Erfolgreiche PelzgegnerInnen
Kampagnenarbeit – der Schlüssel zum Erfolg?
Es gibt viele Methoden, um für eine herrschaftsfreie Gesellschaft zu kämpfen. Während die einen ihren Schwerpunkt auf Theoriearbeit legen, versuchen andere, durch Aktionen konkret Veränderungen zu erzielen. Schwierig ist dabei immer, die Effektivität bestimmter Aktionen oder Projekte einzuschätzen. Eine Form der politischen Arbeit gibt diesbezüglich jedoch eine klare Rückmeldung – die Kampagnenarbeit.
Die Kampagne, wie sie in der Tierbefreiungsbewegung schon mehrfach erfolgreich durchgeführt wurde, zeichnet sich durch ihre klar definierten Forderungen aus, mit denen sie ein Unternehmen konfrontiert. Im Fall der im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossenen Anti-Pelz-Kampagne gegen Escada war eine der Forderungen die schriftliche Bestätigung über den Ausstieg aus dem Pelzhandel. Werden die aufgestellten Forderungen nicht erfüllt, startet die Kampagne; bei Escada gab es allein in den ersten Monaten mehr als 300 Aktionen und es beteiligten sich Aktivist_innen aus über 20 Ländern. Kampagnen sollten keine hierarchische Struktur haben, ein Organisationsteam kann aber hilfreich sein: Bei der Koordination, um mit dem betroffenen Unternehmen Kontakt zu halten und eine Homepage für die Dokumentation der Aktionen zu erstellen.

Demonstration gegen Tierversuche und die Pelzindustrie in Münster (Westfalen) 2009 | Foto: Michael Schulze von Glaßer
Der Vorteil für Aktionsgruppen, sich einer Kampagne anzuschließen oder gar eine eigene aufzustellen ist nicht nur, dass die Kampagne ein konkretes Ziel liefert, sondern auch, dass sie Aussicht auf Erfolg verspricht. Außerdem gibt es immer viele Ansatzpunkte, um den Druck aufzubauen, der notwendig ist, um die Kampagne erfolgreich abzuschließen. Bei der Escada-Kampagne wurde zum einen die Kundschaft direkt vor den Läden mit den Grausamkeiten der Pelzindustrie konfrontiert, zum anderen kam es zu Störungen von Aktionärsversammlungen, Fashionshows und anderen Events. Ein finanzieller Schaden, verursacht durch Kundenverlust, direkte Aktionen und Imageschaden ist oft die Voraussetzung für das Unternehmen, Forderungen zu erfüllen. Abgeschlossene Kampagnen geben meist keinen Aufschluss darüber, welcher Faktor ausschlaggebend für den Erfolg war. Bei Escada kann man aber davon ausgehen, dass sowohl der Imagewandel des Konzerns und die zwischenzeitlich sehr schlechte finanzielle Lage als auch die Kontinuität der Aktionen und einige direkte Aktionen dazu beigetragen haben, dass dieses Unternehmen keinen Echtpelz mehr verkauft.
Von den Kritikpunkten an der Kampagnenarbeit wäre an erster Stelle wohl das Risiko der Repression zu nennen. Für Escada lag es nahe, zuerst mit juristischen Mitteln gegen die Kampagne vorzugehen, um sie ohne Erfüllung der Forderungen loszuwerden. So wurden angemeldete Aktionen durch einstweilige Verfügungen oder übertriebene Auflagen weitgehend eingeschränkt und Aktionen des zivilen Ungehorsames strafrechtlich verfolgt. Kampagnen können außerdem sehr lange dauern, je nachdem wie hoch das Ziel gesteckt ist. Wie sich auch bei der 3-jährigen Escada-Kampagne zeigte, besteht hierbei die Gefahr, dass die Beteiligung der Aktionsgruppen sinkt. Während sich anfangs viele Gruppen aus der BRD und anderen Ländern beteiligten, konzentrierte sich der Protest gegen Ende auf nur wenige Städte.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Kampagnen ein sehr effektives Mittel im politischen Kampf sind, sofern eine rege und kontinuierliche Beteiligung anderer Gruppen bis zum Schluss vorausgesetzt werden kann. Der Erfolg der Escada-Kampagne zeigt nicht zuletzt, dass auch große, prestigeträchtige Konzerne nicht immun gegen den Protest sozialer Bewegungen sind.
Veronika Fesl







