Zwischen Revolution und Krise

Nach drei Jahren Höhen und Tiefen startet die utopia einen Neuanfang – und sucht dafür neue Leute.

Von vielen – auch innerhalb der Redaktion – unbemerkt ist die utopia bereits im Juli drei Jahre alt geworden! Am 22. Juli 2007 traf sich die Redaktion – damals drei Leute – erstmals um an einer Jugendzeitung für eine gewaltfreie und herrschafts­lose Gesellschaft zu basteln. Gleich auf dem Treffen in Münster wurde das noch heute aktuelle utopia-Logo entworfen und die erste Ausgabe geplant. Unterstützung kam dabei von der anarchistisch-gewaltfreien Monatszeitung Graswurzelrevolution (GWR), mit der wir auch heute noch zusammenarbeiten.


Die gedruckte Zeitung

Die erste Ausgabe der Zeitung erschien mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren – wie immer lagen davon rund 3.500 Zeitungen der vollen Auflage der GWR bei. Der Rest der Zeitungen ging an Ju­gendzentren, SchülerInnenvertretungen, Infoläden, linke Gruppen und (Klamotten-)Versände, die die Zeitungen auslegten bzw. ihren Bestellungen beilegten. Die Resonanz war gut und die Auflage der zweiten Ausgabe kletterte schon 11.500. Scheinbar hatten wir so­wohl inhaltlich als auch praktisch – die Jugendzeitung konnte von Anfang an kostenlos über die utopia-Website www.jugendzeitung.net abonniert werden – einen Nerv getroffen. Die Auflage kletterte stetig weiter und liegt heute bei rund 25.000 Exemplaren. Auch die Erscheinungsweise änderte sich. Mit der dritten Ausgabe für Februar und März 2008 erschien die Zeitung nun alle zwei statt alle drei Monate. So ging es bis zur fünfzehnten Ausgabe weiter – dann kam die nächste große Änderung: die utopia wurde wieder eine Quartalszeitschrift, die Seitenzahl wurde aber von bisher vier auf acht Seiten verdoppelt! So konnten wir Porto sparen und hatten über das ganze Jahr dennoch mehr Seiten zur Verfügung (nämlich 32 statt 24 Seiten).

Online-Magazin und Merch-Kram

Damit konnte unser Schreibwille aber noch immer nicht gestillt wer­den. Neben der gedruckten Ausgabe wurde daher ein Online-Magazin aufgebaut. Die einfache weiß-pinke utopia-Website musste im April 2008 einer schicken weiß-blau-grauen mit integriertem Online-Magazin weichen. Mit einigen Ausnahmen schafften wir es, etwa alle drei Tage einen neuen Artikel auf die Seite zu stellen. Hinzu kam die gedruckte Ausgabe die von Beginn an komplett online lesbar war. Anfang 2010 gab es dann eine weitere Umstellung der Website – nun ist sie violett und etwas moderner gestaltet. Auch twitter, MySpace sowie Schüler- und StudiVZ blieben nicht vor uns sicher. Daneben boomte der Merch-Sektor: es gab und gibt heute drei verschiedene utopia-Aufkleber, Postkarten, ein fair gehandeltes Soli-T-Shirt und Buttons. Letztere zwei sollten neben dem Werbe-Effekt auch Geld in die utopia-Kasse spülen. Zwar wurde alle Arbeit rund um die utopia von Beginn an ehrenamtlich gemacht, doch mussten die Druck und Vertriebskosten gedeckt werden. Hauptsächlich finanziert sich die Zeitung über Werbe-Anzeigen (sowohl in der Print-Ausgabe als auch online) und Spenden. Leider steht es um die utopia heute nicht gut – was nicht nur am Geld liegt.

utopia bald nicht mehr kostenlos

Leider haben sich unsere Einnahmen nicht so entwickelt wie wir geplant haben. Zudem hatten wir Probleme beim Post-Vertrieb: wir wollen es jedem Menschen – auch denen die auf dem Land wohnen und/oder wenig Geld haben – ermöglichen die gedruckte utopia zu beziehen. Daher war die Zeitung bisher – wie wir zu sagen pflegen – „kostenlos, aber nicht umsonst“. Dieser „Luxus“ hat ein tiefes Loch in unsere Kasse gerissen. Zwar kann die GWR einen Teil des Verlusts – immerhin mehrere tausend Euro – übernehmen, doch auf Dauer kann es so nicht weiter gehen. Dies ist der Grund, warum wir uns entschieden haben ein Entgelt einzuführen. Die nächste utopia wird nur noch an die Personen verschickt, die nochmal online unser Bestellformular ausfüllen und ein geringes Entgelt bezahlen. Ausnahmen sind Versände und Einrichtungen, in denen die utopia ausgelegt wird, (z.B. Infoläden und Jugenzentren). Diese müssen kein Entgelt zahlen.

Wir bitten euch trotz des Entgelts der utopia treu zu bleiben. Ihr solltet bedenken, dass das von euch gezahlte Geld nicht einfach weg ist, sondern in ein cooles, unkommerzielles Projekt fließt. Außerdem ermöglicht uns die neue Regelung, sicherzustellen, dass die utopia den AbonnentInnen etwas wert ist und nicht im Mülleimer landet.

Wir brauchen neue Leute

Unser zweites Problem: wir sind zu wenige. Einige Leute haben die Redaktion verlassen, haben keine Zeit mehr oder andere Pläne. Die verbliebene Redaktion besteht momentan aus drei bis fünf mehr oder weniger aktiven Leuten. Das Online-Magazin ist seit Monaten schmachvoll verweist und die übrigen Leute müssen zu viel Last tragen. Wir sind immer noch davon überzeugt, dass eine libertäre und gewaltfreie Jugendzeitung in der heutigen Welt einen Platz hat. Es gibt einfach zu viele Missstände in Politik und Gesellschaft die behoben werden müssen. Dazu müssen wir die Menschen infor­mieren und fangen schon bei den Jugendlichen an. Wenn du also Lust hast dich in die Zeitung einzubringen – vom Texte schreiben über die Anzeigenaquise bis zum Layouten – würden wir uns sehr über deine Mitarbeit freuen! Im Dezember findet in Bochum ein Neuanfangs-Treffen statt, auf der wir gemeinsam überlegen, wie es mit der utopia weitergehen soll (siehe Kasten). Scheu dich nicht uns eine Mail zu schreiben – die kleine und junge utopia-Redaktion (der Älteste ist 23 Jahre alt) ist für alle(s) offen!

Neustart – utopia-Treffen für Neue

Am Sonntag, dem 12. Dezember wollen wir gemeinsam überlegen, wie es mit der utopia weitergeht. Das verknüpfen wir mit einer kleinen „Schreibwerkstatt“, die am Tag vorher, am Samstag, dem 11. Dezember, stattfinden soll. Dabei wollen wir journalistischen Fähigkeiten erlernen und ausbauen. Recherche, Schreiben, Layouten und was man sonst noch für Journalismus von unten braucht. Die erworbenen Kenntnisse sind natürlich nicht nur bei der utopia anwendbar, sondern eignen sich auch für andere Medien. Das Treffen findet am 11. und 12. Dezember in Bochum statt. Es ist auch möglich, nur an einem der beiden Tage zu kommen. Bei Interesse melde dich bitte bei redaktion@jugendzeitung.net.

Eure utopia-Redaktion

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