu bewegen. „Völlig unverhältnismäßig“, kommentiert ein Aktivist den Einsatz der Polizei.

Mit einem massiven Polizeiaufgebot wurde gestern die Besetzung geräumt. Foto: boehringerbesetzung.blogsport.de
Die Räumung zog sich über mehrere Stunden hin, weil einige Besetzerinnen und Besetzer auf Bäume kletterten und sich an Betonklötze anketteten. Sieben Personen wurden in Gewahrsam genommen, sind aber inzwischen wieder frei. Das Gelände wurde währenddessen umzäunt, damit eine erneute Besetzung als Hausfriedensbruch bestraft werden kann.

Ein Aktivist hatte sich in einer Baumkrone festgekettet und musste von einem Kletterteam der Polizei heruntergeholt werden. Foto: boehringerbesetzung.blogsport.de
Bald sollen schon die Bauarbeiten für das so genannte „Tierimpf-Zentrum“ beginnen, in dem Impfstoffe für Tiere entwickelt werden. Bis zu 1000 Schweine sollen jährlich in der Anlage gehalten, gequält und am Ende der Versuche getötet werden.
Die Besetzerinnen und Besetzer wollten aber nicht nur die Qual der Versuchstiere verhindern. Aus ihrer Sicht unterstützt Boehringer Ingelheim mit seinem Vorhaben auch die Massentierhaltung. Im Aufruf zur Besetzung heißt es: „Impfstoffe werden in der Massentierhaltung benötigt, um diese zu optimieren, also um immer mehr Tiere auf engem Raum einpferchen zu können. Boehringer profitiert also von den Nebenwirkungen der grausamen Massentierhaltung.“ Diese sei katastrophal für „Tiere, die Umwelt, die Menschen des Trikonts […] und vor Ort zum Beispiel für den Tourismus“. Mit den katastrophalen Auswirkungen für die Menschen des Trikonts (Asien, Afrika und Lateinamerika) ist vor allem der Anbau des Futtermittels Gen-Soja gemeint, für den Regenwald abgeholzt und Menschen vertrieben werden.
Die Aktivistinnen und Aktivisten wollen trotz der Räumung weiterhin gegen den Bau der Tierversuchsanlage angehen. „Der Protest hört nie auf“, erklärt ein Aktivist gegenüber der utopia. Heute abend um 18 Uhr soll es eine Demonstration in Hannover geben.
David W.
Weiter Informationen:
www.boehringerbesetzung.blogsport.de
Interview zum geplanten Tierversuchslabor und Antispeziesismus







