100 Jahre Internationaler Frauentag

Vor 100 Jahren wurde er zum ersten Mal gefeiert: Der Internationale Frauentag. Nach einem Streik von Textilarbeiterinnen wurde der Tag 1910 auf Initiative der Sozialistin Clara Zetkin auf der II. Internationalen  Sozialistischen Frauenkonferenz förmlich beschlossen und im März 1911 zunächst in fünf Ländern begangen.

Clara Zetkin, Weggefährtin von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, Mitglied des linkssozialdemokratischen Spartakusbundes, ab 1919 der KPD und Vorstand der Roten Hilfe Deutschlands, war es besonders wichtig, dass der Kampf der Arbeiter_innen auch ein Kampf für Frauenrechte ist.

Zentrale Forderungen

Marxistisch geprägt sprach sie sich zunächst dafür aus, die „Frauenfrage“ als Nebenwiderspruch (neben dem Konflikt von Erwerbsarbeit und Kapital) anzusehen und die Emanzipation der Frauen auf die Zeit nach der Revolution zu verschieben. Die Frauenbewegung war in großen Teilen bürgerlich geprägt, was ihr als Sozialistin missfiel. Später trat sie jedoch auch für das aktive und passive Frauenwahlrecht ein, welches neben gerechter Entlohnung und Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen die wichtigste Forderung des ersten Internationalen Frauentages war. Auch in den folgenden Jahren blieben diese Forderungen am Frauentag zentral, zusammen mit Mutterschutz und dem Recht auf Abtreibung. In der NS-Zeit wurde der Frauentag verboten. Eingeführt wurde der Muttertag (der noch heute gefeiert wird!), der die Frau auf ihre Gebärfunktion reduziert. Nach 1945 geriet der 8. März in der BRD in Vergessenheit, während in der Sowjetunion und somit auch in der DDR bzw. in der sowjetisch besetzten Zone schon 1946 wieder der Tag begangen wurde. Frauen wurden an dem Tag mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht und ihre Leistungen für den „real existierenden Sozialismus“ gelobt. Viele empfanden das als blanken Hohn. Einmal im Jahr wird an sie gedacht, die sie das ganze Jahr lang Kinder und Haushalt mit der Erwerbsarbeit unter einen Hut bringen müssen, von „Gleichberechtigung“  wenig mitkriegen: es kam das Gefühl auf, für die Selbstbeweihräucherung des Staates herzuhalten. Teile der Frauenbewegung in der BRD kramten den Internationalen Frauentag in den 1960er-Jahren wieder hervor und demonstrierten am 8. März für Frauenrechte.

Clara Zetkin | Foto: Wikipedia

Gönnerhaftes Symbol?

Schon damals war und auch heute noch ist der Internationale Frauentag umstritten. Manche halten ihn für überflüssig, weil sie der Meinung sind, es reiche mit der Emanzipation. Schwierigkeiten, denen sich Frauen gegenübersehen, seien individueller und nicht systematischer Art. Dabei vergessen sie die Leistungen von Feminist_innen über die Jahrzehnte. Manche halten den internationalen Frauentag für ein bloßes Symbol, gönnerhaft erhaltene 24 Stunden, die den Frauen gewidmet werden, in denen sie rote Nelken geschenkt bekommen und während derer über Rückständigkeit auf dem Weg zur Gleichberechtigung geredet wird, nur um am nächsten Tag zum patriarchalen und ausbeuterischen Normalzustand zurückzukehren. Schön wäre es, wenn es den Tag nicht mehr bräuchte, wenn Frauenrechte als Menschenrechte akzeptiert wären und Geltung hätten. Leider ist es bis dahin noch ein langer Weg. So bleibt der 8. März auch dieses Jahr ein Tag zur internationalen Solidarisierung gegen unfaire und ausbeuterische Arbeits- und Lebensbedingungen, wie er es schon vor 100 Jahren war.

Alex

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